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Minister reist nach Göpfersdorf – und erntet eine Abfuhr

Gebietsreform Minister reist nach Göpfersdorf – und erntet eine Abfuhr

Das kleine Göpfersdorf hatte am Dienstagabend hohen Besuch: Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) kam in den Quellenhof und warb für die Gebietsreform und die Fusion mit Nobitz. Bürger und Kommunalpolitiker blieben allerdings bei ihrer ablehnenden Haltung.

Innenminister Holger Poppenhäger (2.v.l.) besuchte die Gemeinde Göpfersdorf und hörte sich die Argumente der Gegner der Gebietsreform an.

Quelle: Jörg Reuter

Göpfersdorf. Die geplante Gebietsreform im Freistaat führte vorgestern Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) in die Gemeinde Göpfersdorf. Nach zwei Stunden öffentlicher Diskussion im Quellenhof fuhr er jedoch ohne greifbares Ergebnis wieder ab. Gekommen war Poppenhäger auf Einladung des Nobitzer Bürgermeisters Hendrik Läbe (SPD). Hintergrund des Termins war offensichtlich die verfahrene Situation, die durch das Nein aus Göpfersdorf zur Fusion des Wieratals mit Nobitz entstanden ist. Das erschwert eine zeitnahe Bildung einer neuen Kommune, welche die anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft bereits beschlossen haben.

Bürger und Gemeinderäte sollten noch mal die Möglichkeit haben, Fragen direkt an den Minister zu stellen, um das Pro und Kontra zu diskutieren, erklärte Läbe den hohen Besuch im kleinen Dorf. Für Poppenhäger war der Abstecher einer von vielen. „Das Schöne an der Gebietsreform ist: Ich komme überall im Land herum und lerne Orte kennen, in denen ich zuvor noch nicht war“, sagte er zur Begrüßung und war begeistert vom Quellenhof. Und in gewisser Weise ging es nach dem Austausch von Nettigkeiten weiter um das Gehöft. Denn für dessen Sanierung und Bewirtschaftung ist der Heimatverein zuständig, was großes ehrenamtliches Engagement bedeutet.

Genau dieses werde in allen Bereichen massiv zurückgehen, würde eine große, aus fast 60 Dörfern bestehende Gemeinde gebildet – da ist sich der Göpfersdorfer Unternehmer Günter Lichtenstein sicher. Grund genug für ihn, den Zusammenschluss mit Nobitz abzulehnen. Darin ist er sich mit den Gemeinderäten einig, wie auch in der Analyse, dass Gebietsreformen nirgendwo Einsparungen und Effektivitätsgewinne gebracht hätten. Außerdem sei es ihr demokratisches Recht, eine freiwillige Fusion mit Nobitz abzulehnen, ergänzte Gemeinderatsmitglied Jörg Schumann (parteilos). Er kritisierte den Druck, der in den vergangenen Wochen auf die Gemeinderäte ausgeübt worden sei. „Das ist wie zu DDR-Zeiten.“

Derartige Vergleiche wies der Mister zurück. Jedoch glaube auch er nicht, dass das Ehrenamt verschwinde. „Und mit der Reform wollen wir nicht Geld einsparen, wir wollen es besser verteilen.“ Ungeachtet dessen sei es völlig legitim, wenn der Gemeinderat eigene ablehnende Ansichten vertritt. Poppenhäger wies aber daraufhin, dass durch die Ablehnung viel Geld verschenkt werde – die Fusionsprämie und eine höhere Schlüsselzuweisung bei frühzeitiger Gebietsneugliederung. „Seit Schneewittchen wissen wir aber, es gibt auch vergiftete Geschenke“, entgegnete Schumann.

Es müsse doch allen klar sein, dass Göpfersdorf allein keine Zukunft hat, warf Herbert Windmiller ein, Abteilungsleiter in Erfurt. Im Klartext heißt das: Geht Göpfersdorf nicht freiwillig nach Nobitz, müsse es früher oder später gezwungen werden, weil die Geografie keine andere Lösung erlaube. Es werde insofern unnötig Zeit vergeudet, indem die Eingemeindung des Wieratals nach Nobitz hinausgezögert werde. Die Mehrheit der Göpfersdorfer Kommunalpoltiker allerdings sieht das anders. Die Gebietsreform, so die Überzeugung, werde sowieso gerichtlich gestoppt.

Von Jörg Reuter

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