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Altenburg Michael Wolf bringt Altenburger SPD in die Bredouille – Dirk Schwerd kandidiert nicht
Region Altenburg Michael Wolf bringt Altenburger SPD in die Bredouille – Dirk Schwerd kandidiert nicht
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14:52 12.03.2018
Die Altenburger SPD sucht nach einem OB-Kandidaten. Quelle: dpa
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Altenburg

Michael Wolfs Rückzug aus dem Rathaus ist für die Altenburger SPD-Führung ein Schlag in die Magengrube. Langsam versuchen sich die Genossen wieder aneinander aufzurichten. Aber die Schmerzen werden noch geraume Zeit anhalten. Schließlich läuft den Sozialdemokaten in der Skatstadt die Zeit davon, um einen geeigneten Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl im nächsten Jahr zu finden. Zumal sie davon nicht sonderlich viele habe.

Vor Mittwochnachmittag wussten nur wenige Parteigenossen von Wolfs Entschluss: Kreistagsfraktionschef Dirk Schwerd, Stadtrat Nikolaus Dorsch und der frühere Bundestagsabgeordnete Peter Friedrich. Dementsprechend war die Stimmung auf der abendlichen Kreisvorstandssitzung. Hängende Köpfe und betretene Mienen sah man im SPD-Büro in der Moritzstraße.

OB brüskiert Ziehvater

„Ich bin absolut überrascht“, sagte Volker Schemmel, einer der Gründerväter der SPD im Kreis, der am Mittwochabend aber wegen einer Reise fehlte. Er habe von Wolfs Entscheidung, 2018 nicht noch einmal für den OB-Posten zu kandidieren, nichts gewusst. Dabei saßen beide am Montag noch wegen anderer Dinge zusammen. „Es ist fahrlässig, uns nicht vorneweg zu informieren“, so Schemmel weiter. Da es dem Ziehvater Wolfs nicht alleine so ging, ereilten ihn ab Donnerstagfrüh, 5.07 Uhr, Nachrichten und Anrufe diverser Genossen. „Ich habe ihnen gesagt, sie sollen die Ruhe bewahren“, erzählt der 75-Jährige. Man müsse nun auf Kandidatensuche gehen, habe da aber „wirklich nichts in petto“. Es gebe zwar geeignete Kandidaten in den eigenen Reihen, Namen wolle er aber noch nicht nennen.

Wolfs Favorit für sein Erbe war nach OVZ-Informationen Dirk Schwerd. Der Rechtsanwalt winkt aber ab. „Ich stehe für jegliche Wahlämter in der Stadt und im Kreis nicht zur Verfügung“, erklärte der Rechtsanwalt, der sich weiter voll und ganz auf seinen Beruf konzentrieren will, am Donnerstag auf Nachfrage. Er wolle Wolf keinen Vorwurf machen, respektiere seine Entscheidung und ruft seine Genossen auf, nach vorn zu schauen. „Es geht jetzt darum, dass wir von dem schweren Schlag nicht langfristig am Boden bleiben“, so Schwerd. „Vielleicht wird uns Micha noch anderer Stelle mehr weiterhelfen.“ Damit meint er Wolfs Liebäugeln mit einer – sofern die SPD es will – Kandidatur für ein Landtagsmandat 2019. „Wir sind in der Verantwortung. Vielleicht ist das auch der Startschuss für ein bisher unvorhersehbares Wahlkampfereignis.“

Kommt überparteilicher Kandidat?

Darauf deutet auch der Kommentar von Wolfs Vertrautem Nikolaus Dorsch hin. Für ihn sei es das Wichtigste, einen Kandidaten zu finden, der das demokratische Erbe von Wolf fortsetzt, so der Stadtrat. Das könne auch in einem Konsens aller demokratischen Parteien geschehen, um zu verhindern, dass sich am Ende ein Bewerber aus den Reihen des Bürgerforums oder der AfD durchsetzt.

Wolfs Rückzug bezeichnete Dorsch als „erhebliche Zäsur“. Damit habe er nicht gerechnet. „Dies stellt alle Parteien, nicht nur die SPD, vor eine neue Ausgangslage“ , sagte der 59-Jährige. Allerdings habe der OB das Recht, seinem Stil entsprechend über eine solche Entscheidung die Öffentlichkeit zu informieren, spielte Dorsch auf die Tatsache an, dass Wolf nur wenige SPD-Mitglieder in seine Pläne eingeweiht hatte. Bis zur Wahl im Mai 2018 sei jedoch noch genügend Zeit, einen Kandidaten zu finden. Sich jetzt bereits auf Namen einzulassen, sei zu zeitig.

„Ich war nicht begeistert“, hatte SPD-Kreischef Frank Rosenfeld am Donnerstag noch Mühe, Wolfs Entscheidung zu verdauen. Er hätte sich gewünscht, von dessen Plänen ein halbes Jahr eher zu erfahren. Nun habe man in schwierigen Zeiten einen Kämpfer verloren. Für Altenburg könne er sich keinen besseren Manager vorstellen. Allerdings sei die SPD in der Lage, einen neuen Kandidaten aufzustellen. Bereits auf einer Sitzung am Freitag werde man damit beginnen. Rosenfeld bezeichnete Wolfs Rückzug als ein deutliches Signal an Erfurt und Berlin, endlich für eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen zu sorgen. Dass dies nicht so ist, war ein Grund für dessen Entscheidung.

Entscheidung zur Unzeit

Für Norman Müller kommt Wolfs Entscheidung, die er respektiere und nachvollziehen könne, zur Unzeit. „Der Zeitpunkt ist suboptimal“, erklärte der SPD-Fraktionschef im Stadtrat. „Jeder, der als Kandidat infrage kommt, hat jetzt andere Zukunftspläne.“ Ob er zum Kandidatenkreis zählt, wollte er aber genauso wenig kommentieren wie andere Namen. „Wir werden uns zusammensetzen und warten die internen Beratungen ab.“

Er habe gehofft, dass Wolf noch eine Amtszeit dranhängt, zeigte sich Altenburgs Ortsvereinschef Thomas Jäschke von der neuen Lage etwas überrascht. „Mit ihm hätten wir die Wahl 100-prozentig gewonnen.“ Er war vom OB erst Mittwochnachmittag über den Rückzug informiert worden. Doch auch ohne den Amtsinhaber habe die SPD den Anspruch, die Wahl zu gewinnen. Mit wem, werde jetzt in internen Gesprächen geklärt. Ob er selbst kandiert, ließ Jäschke offen.

Von Thomas Haegeler und Jens Rosenkranz

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