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Mit Rucksack und Gummitieren ins Mittelalter

Mit Rucksack und Gummitieren ins Mittelalter

Christoph ist 13 Jahre alt und begeistert von Dominion, einem Kartenspiel für die ganze Familie, das ins Mittelalter entführt. Der Junge ist in Memmingen zu Hause.

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Hier geht es um alles: Nach sechs Stunden schlägt Heike Müller aus Memmingen unter den Augen ihrer Familie den Berliner Tobias Rietze im Endspiel.

Quelle: Klaus Peschel

Dort qualifizierte er sich 2014 für die erste deutsche Meisterschaft in dieser nichtolympischen Disziplin. Der erste deutsche Dominion-Meister wurde am Sonnabend im Bachsaal des Altenburger Schlosses ermittelt. Christoph wurde es nicht. Dafür aber seine Mutti.

 

Heike Müller heißt die deutsche Meisterin. Und sie reiste nicht an, um zu gewinnen, sondern um ihren SOhn zu begleiten und weil sie Spaß am Spielen haben wollte. Es war die erste deutsche Meisterschaft unter der Schirmherrschaft der Altenburger Spielkartenfabrik. Seit 2013 produziert sie in Ostthüringen das beliebte Spiel und vertreibt es von hier aus im gesamten deutschsprachigen Raum. Für Marketing-Manager Gerd Matthes war die Eröffnung eines solchen Spektakels, an dem 94 Frauen und Männer teilnahmen, neu. Er hat Messe-Erfahrungen. Dort trägt man Schlips und Kragen. Im Bachsaal trug man aber vorwiegend Bart und Rucksack, Wasserflaschen und Gummitiere. Matthes fragte deshalb vorsichtshalber vor seinen Eröffnungsworten die Kennerin der deutschen Spieleszene Franka Meusel: "Wie spreche ich denn die Leute an?" "Nennen Sie sie einfach Dominion-Freunde, ein förmliches Sie muss nicht sein."

 

Meusel leitet ein spielpädagogisches Unternehmen nahe Dresden. Spielkonzept4u nennt es sich. Das Unternehmen wurde von der Spielkartenfabrik beauftragt, das Dominion-Turnier deutschlandweit zu organisieren. "Vor anderthalb Jahren entstand die Idee für die diesjährige Meisterschaft, ein Jahr hat die Organisation gedauert", so Matthes. 50 Turniere fanden bundesweit statt. "Es haben sich daran an die 1000 Spielerinnen und Spieler beteiligt", sagte Meusel. Von denen stiegen drei am Sonnabend aufs Treppchen.

 

"Dass ich es nicht geschafft habe, ist nicht so schlimm", sagte Sandra Röske. Die 20-Jährige aus dem Taunuskreis schied nach den beiden Vorrunden aus und machte sich kurz vor 17 Uhr auf den Weg in die Innenstadt. "Ihr habt 'ne schöne Altstadt hier", meinte sie und verschwand im Nieselregen. "Ich bin schon seit gestern hier und fahre morgen erst nach Hause.".

 

Den zweiten Platz belegte Tobias Rietze aus Berlin. Der 21-jährige Student der Wirtschaftsinformatik war traurig: "Meine Spielstrategie war die bessere, dann kam aber Pech dazu." Auf dem dritten Platz kam Martina Erbe aus Offenbach ein. Die 48-jährige Chemielaborantin hatte nur gehofft, in Altenburg die Vorrunde heil zu überstehen. Um so mehr freute sie sich über den überraschenden Podestplatz.

 

Am größten war jedoch die Freude von Familie Müller. Neben Heike und Sohn Christoph waren auch Tochter Simone und Ehemann Dieter angereist. Sozusagen ein Familienausflug zur deutschen Meisterschaft. Und dieser Ausflug nach Altenburg wird noch einmal stattfinden. Denn der Preis für den Dominion-Meister ist ein Wochenende in der Skatstadt. Dabei kann Familie Müller den Altenburger Kartenmachern auch über die Schultern schauen. Dann wissen Heike und Dieter Müller, wie einige der Spiele entstehen, die sie in ihrem gemeinsamen Laden in Memmingen vertreiben.

Klaus Peschel

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