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Mit Kästners „Fabian“ Streifzug durch das Berlin der 20er-Jahre

Theaterfrühstück vor Altenburger Premiere Mit Kästners „Fabian“ Streifzug durch das Berlin der 20er-Jahre

Erich Kästners „Emil und die Detektive“ ist vielen in der Regel aus Kindheitstagen vertraut. Mit seinem „Fabian“ sieht dies anders aus. Gut also, dass traditionell eine Woche vor der Premiere der Altenburger Theaterverein zum Theaterfrühstück einlädt. Dessen Ziel war und ist es, das Publikum einzustimmen auf Werke, die weniger bekannt sind oder eine neue Lesart von Vertrautem zu erwarten ist.

Lara Waldow als Cornelia und Manuel Struffolino als Fabian in der Kästner-Adaption.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Kästners satirischer Roman wird auf der Altenburger Bühne an diesem Sonntag in einer Fassung von Fabian Alder als eine Revue mit dem Untertitel „Geschichte eines Moralisten“ zu erleben sein. Fabian hat sich also sozusagen des „Fabian“ angenommen. Man darf gespannt sein, wie in dieser Kästner-Geschichte zeitkritisches Empfinden, seine spöttische Kritik an menschlichen Unzulänglichkeiten und gesellschaftlichen Zuständen erkennbar wird.

Mit Alder, der auch die Regie für diese Revue übernommen hat, Manuel Struffolino alias Jakob Fabian und Anne Diemer als Caligula begaben sich die zahlreichen Besucher des Theaterfrühstücks sozusagen detektivisch auf Spurensuche. Die Fäden dazu führte, klar strukturiert, kompetent und verbindend Svea Haugwitz als Dramaturgin.

Erich Kästner (1899-1974), der in Dresden, Berlin und München wirkende Kinderbuch- und Romanautor, Theaterkritiker, Zeitungsherausgeber und Friedensaktivist hat in seinem Leben viel Anerkennung erfahren, aber auch totale Ablehnung wegen angeblich Unmoralischem – speziell in „Fabian“. Zum Leidvollsten für ihn dürfte das Verbrennen seiner Werke in der Nazizeit und 1964 innerhalb einer studentischen Bewegung gewesen sein.

Der jetzt auf die Bühne kommende Roman entführt in das Berlin der Endzwanziger des vergangenen Jahrhunderts. Der Germanist und Werbetexter Fabian zieht zum Tagesausgleich mit seinem Freund Labude durch das Berliner Nachtleben. Während Fabian die moralischen Missstände der Zeit zwar erkennt, aber nur grübelnd analysiert, wird Labude aufbegehrend aktiv. Kästner stellt Fragen nach politischem Engagement und Verantwortung, in die man durch die Wirren der Zeit getrieben wird.

Für Fabian Alder war der Roman einst das Lieblingsbuch des Vaters und führte so zu früher Begegnung mit Kästner. Allein die Namensgleichheit von Titelheld und sich selbst empfand er als spannend und lustig, ebenso wie den Inhalt des Buches. Zudem ist in seinem Stück der aktuelle Bezug nicht zu leugnen. Kabarett ist für Alder die künstlerische Form, die sich besonders gut zur Auseinandersetzung mit Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Zuständen eignet.

Im Roman spielt ein „Kabarett der Anonymen“ mit den Showmaster Caligula eine Rolle. Dieses stellt Alder in seiner Revue mit einem Caligula und dessen, dem römischen Kaiser gleichenden vernichtenden Zynismus ins Zentrum. So wird eine Nummernabfolge mit dem Glimmer einer Revue, aber auch mit der Schärfe des Kästner’schen Originaltextes erlebbar sein. Angekündigt wurde eine große Kostümschlacht mit greller Travestie sowie stilvoll Geschnittenem – eine Anlehnung an dem „Blauen Engel“ mit Marlene Dietrich.

Eine Revue ohne Musik ist undenkbar. Johannes Schleiermacher wird dafür live auf der Bühne sein und nicht nur den Klang der 1920er-Jahre ertönen lassen, sondern auch den des heutigen Berlin. Jazz, Flöte beziehungsweise Saxofon und Synthesizer sind dafür unter anderem seine Instrumente.

Zwei Spielszenen mit den Hauptdarstellern Anne Diemer und Manuel Struffolino rundeten das Theaterfrühstück ab. Außer ihnen wirken im Stück noch fünf weitere Schauspieler mit und übernehmen verschiedene Rollen.

Tickets für die Premiere am 13. März, 18 Uhr im Landestheater an der Theaterkasse (Tel. 03447 585160) oder online buchen unter www.tpthueringe.de.

Von frieder krause

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