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Minister nehmen sich Zeit für Altenburgs Kultur-Schätze

Zwei auf einen Schlag Minister nehmen sich Zeit für Altenburgs Kultur-Schätze

Im Sommer haben Minister weniger Stress. Gleich zwei von ihnen nahmen sich am Montag jede Menge Zeit, um Kulturgüter Altenburgs kennenzulernen. Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin des Bundes, und der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) waren hin und weg. Ob ihre Begeisterung in Unterstützung mündet, ist allerdings ungewiss.

Imposant – Benjamin-Immanuel Hoff (r.) staunt über das Altenburg-Modell. Museumsleiterin Uta Künzl, OB Michael Wolf und Landrätin Michaele Sojka (v.l.) sind die Stadtführer.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. I

m Sommer haben alle Leute Zeit, zumindest mehr als sonst üblich. Das gilt offensichtlich auch für Minister. Denn gleich zwei von ihnen nahmen sich am Montag jede Menge davon, um ungewöhnlich ausgiebig Kulturgüter Altenburgs näher kennenzulernen. Das war zum einen die Kulturstaatsministerin des Bundes, Monika Grütters (CDU), die das Lindenau-Museum besuchte. Und zum anderen der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), der gleich fünf Einrichtungen in Augenschein nahm: Schloss, Teehaus und Orangerie, Marstall, Rote Spitzen und das Paul-Gustavus-Haus.

Die Einladung an Grütters hatte ihr Parteifreund Volkmar Vogel, Bundestagsabgeordneter der Region, ausgesprochen. „Ich will der Ministerin zeigen, welch bedeutsame Einrichtung mit welch kulturellen Schätzen wir hier haben“, sagte Vogel. Und dieses Kalkül ging auf. Die Ministerin war angesichts der italienischen Tafelmalerei hin und weg. „Das ist ja wirklich spektakulär. So etwas könnte man heutzutage wahrscheinlich überhaupt nicht mehr bezahlen“, lobte die 54-Jährige den Weitblick des Museumsgründers und Namensgebers Bernhard von Lindenau. Die aktuelle Ausstellung über Gerhard Altenbourg fand nicht minder ihr Interesse, nennt doch die Kunstliebhaberin selbst ein Werk von ihm ihr eigen, wusste viel über den Künstler.

Überhaupt zeigte sich Grütters bestens vorbereitet. Denn dass die Einladung nicht ohne „Hintergedanken“ ausgesprochen wurde, war dem Politprofi sehr wohl klar. „Was erwarten Sie von mir?“, fragte sie dann auch rundheraus und machte es der amtierenden Museumsleiterin Sabine Hofmann nicht allzuschwer, die Probleme zu artikulieren. Denn mit zehn Millionen Euro ist die Sanierung des auf den Tag genau vor 140 Jahren eröffneten Gebäudes veranschlagt, weitere sieben Millionen würde die Einrichtung eines Depots kosten.

Die zwei Förderprogramme, die der Bund hier aufgelegt hat, würde die Kosten nicht im mindesten decken. Deshalb orientierte Landrätin Michaele Sojka (Linke) darauf, sich erst einmal nur auf die dringend notwendige Sanierung zu konzentrieren und ein sogenanntes Extra-Programm des Bundes anzuzapfen. Voraussetzungen sind allerdings, dass sich das Land Thüringen mit fünf Millionen beteiligt, das Lindenau-Museum vom Landesdenkmalamt als national wertvolles Denkmal anerkannt wird, ein tragfähiges Konzept vorliegt und nicht zuletzt die vakante Stelle des Museumsleiters wieder besetzt ist. Vorher gehe gar nichts, so die klare Botschaft von Monika Grütters, die sich anschließend auch noch Schloss und Kirche in Ponitz ansah. Da waren die monetären Wünsche mit rund 70 000 Euro allerdings vergleichsweise gering.

Mit solchen Forderungen musste sich ein gut gelaunter Thüringer Kulturminister nicht auseinandersetzen. Hatte er sich doch quasi selbst nach Altenburg eingeladen, da ihm nach seinen wiederholten Besuchen im Lindenau-Museum und Theater der Oberbürgermeister beschied, dass die Skatstadt noch sehr viel mehr zu bieten habe. „Dann zeigen Sie es mir“, sagte Benjamin-Immanuel Hoff und nahm sich am Montag sage und schreibe vier Stunden Zeit – eine mehr als ohnehin schon geplant. Denn der SPD-Politiker Michael Wolf nutzte die Chance und legte ein Mammutprogramm auf, das allerdings zeitlich schon in der ersten Station ins Wanken geriet. Und das nicht nur, weil es sich der Orgelfan Hoff nicht nehmen ließ, dem Schlossorganisten Felix Friedrich zu lauschen. Auf der anderen Seite der Empore sitzend, macht Hoff ihm ein tolles Kompliment: „Wenn ich Ihnen die Hand reichen könnte, würde ich mich vor Ihnen verneigen“, sagte der 40-Jährige.

„Altenburg hat mit seiner reichen Geschichte und der Nähe zur Metropolregion Leipzig gegenüber allen anderen Thüringer Städten einen unschlagbaren Vorteil“, fasste Hoff am Abend seine Eindrücke im OVZ-Gespräch zusammen. In Leipzig steigen die Mieten, da brechen einige soziokulturelle Projekte einfach weg. Hier könne das Paul-Gustavus-Haus beispielsweise eine Alternative sein. „Wenn es darum geht, dass eine Stadt wie Altenburg ihr unglaubliches Potenzial ausschöpfen kann, sind mir Landesgrenzen total schnuppe“, bekannte der Thüringer Minister.

Voraussetzung ist natürlich, dass Leipzig dieses Angebot auch kennt, sagte ein mit dem ungewöhnlichen Ministerbesuch überaus zufriedener OB. „Wir brauchen Netzwerke, Netzwerke, Netzwerke.“

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Von Ellen Paul

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