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Ministerin bläst es beim Windkraft-Forum in Ronneburg kräftig ins Gesicht

Erneuerbare Energien Ministerin bläst es beim Windkraft-Forum in Ronneburg kräftig ins Gesicht

Thüringens Ministerin Birgit Keller (Linke) hat auf einem Bürger-Forum am Mittwoch in Ronneburg den Ausbau der Windenergie verteidigt, dort aber auch den Protest der anwesenden Bürger, auch aus dem Altenburger Land gespürt. Sie forderten größere Abstände, mehr Mitspracherechte und den Schutz der Wälder.

Ministerin Birgit Keller (vorn mit roter Mappe) wird in Ronneburg mit Transparenten gegen Windkraft-Anlagen begrüßt.

Quelle: Jens Rosenkranz

Ronneburg. Tosenden Applaus, den lautesten und längsten des Abends bekam Antje Dinger-Leitzsch aus Mennsdorf am Mittwochabend im Ronneburger Schützenhaus. Dabei hatte die Vorsitzende der örtlichen Bürgerinitiative „Gegen Windwahn“ gerade eine völlig normale Forderung gestellt: „Die Gesundheit der Bevölkerung muss Vorrang haben.“ Doch die hat sie nach Ansicht vieler besorgter Bürger offensichtlich nicht, die zum Windkraft-Forum kamen, zu dem Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Birgit Keller (Linke) eingeladen hatte und zu der auch Bürger aus dem Altenburger Land gekommen waren.

Die bereits durch die Wismut schwer geschädigte Landschaft nehme durch die Windkraftanlagen erneut Schaden. Sie stünden mit 750 Metern Abstand viel zu nah an den Häusern und einem Landschaftsschutzgebiet, wies die junge Frau aus dem Paitzdorfer Ortsteil auf Sorgen hin, die haargenau auf einige Gebiete im Altenburger Land zutreffen, auf denen bald ebenso die Strom-Stangen in den Himmel wachsen könnten. Denn die neuen raumordnerischen Pläne in Ostthüringen sehen für den Landkreis statt bisher drei nun sieben Vorranggebiete für Windenergie-Anlagen vor (OVZ berichtete).

Der Landesregierung kommt dies gerade recht, sollen nach ihrem Willen bis 2020 in Thüringen 45 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewonnen werden – wegen der Folgen des Klimawandels.

Deshalb sollen die Flächen für Windkraft auf ein Prozent erhöht werden, kündigte die Ministerin unter den skeptischen Blicken der Zuhörer an. Keller räumte ein, dass dieses Ziel nur erreichbar sei, wenn der Abstand zur Wohnbebauung maximal auf 1000 Meter begrenzt wird. Auch Landschaftsschutzgebiete dürfen deshalb nicht in jedem Fall ein Verhinderungsgrund sein. Reiz und Faszination der Thüringer Landschaft dürfe dennoch nicht verloren gehen, Landschaftsräume müssten geschützt werden. Sie kenne die Sorgen der Bürger, dass zu nah an Häusern gebaut werde, Infra-Schall die Gesundheit gefährde und Wälder weichen müssten, sagte Keller. Dennoch müsste man den Windmüllern ausreichend Flächen zur Verfügung stellen. Es sei nicht mehr die Frage ob, sondern wie die energiepolitischen Ziele umgesetzt werden.

Und genau darauf ging Eckardt Illian, Vorsitzender des Landesverbandes „Windenergie mit Vernunft“, ein. Leben und Vermögen der Menschen dürfen nicht gefährdet werden, der Mindestabstand müsse das Zehnfache der Höhe der Anlagen betragen. Wer dies wie die Ministerin als nicht umsetzbar bezeichne, „nimmt Gesundheitsschäden der Bevölkerung billigend in Kauf“, erntete auch Illian ordentlich Applaus. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Depressionen und das Gefühl der Unentrinnbarkeit seien als negative Folgen der Windkraft bereits nachgewiesen. Die nun beschlossene Ausweiterung der Bürgerbeteiligung komme zu spät, sagte Illian.

Enttäuscht vom Auftritt der Ministerin zeigte sich Lutz Kremser von der Bürgerinitiative Naundorf-Starkenberg. Er hätte sich konkretere Antworten auf die in Erfurt längst bekannten Forderungen vieler Bürger erhofft, wie dem besseren Schutz der Wälder, größere Mindestabstände und deutlich mehr Mitspracherechte der Kommunen, sagte Kremser der OVZ.

Von Jens Rosenkranz

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