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Mieter und Gemeinde zoffen sich um Baupfusch und Kosten im Quellenhof Garbisdorf

Querelen um Kleinod Mieter und Gemeinde zoffen sich um Baupfusch und Kosten im Quellenhof Garbisdorf

Mit über 50 Veranstaltungen im Jahr ist der Kulturhof Quellenhof in Garbisdorf über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Doch jetzt droht ein Streit zwischen einem Mieter und der Gemeinde, das Image zu ramponieren. Es geht um Baumängel, die Auslegung eines nicht eindeutigen Vertrages und um das Schicksal des Ateliers „Kunst und Keramik“.

Stein des Anstoßes ist dieses Gebäude im Kulturgut (links im Bild) und der Platz davor.

Quelle: Frank Prenzel

Garbisdorf. Er gilt als Quell von Kunst und Frohsinn, steht beispielhaft für die Umnutzung uralten dörflichen Gemäuers, mit dem Leben einzog in ein 80-Seelen-Dörfchen am Rande des Kreises und das deshalb weithin ausstrahlt: das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf. Doch seit Wochen mischt sich trübes Wasser ins klare Geplätscher, das das Image des Kleinods zu beschmutzen droht.

Anlässe sind Baumängel und der Streit um einen Vertrag zwischen der Gemeinde Göpfersdorf und Klaus Hiller, der eine Wohnung in einem Nebengebäude im Obergeschoss gemietet und das Verkaufsatelier „Kunst und Keramik“ im Erdgeschoss betreibt. Außerdem hat er sich als Organisator des Kurzfilmfestivals „Quellinale“ einen Namen gemacht. Der 52-Jährige ließ sich 2011 auf den Vorschlag der Gemeinde ein, die teilsanierte Wohnung und das Untergeschoss auf eigene Kosten fertigzustellen und dafür nur eine kleine Miete, rund 110 Euro, zu zahlen. Das hatte Vorteile: Die Gemeinde sparte Geld, es gab keine ständigen Mieterwechsel sowie eine sinnvolle, nachhaltige und zum Quellenhof passende Nutzung. Hiller investierte 70 000 Euro, nahm dazu einen Kredit auf, blieb jedoch 26 000 Euro unter der vertraglich vorgegebenen Obergrenze, wie er gegenüber der OVZ erklärte.

Doch nach zwei Jahren waren die Nässe und der Salpeter in den Atelier-Wänden nicht mehr zu übersehen. Ursache ist höchstwahrscheinlich die über 100 Jahre lange Nutzung als Stallung. Aquarelle nahmen Schaden, andere Kunstgegenstände verschimmelten und mussten ausgelagert werden. Die Nutzung als Atelier ist gefährdet.

Acht Fenster waren undicht und der Innenhof ist nur schlecht gepflastert. In Kunstkreisen hat sich das Ärgernis längst herumgesprochen.Von einem drohenden Ausverkauf ist in Internet-Foren die Rede, freilich noch ironisch.

Doch die Zeiten für feinen Spott sind vorbei. Denn die Gemeinde hat ihren Mieter, der viel Geld eingesetzt und sich dabei verschuldet hat, verklagt und den Mietvertrag zum 12. September nun auch fristlos gekündigt, wie Hiller der OVZ erklärt. Angeblich seien Mitrückstände in Höhe von 20 400 Euro aufgelaufen. Erklären kann sich Hiller diese überhaupt nicht. „Die Gemeinde will mich rausklagen, vertreiben und meine Existenz vernichten“, sagt er und spricht von einer degenerierten Moral.

Klaus Börngen (Linke), Bürgermeister von Göpfersorf, sieht die Schuld nicht bei der Gemeinde, sondern beim Mieter. Die Klage fußt auf Beschlüsse des Gemeinderates, an die er sich halte, sagte Börngen der OVZ. Hiller habe beim Ausbau der Wohnungen den der Miete angemessen Rahmen überzogen, unangemessene Ausgaben, wie beispielsweise Kamin und Küche, getätigt, erläuterte er. Die Investitionen hätten Positionen enthalten, „die nicht angedacht waren“, behauptet Börngen. Ziehe man die unangemessenen Ausgaben ab, blieben tatsächliche Kosten in Höhe von 42 000 Euro übrig, statt jener 70 000, die der Mieter geltend mache. „Der Gemeinderat fühlt sich deswegen über den Tisch gezogen.“ Der Bürgermeister räumt allerdings ein, dass im Vertrag nirgendwo festgeschrieben war, was der Mieter konkret investieren durfte und was nicht. Das hätte man in der Tat besser regeln müssen.

Die Baumängel erkennt Börngen ebenso an. Es sei in der Tat nicht perfekt saniert worden, die Folgen wären jedoch nicht so gravierend. Dass Baumängel auftreten, damit hätte Hiller rechnen müssen, meint der Bürgermeister. Die jetzige Nutzung sei angesichts der Nässe sicher problematisch, stand jedoch bei der Vermietung nicht fest.

Dass der Quellenhof durch die Querelen nun Schaden nehme, könne passieren, sei aber nicht mehr zu ändern, schätzt Börngen ein. Das Ziel, die Einrichtung fertig zu sanieren, werde dadurch nicht gefährdet. Auch das Konzept sei nachhaltig angelegt. Bislang seien 2,4 Millionen Euro in die Sanierung geflossen. Eine Million werde noch gebraucht. „Mit diesen Beträgen haben wir uns nicht übernommen. Aber wir brauchen Zeit.“

Von Jens Rosenkranz

Garbisdorf 50.9234876 12.6018111
Garbisdorf
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