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Altenburg Mit Störsender gegen Stalin: Schmale findet seine letzte Ruhe in Altenburg
Region Altenburg Mit Störsender gegen Stalin: Schmale findet seine letzte Ruhe in Altenburg
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00:32 25.05.2015
Im Friedrichgymnasium Altenburg, ihrer alten Schule, trugen sich Gerhard Schmale und Jörn-Ulrich Brödel 2013 ins Goldene Buch der Stadt Altenburg ein. Quelle: Mario Jahn
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Das hat er in seinem Testament so verfügt.

Deshalb gibt es für ihn zwei Trauerfeiern. Die erste fand gestern in Schloßholte bei Bielefeld statt, wo der 82-Jährige am 15. Mai nach schwerer Krankheit verstorben war - damit sich seine Familie, Freunde und Bekannten von ihm verabschieden konnten. "Dann aber wollte er nach Altenburg überführt werden und in dem von ihm schon vor längerer Zeit gekauften Grab auf dem Friedhof in Rasephas neben seiner Frau und anderen Familienmitgliedern seine letzte Ruhe finden", erzählt sein Sohn Alexander Hülsmann. Deshalb ist am 29. Mai, 10.30 Uhr, in der Skatstadt eine zweite Trauerfeier anberaumt. Da sie vermutlich eine beachtliche öffentliche Wahrnehmung erfahren wird, findet sie nicht wie ursprünglich geplant in Rasephas, sondern in der größeren Trauerhalle des ehemaligen kirchlichen Friedhofs am Grüntaler Weg statt.

In die Vorbereitung eingebunden ist hier aber bei weitem nicht nur die Familie. Denn Gerhard Schmale und sein ehemaliger Mitstreiter in der Widerstandsgruppe, Jörn-Ulrich Brödel, sind vor genau zwei Jahren durch das Theaterstück "Die im Dunkeln" in Altenburg zu neuer, großer Popularität gelangt. Schauspieldirektor Bernhard Stengele hatte sich entschieden, die Geschichte der jungen Leute, die ihren Kampf gegen Stalinismus und Willkür 1949/50 teilweise mit dem Leben bezahlten, auf die Bühne des Landestheaters zu bringen. Schmale und Brödel waren von Anfang eingebunden, begleiteten die Proben und erzählten den Schauspielern stundenlang ihre Geschichte.

"Diese Begegnung hat das Team der Produktion und das gesamte Schauspielensemble enorm bereichert und ein tieferes Verständnis vom Begriff der Freiheit und der Zivilcourage gegeben", so Stengele in einer ersten Reaktion. "Wir durften Herrn Schmale als einen Menschen erleben, der trotz schwerer Schicksalsschläge seinen Humor nie verloren hat. Er hat uns in seiner Bescheidenheit Kraft geschenkt und unsere Herzen und unseren Geist berührt." Unvergessen die Szene, als nach der Premiere des Stücks Schmale und Brödel auf die Bühne kamen und den Zuschauern schlagartig klar wurde, wer da stand. Es gab minutenlang Standing Ovations, und niemand hat sich seiner Tränen geschämt. Für das Schauspielensemble sei es deshalb eine Selbstverständlichkeit, so Stengele, Gerhard Schmale auf der Trauerfeier in Altenburg auf besondere Weise zu ehren.

Eingebunden sind auch der Förderverein des Friedrichgymnasiums, dessen Mitglied Gerhard Schmale nach der Wende geworden war, sowie die Stadtverwaltung. Sie hatte Schmale und Brödel 2013 eine besondere Ehre zuteil werden lassen: Beide trugen sich auf einer Feierstunde in ihrer ehemaligen Schule in das Goldene Buch der Stadt ein.

Bei ihren Besuchen in Altenburg haben die inzwischen betagten Herren besonders Schülern wieder und wieder ihre Geschichte erzählt, auch wenn sie sich seelisch damit stets auf Neue belasteten. Doch die Nachgeborenen sollten wissen, was damals passierte. Lange genug waren die Geschehnisse in der DDR totgeschwiegen worden, und im Westen wollte sie niemand wirklich hören. Erst nach der Wende wurde auf Betreiben des Altenburger Geschichtslehrers Wolfgang Enke am Friedrichgymnasium eine Gedenktafel aufgestellt. Inzwischen gibt es unter dem Titel "50 Hertz gegen Stalin" beziehungsweise "Vier Schüler gegen Stalin" ein Buch und einen Dokumentarfilm über den Altenburger Widerstand.

Eine späte Ehre und Genugtuung auch für Gerhard Schmale, der 2003 das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Ellen Paul

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