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Mit Poesie und Musik gegen die Krankheit

Mit Poesie und Musik gegen die Krankheit

Wie geht man gegen eine Krebserkrankung an, die mit einem unberechenbaren, möglicherweise frühzeitigen Tod verbunden ist? Das ist eine Frage, mit der das Programm "Galaxy im Lungenflügel" der in Bordeaux geborenen Katia Bouscarrut hinterlegt werden könnte.

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Die Würzburger Pianistin Katia Bouscarrut verschwindet im und am Ende mit dem Flügel, der symbolhaft zum Grab wird.

Quelle: Agentur

Sie bot damit dem Publikum im Heizhaus am Ostersonnabend eine Performance an, die man sowohl als Provokation für ein darauf nicht vorbereitetes Publikum als auch als unbedingte Notwendigkeit bezeichnen kann.

 

 

 

Der Zeitpunkt dieser Veranstaltung war schon richtig gewählt. So wie nach der christlichen Lehre Christus am Karfreitag gekreuzigt wurde und starb und am ersten Osterfeiertag wieder auferstanden ist, so schwebt ein Krebserkrankter immer zwischen Tod und Weiterleben. Somit verbinden sich gedanklich beide Ereignisse. Katia Bouscarrut hat als Betroffene ein Kunstwerk geschaffen aus Musik, Sprache und Gesang. Das ist ihre ganz persönliche Rebellion gegen diese schlimme Erkrankung. Sie ist Pianistin, noch dazu - wie die vielen Musikbeispiele unter anderem von Mozart und Chopin zeigen - eine ausgezeichnete und lehrt Klavier an der Musikhochschule Würzburg.

 

Die Veranstaltung beginnt im völligen Dunkel. In der Mitte der Heizhaus-Bühne steht der Flügel. Sie betritt diese und setzt sich an das Instrument. Licht erhellt die Szene. Man erkennt eine kleine glatzköpfige und barfüßige Person. Fünf Perücken liegen ungeordnet auf dem Boden. Bouscarrut spricht über Zellen und Zellteilung. Aus Milliarden davon bestehe der Mensch. Täglich sterben welche und neue werden gebildet. Viele wehren sich gegen das Sterben und wollen weiterleben um jeden Preis. Das sind die Krebszellen.

 

Die Künstlerin hebt das Thema in philosophische Bereiche, spricht über das Entstehen des Universums, die Entwicklung der Menschheit und über die damit verbundenen Krankheiten. Sie setzt sich immer wieder Perücken auf und wirft sie weg. Eine Perücke vertuscht nur den chemisch therapierten Menschen, heilt aber nie die Krankheit, sagt sie. Alle Krebskranken sollten die Perücken abwerfen und deutlich machen, welches Ausmaß diese Krankheit inzwischen erreicht habe und wie die Menschheit versage, sie zu bändigen. Und wie sich Kranke und Gesunde immer weniger verstehen.

 

Wenn Bouscarrut von der Schwarzen Galle, von den Lungenquallen und von Metastasen spricht und ihre Wut darüber hinausschreit, dann geht das schon an die Grenze des Erträglichen. Texte von Georg Büchner, von Gottfried Benn und vor allem von Arthur Rimbaud mit seiner explosiven und provokanten Sprache werden im Sprechgesang mit klassischer Musik, vor allem von Mozart, unterlegt. So bleibt alles trotz des makabren Themas Kunst. Poesie und Musik verbinden sich, auch als sie in den Flügel steigt, dort die Saiten für eine Mozartsonate anreißt und danach die Tasten von oben herab anschlägt.

 

So wird der Flügel zum Spielgerät und symbolhaft zum Grab, aus dem sie von Schauspieldirektor Bernhard Stengele - er kennt Katia Bouscarrut aus seiner Würzburger Zeit und hat sie nach Altenburg eingeladen - im Kostüm einer Reinigungskraft herausgehoben wird, während Schauspielerin Anne Diemer eine flotte englische Ballade singt. Dieser Eingriff der beiden bricht das Thema und die Stimmung für kurze Zeit komplett, bis Katia Bouscarrut mit dem Liedtext "Allein im Grab" ihre Performance der ganz besonderen Art beendet und im Dunkeln den Saal verlässt - so wie sie gekommen ist. Das Publikum bleibt stumm und erschüttert zurück und findet nach langer Stille zum verdienten, nicht enden wollenden Beifall. Das war ein mutiger und künstlerisch anspruchsvoller Abend.

Manfred Hainich

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