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Altenburg Mit Jochem Hochstenbach stellt sich ein weiterer Bewerber auf den Posten des Chefdirigenten vor
Region Altenburg Mit Jochem Hochstenbach stellt sich ein weiterer Bewerber auf den Posten des Chefdirigenten vor
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19:22 25.01.2012
Dirigent Jochem Hochstenbach kommt zum Probe-Dirigat nach Gera und begegnet dort erstmals aktiv musizierend dem Werk von Walter Braunfels. Quelle: Stephan Walzl

David Porcelijn war er in beider holländischen Heimat begegnet, als der als Pianist durchaus erfolgreiche Jochem Hochstenbach noch überlegte, ob die Entscheidung fürs Dirigieren tatsächlich die Richtige sein würde.

Inzwischen ist der 41-Jährige überzeugt, dass das genau der richtige Weg war. Und nun führt ihn dieser Weg zum Probe-Dirigat nach Gera. Ironie des Schicksals - gehört der in Holland geborene und aufgewachsene Musiker, der in seiner Heimat und in Wien studierte, zehn Jahre in Österreich verbrachte und gegenwärtig in Karlsruhe lebt, nicht zu jenen Bewerbern, die erst auf den Atlas schauen mussten, um zu wissen, wo Gera eigentlich liegt. Vor rund 13 Jahren habe er schon einmal Gelegenheit gehabt, hier das Theater zu besuchen. Davon, wie sich die Stadt und das Theater seither verändert haben, ist Hochstenbach beeindruckt.

Von dem Verfahren der Philharmonie für die Auswahl des Chefdirigenten ist er überaus angetan. Die Möglichkeit, sich in Proben und Konzerten zu begegnen, sei für Orchester und Dirigenten eine gute Chance, sich kennenzulernen und aneinander auszuprobieren. Die Mischung aus Neuem und Bewährtem liegt Jochem Hochstenbach. Anders als für die Geraer Musiker sind die "Symphonischen Variationen über ein altfranzösisches Kinderlied" seine erste aktiv musizierende Begegnung mit einem Werk von Walter Braunfels. Von dem Jugendwerk des Musikers, dessen Oper "Die Vögel" er während seines Studiums in Wien erleben konnte, erzählt er voller Begeisterung. Ein typisches Jugendwerk, aber eine wirkliche Entdeckung. Voll Anerkennung freut er sich, dass ein Haus wie Altenburg-Gera sich an die Oper "Ulenspiegel" aus der Feder von Walter Braunfels gewagt hat.

Begeistert ist er auch von dem Projekt des Geraer Solo-Cellisten Lukas Dreyer. Der Solist in Robert Schumanns Cello-Konzert wird dieses Werk in einer speziellen Fassung Schülern vorstellen - in Wort und Ton. Ein solches Projekt unterstützt der Holländer nur zu gerne. Denn junge Menschen in den Konzertsaal zu holen, ist dem Vater einer vierjährigen Tochter ein wichtiges Anliegen, nicht nur, weil allein die Akzeptanz des Publikums Kultureinrichtungen ihre Existenzberechtigung sichert, sondern auch, weil er die eigene Begeisterung gern weitergeben will. Und ein Werk wie Johannes Brahms' erste Sinfonie, die das Konzert beschließen wird, sei ohnehin ein Traum für jeden Dirigenten. Immerhin war es die Begeisterung für das, was er in seiner Jugend hören und erleben durfte, die ihn dazu veranlasste, Musiker zu werden.

Fußballfan ist der Sohn eines Sportlers, der einst in der semiprofessionellen niederländischen Liga spielte, trotzdem geblieben. Beim Concertgebouw Orchestra hörte er Mahler und Bruckner und fand seine Leidenschaft. Dass er genauso gern am Theater arbeitet oder als Pianist die Tochter von Georg Kreisler bei den Chansons ihres Vaters begleitet, ist selbstverständlich. Diese Chansons musste er erst einmal in eine lesbare Fassung bringen. Vollständig ausnotieren konnte auch Hochstenbach sie nicht. Kreisler improvisierte, extemporierte und variierte. Noten von seiner Hand existieren nicht. Eine Herausforderung. Hochstenbach hat sie bewältigt.

Offen und neugierig geht er gegenwärtig durch Ostthüringen. Für den Sommer hat er die musikalische Leitung des Musikfestivals in Esterhazy übernommen.

Das Konzert ist heute Abend ab 19.30 Uhr im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera zu erleben.

Tatjana Mehner

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