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Altenburg Mit Esprit und Eleganz
Region Altenburg Mit Esprit und Eleganz
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20:01 21.10.2013

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Die Operette "Die lustige Witwe", die am Sonntagabend Premiere hatte, wirkt im Altenburger Landestheater politisch aktuell.

Diese politische Aktualität wird auch im Prolog für die Inszenierung deutlich.In einer apokalyptischen, ganz im Dunklen gehaltenen Szene werden in disharmonischen Aufschreien die Schuldenzahlen des Landes genannt. Erst als die Schuldscheine von der Bühne gekehrt sind, kann die eigentliche Operette beginnen, die als Hauptthema nichts anderes als den Gewinn des Geldes der reichen Witwe für die Schuldentilgung des angeschlagenen Landes hat. Dass Franz Lehar dieses Thema und die damit verbundenen Liebeswirrungen in solch einen Melodienreichtum fasst, zeigt seine Kongenialität und macht die "Witwe" weltweit zu der am meisten gespielten Operette.

Das Inszenierungsteam unter dem Regisseur Roland Schwab hat diesen Operettenklassiker für Altenburg entkernt und damit teilweise entstaubt. Diese Inszenierung schwelgt nicht mit prunkvollen Bühnenbildern und Ballettszenen in Operettenseligkeit, sondern gibt auf der Bühne Raum für einen klaren Handlungsablauf - mit teils kammerspielartigen Szenen der liebesverdächtigen Paare und einer uneingeschränkten musikalischen Gestaltung. Einen ästhetischen Wert erreicht die Bühne durch eine Deckenspiegelung, die eine Drauf- und Doppelsicht auf das Bühnengeschehen ermöglicht. So gibt es so überraschende wie schöne Effekte.

Die Verwendung großer weißer Fächer im zweiten Bild und die Formung eines Pavillons damit sind weitere geniale Einfälle des Bühnenbildners und Ausstatters Alfred Peter. Für das Vilja-Lied lässt er extra einen surrealistischen Wald errichten, verdeckt ihn dann mit Stoffbahnen, die verschiedenfarbig angestrahlt unterschiedliche Stimmungen auf die Bühne bringen. Seine Kostüme sind handlungsgerecht und zeitlos schön.

Da Musik und Gesang auf einem durchweg guten Niveau sind, könnte man rundum zufrieden sein. Dem ist nicht so. Nicht zu verstehen ist, warum ein Teil der Handelnden auf der Bühne zu Ganzkörper-Erdhaftung gezwungen werden, selbst Hanna Glawari im weißen Kleid. In der Regel kriechen nur Kleinkinder, Schwerverletzte und sich im Alkohol-Delirium Befindliche über die Erde. Der aufrechte Gang adelt den Menschen. Das sollte der Regisseur auch den Künstlern auf der Bühne zubilligen.

Ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar ist, warum zu Beginn des zweiten Aktes der Chor als Bewegungschor agieren muss, obwohl die "balkanisch" geprägte Musik passend für das Ballett ist. Dieses könnte typische Folklore bieten. Die extra eingesetzte Balkan-Combo musiziert zwar köstlich, wirkt aber in der reichen musikalischen Ausstattung der Operette durch Lehar eher störend.

Insgesamt wurde die Operette auf hohem Niveau geboten. Nicht nur, weil der Weibermarsch in einem Männerstriptease endet, sodass sich Frauen einen Besuch bei den Chippendales sparen können. Sondern das beginnt beim Chor, der klangschön auch spielerisch agiert, und setzt sich beim Orchester fort. Thomas Wicklein gibt der Operette eine erfrischende Brise von leichter Eleganz und eleganter Leichtigkeit. Er schickt die Musik mit Esprit auf die Bühne und in den Raum und trägt die Sänger sicher durch die turbulente Handlung. In dieser kommen die selbstbewussten Frauen besser weg als die teils trotteligen Männer.

Allen voran Gesine Forberger als Hanna Glawari, die mondän daherkommt und sicher in allen Sopranlagen singt. Dann auch Annika Gerhards als Valencienne - mit einem wunderschönen lyrischen Sopran und auch tänzerisch begabt. Sie gibt mit Bernhard Kim, der tenoral glänzt, ein glaubhaft verliebtes Paar. Marco Vassalli spielt den "Vaterlandsretter" in seiner Zerrissenheit zwischen Liebe und bewusster Zurückhaltung glaubwürdig. Seine Stimme lebt von seinem Schmelz und seiner Sicherheit in Höhe und Tiefe.

Günter Markwarth kehrt zum wiederholten Male auf die Bühne zurück. Als Baron Mirko Zeba muss er das Vaterland vor dem finanziellen Ruin bewahren. Das tut er mit all seinem sängerischen und schauspielerischen Können. Ihm zur Seite agiert Wolfgang Jahn als sein Kanzlist Njegus, der sprachlich und gestisch eine Mischung aus Schwejk und Spejbl und damit eine köstliche Studie gibt. Kurz: Alle fügen sich ein in eine musikalisch hochwertige "Witwe", die am Ende mit langem Beifall und vielen Bravi bedacht wurde.

Manfred Hainich

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