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Altenburg Mietnomaden machen Altenburger Kleingärtnern zu schaffen
Region Altenburg Mietnomaden machen Altenburger Kleingärtnern zu schaffen
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00:25 11.04.2018
Bleiben dem Verband erhalten oder sind neu an Bord: Michael Wolf erhielt die Ehrenurkunde des Landesverbandes und bleibt im Vorstand. Neu sind Geschäftsstellenleiterin Ina Rutsch sowie die Vorstände Yvonne Nitsche für die Anlage Mühlengrund und Uwe Bauernfeind für die Sparte Lerchenberg (v.l.). Quelle: Jörg Wolf
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Altenburg

Das herrliche Frühlingswetter am Sonnabend hätte die Kleingärtnerherzen eigentlich jubeln lassen müssen. Aber die Stimmung drinnen im Saal der Destille, wo der Regionalverband jener Kleingärtner zur Jahreshauptversammlung eingeladen hatte, war eher trüb bis gewittrig.

Nun sind die Sorgen der Fans von Beet, Laube & Co. beileibe nicht neu: Im überreichlich mit Sparten gesegneten Altenburger Land gibt es solche Parzellen wie Sand am Meer, aber aufgrund der stetig sinkenden potenziellen Nutzer immer weniger Interessenten. Mit einem so genannten Leerstandsmanagement und einem Entwicklungskonzept betreiben speziell die Stadt Altenburg und der Regionalverband ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, in dem dieser Schrumpfungsprozess gezielt gesteuert werden soll.

Was auch Erfolg zeigt: Von den aktuell 3814 Parzellen in den Mitgliedssparten des Regionalverbandes sind aktuell 249 ungenutzt. „Was einer Quote von 6,5 Prozent entspricht und zeigt, dass der wachsende Leerstand gestoppt ist“, konnte Verbandschef Wolfgang Preuß zwar konstatieren und richtete dabei auch den Blick auf Sachsen-Anhalt, wo die Quote mittlerweile auf üppige 20 Prozent angestiegen ist.

Allerdings hängt auch diese vergleichsweise ordentliche Anzahl von verwildernden Kleingärten wie ein Mühlstein an den ehrenamtlich aktiven Vorständen in den Anlagen. „Mittlerweile ist die Bereitschaft, sich in solchen Gremien zu engagieren, deutlich gesunken. Und die alten Haudegen in Leitungsfunktionen kommen in ein Alter, wo sie solche verantwortungsvollen Funktionen nicht mehr ausüben wollen oder verständlicherweise nicht mehr können. Aber jüngere Nachrücker sind oftmals rar. Vor allem, weil sie auswärts arbeiten und nur bedingt Zeit für so ein wichtiges Ehrenamt haben“, so Preuß. „Uns laufen die Vorstände aus und zugleich werden die finanziellen Ressourcen immer knapper“, warnte der Verbandschef.

Sicher seien dies noch die absoluten Ausnahmen. Aber was im Falle eines nicht mehr arbeitsfähigen Vorstandes droht, zeigte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach. In den betroffenen Anlagen entstehen praktisch rechtsfreie Räume, weil kein ordentlich gewählter und mit den entsprechenden Rechten versehener Ansprechpartner mehr da ist.

Es ist aber nicht verwunderlich, dass die Bereitschaft am Mitgestalten immer weniger wird. Matthias Busch, Chef der Anlage „Weißer Berg“, umriss in einer schon aufrüttelnd scharfen Stellungnahme das bestehende Problem. Busch verlas einen vom gesamten Anlagenvorstand unterzeichneten offenen Brief an den Regionalverband. „Die für den heutigen Tag geplante Vorstandswahl wird ausgesetzt“, heißt es darin. Man habe jederzeit versucht, die Anlage in eine sichere Zukunft zu führen, „was nicht gelungen ist“. Ein Grund seien die gesunkenen Mitgliederzahlen, aber punktuell auch immer wieder auftretende Mietnomaden. Die belegen einen Garten, denken aber nicht daran, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. „Dann müssen wir teure Rechtsstreite führen, die wir zwar gewinnen, bleiben aber auf den Kosten und den Außenständen sitzen und müssen gar noch die Beräumung der leeren Parzelle bezahlen, weil beim Schuldner nichts zu holen ist und der in Privatinsolvenz geht“, so Busch. Er sieht in dieser Entwicklung „Versäumnisse der Verbände sowie der Landes- und Kommunalpolitik“.

Andere Spartenchefs bestätigten teils sehr emotional Buschs Schilderungen. Auch dort wurden solche Fälle verzeichnet. Sicher Einzelfälle, die aber schnell das gesunde Gleichgewicht einer Anlage in Schieflage bringen können. „Und auf der anderen Seite muss ich rein rechtlich ein über 80-jähriges und langjähriges verdientes Spartenmitglied vor den Kadi zerren, weil der seinen Garten aus Altersgründen abgeben muss und die vorgeschriebene Komplettberäumung nicht zahlen kann“, so Busch.

Wo es gewittert, sind aber auch die sonnigeren Momente nicht weit: Der Versammlung wohnten fast alle Kandidaten der bevorstehenden Wahlen zum neuen Altenburger Oberbürgermeister sowie Landrat bei, die durchweg ihre volle Unterstützung für die Kleingärtner zusagten.

Und der scheidende Oberbürgermeister Michael Wolf wird nach dem Ende seiner Amtszeit seinen Sitz im Vorstand des Verbandes behalten, wie es mit Ina Rutsch eine neue Geschäftsstellenleiterin im Verbandssitz gibt. Zudem konnten mit den Anlagen „Mühlengrund“ sowie „Lerchenberg“ zwei neue Sparten in den Reihen des Regionalverbandes begrüßt werden, dem nun 70 Anlagen angehören.

Von Jörg Wolf

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