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Mindestlohn: Meuselwitzer Betrieb verlagert Teile der Produktion nach Tschechien

Kritik vom Gewerkschaftsbund Mindestlohn: Meuselwitzer Betrieb verlagert Teile der Produktion nach Tschechien

Einer der drei größten Meuselwitzer Betriebe, die Hanns Glass GmbH, verlagert Teile seiner Produktion nach Tschechien. Das bestätigte Geschäftsführer Axel Vöpel am Freitag der OVZ. Grund sei die Einführung des Mindestlohnes, der die Produkte für die Abnehmer zu teuer machen würde.

Einer der drei größten Meuselwitzer Betriebe, die Hanns Glass GmbH, verlagert Teile seiner Produktion wegen des Mindestlohns nach Tschechien. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Meuselwitz. Der Traditionsbetrieb an der Altenburger Straße, zu dem die Meuselwitzer kurz "Juba" sagen, stellt Fußmatten für etliche Automarken her, insgesamt rund 1,8 Millionen Stück im Jahr.

Die Verlagerung von Teilen der Herstellung laufe bereits seit Jahresbeginn und betrage mittlerweile etwa 25 Prozent der einstigen Kapazität. Den genauen Produktionsort im Nachbarland wollte Vöpel nicht nennen. Er sagte lediglich, dass er sich etwa 220 Kilometer von Meuselwitz entfernt befindet. Keine Auskunft erteilte der Geschäftsführer ebenso darüber, wie groß der Anteil der gesamten Produktion ist, der verlagert wird und wann dieser Prozess abgeschlossen ist. Antworten darauf würden die Belegschaft verunsichern, sagte Vöpel. Im Moment beschäftigt der Betrieb 240 Mitarbeiter, 60 Prozent davon sind Frauen. Nebulös bleibt auch, welche Teile der Produktion verlagert werden. Vöpel nannte hier den Begriff manuelle Herstellung. Konkreter werden wollte er nicht.

Allerdings werde der Standort in Meuselwitz nicht aufgegeben, trat Vöpel Gerüchten entgegen. Höherwertige und kompliziert herzustellende Matten würden weiterhin an der Schnauder angefertigt. Ebenso die weichen Fußunterlagen für Luxus-Karossen wie beispielsweise für Rolls Royce. Wie groß der verbleibende Anteil in Meuselwitz sein wird, ließ sich der Geschäftsführer auf mehrere Nachfragen nicht entlocken, ebenso wenig, wie viele Entlassungen es bereits wegen der Verlagerung gab. Die Kündigungen hätten sich auf Mitarbeitern von Zeit- und Leiharbeitsfirmen sowie auf jene mit Werksverträgen bezogen. Die Stammbelegschaft sei von Kündigungen kaum betroffen gewesen.

"Der Mindestlohn macht unseren Standort kaputt", sagte er. Reagiere er darauf nicht, sei die Existenz des Betriebes gefährdet. Denn die Abnehmer, sowohl die Automobilhersteller selbst als auch Zulieferfirmen, würden auf Preisen bestehen, die die Lohnsteigerung nicht berücksichtigen. Außerdem gebe es auch in Deutschland genügend Mattenhersteller, die für Beträge produzieren, die die Abnehmer bereit sind zu zahlen.

Dass die "Juba" Schwierigkeiten mit dem Mindestlohn bekommen wird, war absehbar. Schon seit vielen Jahren wurden die dort gezahlten Löhne sowohl von den Meuselwitzern als auch von der Gewerkschaft heftig kritisiert. 2004 etwa kam eine Näherin laut OVZ Informationen auf einen Stundenlohn von 5,68 Euro, eine Zuarbeiterin musste sich gar mit 5,49 Euro begnügen. Bei einer allein stehenden Mutter mit Kind bedeutete diese Bezahlung am Ende des Monats einen Netto-Lohn von 690 Euro.

Die Firmenleitung dagegen sprach von 6,15 Euro pro Stunde, freilich unter Hinzuziehung von Weihnachts- und Urlaubsgeld. Schon vor zehn Jahren wurde diese niedrige Bezahlung mit den knallharten Wettbewerbbedingungen begründet.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Produktionsverlagerung ins Ausland. Kreisvorsitzender Herbert Gräfe sagte der OVZ, dass dies mit dem Mindestlohn gar nichts zu tun habe. Die Auslagerung sei langfristig geplant und geschehe nicht von heute auf morgen. Es sei eher zu vermuten, dass den Eigentümern die Gewinne nicht hoch genug seien, die in Meuselwitz erzielt würden. Gräfe verteidigte die Mindestlöhne. Gerade bei der Juba seien angesichts der dort gezahlten Hungerlöhne die 8,50 Euro längst überfällig gewesen.

Jens Rosenkranz

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