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Milchpreise: Aktuelles Hoch entlastet Agrarunternehmen im Altenburger Land

Landwirtschaft Milchpreise: Aktuelles Hoch entlastet Agrarunternehmen im Altenburger Land

Bis zu zwölf Cent verdienen die Agrarunternehmen mehr an der Milch als im Vorjahr. Damit werden erstmals seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Zum Ausgleich der Verluste der Vergangenheit würden die Unternehmen aber rund fünf Jahre ein solches Preisniveau benötigen.

Leistungsmelken der Azubis in der Agrargenossenschaft Thonhausen: Unter den strengen Augen der Juroren checkt Victoria Kästner (mit blauer Schürze) die Euter auf Gesundheit, putzt die Zitzen und legt das Melkgeschirr an.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Thonhausen. Zeit ist Geld – auch in Kuhstall. Beispielsweise müssen zwei Mitarbeiter zwischen 120 und 130 Kühe pro Stunde bei der Agrargenossenschaft Thonhausen melken. Nur dann schaffen sie es, dass jede der 420 Milchkühe, die in den Ställen des Unternehmens stehen, binnen reichlich drei Stunden drankommt. Entsprechend groß ist der Druck, dem sich auch der Nachwuchs stellen muss. Die vergangenen beiden Tage trafen sich 18 junge Leute aus Ostthüringen – bis auf wenige Ausnahmen alles Azubis – zum Wettbewerb Leistungsmelken bei der Agrargenossenschaft Thonhausen, die diesmal Gastgeber war.

Die Teilnahme am Ausscheid der besten Melker, den es seit zig Jahrzehnten gibt, war freiwillig. „Mich hat Zahl der Teilnehmer positiv überrascht“, so Heike Grau vom Landwirtschaftsamt Zeulenroda, das gemeinsam mit den Ostthüringer Bauernverbänden den Wettbewerb organisiert. Grau gehörte in Thonhausen zu den Prüfern. Sie beurteilte mit, wie sich die jungen Tier- und Landwirte erst in der Theorie und später auf dem Melkstand schlugen. Fundiertes Wissen um Tiergesundheit und Inhaltsstoffe der Milch waren genauso wichtig für den Sieg wie Sauberkeit, Schnelligkeit und Qualität beim maschinellen Melken.

Klar, der alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb soll den Teilnehmern auch Freude bereiten, was der Ernsthaftigkeit bei der Arbeit aber keinen Abbruch tat. Schließlich wurde mit lebenden Wesen umgegangen und dabei ein wichtiges Nahrungsmittel produziert. Darüber hinaus fand unter den Teilnehmern ein reger Erfahrungsaustausch statt. Neben den zahlreichen feinen Unterschieden in der Rinderhaltung, bei der jeder Betrieb auf seine Methode schwört, bot der momentane Milchpreis Gesprächsstoff.

„Der Milchpreis ist sowieso tägliches Thema“, sagte Anna Rosinski, die in Bernsgrün-Hohndorf lernt. Ihren Entschluss, einen landwirtschaftlichen Beruf zu ergreifen, habe dieses leidige Thema aber nicht beeinflusst. „Auf dem Hof meiner Eltern gibt es alles außer Kühen, deshalb beschäftige ich mich jetzt damit“, erklärte die junge Frau. Außerdem seien Kühe schön und liebenswert, findet Sina Reithel, die deshalb eine Lehre in Schlöben begonnen hat. „Ich wollte immer etwas mit Tieren machen. Und weil ich durch eine Bekannte schon als Schülerin im Kuhstall helfen durfte, habe ich mich für den Tierwirt entschieden“, plaudert Sina Reithel, bevor auch sie wie alle Teilnehmer antritt, unter den strengen Augen der Jury fachgerecht 16 Kühe zu melken.

„Ich finde den Wettbewerb hervorragend“, meinte Tino Ahner, Stallchef in Thonhausen, während die jungen Leute sein Team im Melkstand vertraten. Rund 11 000 Liter Rohmilch produziert die Agrargenossenschaft täglich. „So wie der Milchpreis gerade ist, sind kleine Gewinne drin. Doch um die Verluste der Tiefpreisphasen auszugleichen, müssten wir fünf bis zehn Jahre so wirtschaften“, rechnete er vor. Doch bereits jetzt wird prognostiziert, dass 2018 die Erlöse wieder fallen werden. Von der Butterpreis-Steigerung würden ungefähr acht Cent im Betrieb ankommen, der zuletzt seine Milch für 38 Cent los wurde.

„Aber der Preis ist monatlich anderes“, sagt Karsten Schellenberg von der Agrargenossenschaft Gerstenberg. Wieviel das für den laufenden Monat sei, würden die Landwirtschaftsbetriebe regelmäßig erst im Nachhinein erfahren. Auf OVZ-Anfrage erklärt Schellenberg, auch die Agrargenossenschaft Gerstenberg bekam zuletzt 38 Cent pro Liter. Was rund 12 Cent mehr im Vergleich zu den Erlösen der Vorjahre sei, in denen sich nach dem 20-Cent-Tiefpunkt der Literpreis bei 25/26 Cent eingepegelt hatte. Einfluss auf die Preisgestaltung hätten die Landwirte kaum. „Der Grundpreis wird sowieso von den Abnehmern festgelegt. Ein wenig können wir aber die Zuschläge für die Inhaltsstoffe wie Eiweiß oder Kohlenhydrate beeinflussen. Doch das ist minimal und macht höchstens zwei Cent aus.“

Eine unabhängige Preisbestimmung über Direktvermarktung via Milchtankstelle sei dennoch keine Alternative. „Weil viele Regeln zu beachten sind. Zum Beispiel muss nichtpasteurisierte Milch auf dem Grundstück verkauft werden, auf dem sich der Kuhstall befindet. Unserer ist am Ende einer Sackgasse.“ Zudem müsste viel in die Technik investiert werden, die dann großen Pflegeaufwand nach sich zieht. Ein Euro müsste pro Liter Milch verlangt werden, die dann von den Kunden zuhause unbedingt noch abgekocht werden muss, weil sie nicht keimfrei ist. Und anders als homogenisierte Milch hält sich die frische dann höchstens drei Tage. Wie lange und ob das auf dem Dorf funktioniert, ist fraglich. Mithin ist das Risiko für die Betriebe zu hoch.

Dennoch denke kaum einer ans Aufgeben der Rinderhaltung. Vor allem weil die Sparten Pflanzen- und Tierproduktion zusammen mit Bio-Gasanlagen erst gemeinsam einen stimmigen Kreislauf in der Landwirtschaft ergeben. „Dazu kommt, das eine Kuh zwei Jahre braucht, bis sie Milch gibt und die Betriebe viel in Ställe und Technik investiert haben“, erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Bernd Apel. Rund 7500 Stück Milchvieh gebe es im Altenburg Land, damit ist dieser Bereich im Kreis vergleichsweise klein, „Aber hoch effektiv“, betont Apel.

Übrigens: Die Ergebnisse des Leistungsmelkens gibt es am 24. November.

Von Jörg Reuter

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