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Misstöne bei CD-Aufnahme: Altenburger Optiker scheitert mit 1000-Euro-Spende

Bizarrer Streit Misstöne bei CD-Aufnahme: Altenburger Optiker scheitert mit 1000-Euro-Spende

Der Landesjugendchor schlägt eine Spende des Altenburger Geschäftsmannes Gebhard Berger für ein CD-Projekt wegen angeblicher Äußerungen im Zusammenhang mit Hilfsgeldern für Flüchtlinge aus.

Mitglieder des Landesjugendchores beim Benefizkonzert am Sonnabend in der Romschützer Kirche.

Quelle: Mike Körner

Göhren. Eigentlich sollte nur eine CD-Produktion des Landesjugendchores Thüringen gefördert werden. Doch jetzt ist um das Projekt ein merkwürdiger Streit entbrannt, in den sich auch die Politik einmischt und der für ziemliche Verwicklungen sorgt.

Preisgekrönte Altenburger Mitglieder des Chores hatten sich für die rund 15 000 Euro teure Produktion mit Werken des Meiniger Hofkapellmeister Wilhelm Berger auf die Suche nach Sponsoren gemacht. In der Skatstadt wurden sie fündig, und zwar beim Namensvetter des Komponisten, dem Geschäftsmann Gebhard Berger. Der Optikermeister wollte 1000 Euro zur Verfügung stellen (die OVZ berichtete).

Doch der Landesjugendchor will dieses Geld auf einmal nicht mehr annehmen, obwohl Vorstandsmitglied Lena Braun aus Altenburg sich gegenüber der OVZ bereits öffentlich dafür bedankt hatte. Im Vorfeld sei es zu Differenzen mit dem Sponsor gekommen, heißt es in einer Presseerklärung des Klangkörpers. Eine politisch gefärbte Vereinnahmung des Landesjugendchores und seiner CD-Aufnahme werde generell nicht zugelassen.

Projektleiter Christoph Caesar erklärt, was es mit dieser Formulierung auf sich hat. Gebhard Berger habe behauptet, dass eine Hilfsorganisation aus Jena die CD-Produktion deshalb nicht fördere, weil sie sich finanziell bereits sehr stark in der Flüchtlingshilfe engagiere. Berger habe sinngemäß geschlussfolgert, dass wegen der Flüchtlingsunterstützung nun kein Geld für das CD-Projekt vorhanden sei. „Ein solcher Zusammenhang ist aber falsch“, sagte Caesar der OVZ. „Es wurde weder eine Förderung durch eine Jenaer Institution versprochen noch stand das CD-Projekt des Chores in Konkurrenz zu Flüchtlingsprojekten.“ Das Geld nicht anzunehmen, „ist uns nicht leicht gefallen. Wir hätten es gut gebrauchen können. Aber wir wollen uns politisch nicht vereinnahmen lassen“, sagte Caesar.

Gebhard Berger, der sich beim Bürgerforum Altenburger Land engagiert und ein beinharter Kritiker der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ist, kann über die Äußerungen Caesars nur den Kopf schütteln. Er habe sich öffentlich weder zur Entscheidung der Jenaer Hilfsorganisation geäußert noch einen Zusammenhang zwischen der CD-Produktion und Hilfen für Asylbewerber hergestellt. „Die Behauptungen von Herr Caesar sind völlig aus der Luft gegriffen“, sagte Berger der OVZ.

Das ausgeschlagene Sponsorin ist allerdings nur der eine Teil der Angelegenheit. Denn die Chormitglieder hatten ebenso die Idee, ein Benefiz-Konzert zu geben, das am Sonnabend tatsächlich in der proppenvollen Kirche von Romschütz stattfand. Allerdings war die Stimmung im Vorfeld aufgeheizt. Selbst Landrätin Michaele Sojka (Linke) schaltete sich ein, weil befürchtet wurde, dass Berger oder andere das Konzert zu poltischen Statements nutzen. Zwischenzeitlich war sogar erwogen worden, die Veranstaltung ganz und gar ausfallen zu lassen. Sojka sprach sich jedoch dafür aus, das Konzert stattfinden zu lassen, forderte Superintendent Michael Wegner aber dazu auf, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. In der Kirche dürfe keine Werbung für das Bürgerforum oder die AfD erfolgen und schon gar nicht gegen Flüchtlinge gehetzt werden, forderte die Landrätin. Auch die Polizei wurde OVZ-Informationen zufolge über die Veranstaltung und mögliche Begleiterscheinungen unterrichtet. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie uniformierte Beamte am Abend durch ein Fenster in die Kirche blickten.

Konzert-Besucher wurden auf einem im Eingangsbereich angebrachten Schreiben darauf hingewiesen, dass Personen aus der rechtsextremen Szene der Zutritt verwehrt wird. Das gelte ebenso für Gäste, die in der Vergangenheit bereits durch rassistische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen aufgefallen sind.

Auch der Superintendent kündigte an, von seinen Hausrecht Gebrauch zu machen, sollte es zu politischen Statements kommen. Doch dazu kam es nicht. Für Irritationen sorgte lediglich ein von Gebhard Berger – der auch anwesend war – beauftragter Kameramann, der Film- und Tonaufnahmen anfertigte.

Am Ende des Konzerts, für das kein Eintritt verlangt wurde, spendeten die Besucher: Insgesamt 833,18 Euro. Auch die Landrätin will bei der Finanzierung des CD-Projekts ihre Hilfe anbieten.

Von Jens Rosenkranz

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