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Milchbauern im Altenburger Land kämpfen wegen niedriger Preise um ihre Existenz

Landwirtschaft Milchbauern im Altenburger Land kämpfen wegen niedriger Preise um ihre Existenz

Zwischen 23 und 25 Cent erhalten Bauern im Altenburger Land im Moment für einen Liter Milch, nötig waren mindestens 40. Die Betriebe fürchten deshalb um ihre Existenz, warnt Kreisbauerverbandschef Berndt Apel. Denn neben der Milchproduktion werde auch in der Fleischerzeugung seit Monaten nicht mehr kostendeckend gearbeitet.

Für Milch gibt es zu wenig Geld.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. „Uns steht das Wasser bis zum Hals. Die Nerven liegen blank.“ Dietmar Lehmann, der Vorstandsvorsitzende des Agrarunternehmens Langenleuba-Niederhain, wird gleich sehr deutlich, wenn er nach den derzeitigen Milchpreisen gefragt wird.

170 Kühe hat sein Betrieb, auf die er sehr stolz ist. Denn die Tiere sorgen mit ihrer Milch für Spitzenergebnisse in Thüringen, leider eben aber für keine Spitzenpreise. Denn das Niederhainer Unternehmen bekommt im Moment 24 Cent pro Liter. „Um wirtschaftlich zu arbeiten, brauchen wir zwischen 40 bis 50 Cent“, erklärt Lehmann. Bleibe der Preis auf diesem Niveau, sei es nur eine Frage der Zeit, darüber nachzudenken, ob man sich die Milchproduktion noch leisten könne. „Noch halten wir durch, wir wissen aber nicht, wie lange wir das schaffen.“ Der erste Betrieb in der Gegend, eine Firma im sächsischen Dürrenuhlsdorf, nur zehn Kilometer entfernt, habe bereits aufgegeben. Denn anders als beispielsweise Spargelbauern könnten die Milcherzeuger ihre Mehrkosten durch die Einführung des Mindestlohnes nicht an die Kunden in Form von höheren Preisen weitergeben, ärgert sich der Vorsitzende.

So wie das Niederhainer Unternehmen klagen alle der etwa elf Milchbetriebe im Altenburger Land über das miserable Preisniveau. Dabei hat der Landkreis mit 5300 Milchkühen noch etwas Glück, denn das sind nur rund fünf Prozent des Bestandes in Thüringen. Für die Betroffenen sei dies eine enorme Belastung, wenn ein Drittel der Einnahmen fehlt, sagt Kreisbauernverbandschef Berndt Apel der OVZ. Dabei könnten die momentan gezahlten 23 bis 25 Cent sogar noch um drei Cent sinken, wagt Apel einen Ausblick.

Das aber ist nicht alles. Auch die Schweineproduzenten seien seit 2015 in einer ähnlichen Situation, wo längst keine kostendeckenden Preise mehr erzielt würden. Viele Bauern hätten jedoch in moderne Stallanlagen investiert, um die Haltungsbedingungen zu verbessern. Hier drücken die Rückzahlungen. Die Bauern würden zwar mit ihren Banken verhandeln, um die Belastungen zeitlich zu strecken, doch ewig werde dies nicht gehen. Noch habe im Landkreis kein Betrieb aufgegeben, doch ausgeschlossen sei dies nicht, warnt der Verbandschef. Apel kritisiert deshalb auch die Handelsketten, die die Preise niedrig halten. Denn die Verbraucher würden mehr bezahlen.

Eine mögliche Lösung sei eine Mengenreduzierung durch die Regulierung der Tierbestände. Doch diese müsste mindestens europaweit erfolgen, eine Einigung deshalb sei nahezu ausgeschlossen. Eine andere Variante wäre eine Prämie für jede Kuh, die der Milchproduktion entzogen werde. Dadurch könnten am Ende die Preise wieder anziehen. Ebenso denkbar sei das Umsatteln auf Bio-Milch. Doch wenn das viele Bauern tun, würde es auch auf diesem Sektor zu Überproduktionen kommen. „Einen Königsweg gibt es nicht“, sagt Apel.

Solange sich nichts ändert, werde in der Milchproduktion Geld verbrannt, könnte sich Dietmar Lehmann aus Niederhain schwarz ärgern. Für ihn ist die Lage dramatisch. Denn am Ende gehe es nicht mehr um Milch oder Kühe, sondern um Jobs und um Existenzen.

Von Jens Rosenkranz

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