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Altenburg Ministerin und Oberbürgermeister sorgen sich um Altenburger Mäder-Schule
Region Altenburg Ministerin und Oberbürgermeister sorgen sich um Altenburger Mäder-Schule
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18:00 21.04.2016
Die Gemeinschaftsschule Erich-Mäder verzeichnet rückgängige Schülerzahlen und einen hohen Krankenstand unter den Lehrern. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Im Spätsommer 2012 wurde die Grund- und Regelschule „Erich Mäder“ offiziell zur Gemeinschaftsschule umfirmiert. Es war eines der Vorzeige-Projekte des damaligen Kultusministers Christoph Matschie (SPD), der längeres gemeinsames Lernen zur Chefsache gemacht hatte. Doch nach dreieinhalb Jahren ist die Skepsis unter einigen Lehrer und auch den Eltern größer denn je, gehen die Schülerzahlen zurück, droht das Modell zu scheitern. Jetzt greift Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) selbst ein und fordert vor allem von den Pädagogen vor Ort mehr Identifikation mit dem Konzept Gemeinschaftsschule. Sogar Umsetzungen unwilliger Lehrer sind nicht mehr ausgeschlossen.

Auf einem Krisentreffen vergangenen Freitag im Ministerium hatten Klaubert gemeinsam mit dem Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf und Vertretern des Schulamtes die Probleme klar benannt und über Lösungen gesprochen. „Dazu gehören unter anderem ein überdurchschnittlicher Krankenstand unter den Pädagogen, zu wenig Identifikation mit dem Schulkonzept und im Ergebnis dessen zurückgehende Anmeldezahlen neuer Schüler“, heißt es in einer am Donnerstag gemeinsam herausgegebenen Presseerklärung.

Zur gemeinsamen Lösung der Schwierigleiten werde es zeitnah Gespräche mit der Schulleitung und dem gesamten Kollegium geben, in denen sowohl Unterstützungs- als auch Änderungsbedarfe benannt werden sollen. Stadt und Land erwarten, dass alle Beteiligten die Gemeinschaftsschule als Chance für die Bildungsstätte sehen und dass sie die Bereitschaft aufbringen, diese Schulform nun mit Leben zu füllen, heißt es. Klaubert und Wolf betonen, dass die Gemeinschaftsschule eine von den Familien in Altenburg gewünschte Schulform ist.

Er erwarte, dass das Kollegium die Unterstützung von Stadt und Ministerium aufgreift, dass die Skeptiker mitziehen und ihre Rolle als Verhinderer aufgeben, redete Wolf am Donnerstag vor der Presse Klartext. Gleichzeitig verwies der OB auf die enormen finanziellen Anstrengungen der Stadt für die Verbesserung der Lernbedingungen. Unter anderem wird im September eine neue Sporthalle eingeweiht. Das Schulamt habe ganz klare Order, entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Um welche es dabei konkret geht, weiß der OB, er verwies dabei dennoch auf das Ministerium. Wolf dementierte nicht, dass auch Versetzungen von Lehrern im Gespräch sind, die beim Projekt Gemeinschaftsschule nicht richtig mitziehen. Ministeriumssprecher Gerd Schwinger wollte solche Lösungen weder bestätigen noch dementieren. Fest stehe, dass sich hinter dem beschlossenen Konzept der Gemeinschaftsschule alle Lehrer und Erzieher versammeln müssten und eine klare Bestandsaufnahme nötig sei, warum sich nicht alle daran beteiligen. Der dazu nötige Veränderungsbedarf würde zunächst intern mit Lehrern, Eltern und Schülern besprochen und nicht über die Zeitung, sagte Schwinger.

Direktorin Birgit Rohland fiel dagegen aus allen Wolken, dass ihre Schule in den Fokus von Ministerin und OB rückt. Sie könne sich überhaupt nicht erklären, dass es in der Schule Kollegen gebe, die das Konzept der Gemeinschaftsschule nicht umsetzen wollten, sagte sie der OVZ. Rohland leitet die Schule seit anderthalb Jahren, spricht allerdings von großen Problemen vor ihrer Zeit. „Das lassen wir aber hinter uns.“ Das Konzept der Gemeinschaftsschule sei noch nicht gänzlich umgesetzt, bei einigen Dingen stehe man noch am Anfang. Helfen könnten Ministerium und Stadt da eigentlich nicht. Um hier weiter zu kommen, „brauchen wir Zeit und Ruhe.“ Allerdings spricht Rohland auch von gravierenden Personalsorgen wegen mehrerer erkrankter Kollegen, als es nicht mehr um Konzepte, sondern nur noch um die äußerst schwierige Absicherung des Unterrichts ging.

Die Gemeinschaftsschule verfolgt das Ziel, dass Schüler länger als bisher gemeinsam lernen und sich nicht bereits Ende der vierten Klasse für Gymnasium oder Regelschule entscheiden. In der Erich-Mäder-Schule werden die Haupt-, Regel- und Gymnasialschüler bis Klasse acht gemeinsam unterrichtet, erst danach wechseln junge Leute auf Gymnasium. Im Moment gibt es 268 Schüler sowie 30 Lehrer und Erzieher.

Elternsprecher Ronny Terpe kann sich gut vorstellen, dass nicht alle Lehrer hinter dem Konzept stehen. Denn längst nicht alle Lehrer seien damals gefragt worden, ob sie die Gemeinschaftsschule überhaupt wollten – und fühlten sich übergangen. Hinzu komme ein stellenweise extremer Lehrermangel, der es schwierig macht, den normalen Unterricht abzusichern. Im Gegenzug sei die Schule auch durch neue Lehrer unterstützt worden. „Da hat sich was getan.“ Dennoch habe Terpe im Moment den Eindruck, dass bei der Umsetzung des Konzepts zwei Schritte zurückgegangen wurde.

Von Jens Rosenkranz

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