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Mit starken Frauen, zarten Engeln und satten Tönen nach Altenburg

Achte Etappe Mit starken Frauen, zarten Engeln und satten Tönen nach Altenburg

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 8. Etappe: Von Zwickau über Crimmitschau nach Altenburg und Gnandstein.

An ihr führt kein (Luther-)weg vorbei: Katrin Lange vom Verein „Haus der Elemente“ aus Ponitz weiß alles über die Geschichte des Dorfes. Von hier geht’s über Gößnitz nach Altenburg.
 

Quelle: Mario Jahn

Zwickau/Crimmitschau/Altenburg.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 8. Etappe: Von Zwickau über Crimmitschau nach Altenburg und Gnandstein.

Die 8. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 68 Kilometern.

Die 8. Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 68 Kilometern.

Quelle: Patrick Moye

Luther-Stationen

  • Crimmitschau: 1529 wurde hier der erste evangelische Pfarrer ins Amt eingeführt.
  • Ponitz: Mutter des bekanntesten Schlossherrn Wolfgang Conrad von Thumbshirn (1604–1667) war Anna von Einsiedel. Die Familie von Einsiedel war unter anderem auf Burg Gnandstein ansässig und zählte zu den ersten sächsischen Adligen, die sich offen zur Reformation bekannten.
  • Altenburg: Insgesamt 16-mal besuchte Luther die Residenzstadt. Im April 1522 predigte er in der Brüderkirche. Zwei Monate später wurde Wenzeslaus Linck zum ersten evangelischen Prediger Altenburgs ernannt. Luther kaufte für seine Frau Katharina von seinem Schwager Hans von Bora das etwa 20 Kilometer von Altenburg entfernt liegende Vorwerk Zölsdorf.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

1. Von Zwickau nach Crimmitschau

Auf dem ersten Streckenabschnitt bin ich noch voller Schwung und genieße Idylle pur. Der Lutherweg führt in nordwestlicher Richtung aus Zwickau hinaus durch den Waldpark nach Königswalde, dann durch den Dänkritzer Wald und schließlich an einer Reihe von Seen vorbei nach Crimmitschau. Hier wurde bereits 1529 der erste evangelische Pfarrer eingesetzt. Sehenswert ist neben der St. Laurentiuskirche zum Beispiel das Westsächsische Textilmuseum. Auch der Marktbrunnen erinnert mit der Skulptur der Spinnerin an diese Tradition.

2. Von Crimmitschau nach Altenburg

Die Strecke verläuft mehr oder weniger an der Pleiße entlang. Gleich hinter Crimmitschau kommt in Frankenhausen die ehemalige Klosteranlage des 1290 gegründeten Zisterziensernonnenklosters „Zur Heiligen Jungfrau Maria“.

Renaissanceschloss in Ponitz

Renaissanceschloss in Ponitz.

Quelle: Mario Jahn

Bald darauf überschreite ich die Landesgrenze nach Thüringen, erreiche das Örtchen Ponitz und treffe zwei starke Frauen. Katrin Lange ist Vorsitzende des Vereins Haus der Elemente, Christiane Mehlig zählt zum Kirchenvorstand und Förderverein des hiesigen Renaissanceschlosses. „Der bekannteste und bedeutendste Schlossherr war Wolfgang Conrad von Thumbshirn“, sagt Katrin Lange. „Er war Verhandlungsführer und Mitunterzeichner des Westfälischen Friedens.“ Der beendete 1648 den Dreißigjährigen Krieg, der auch ein Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten war.

Silbermann-Orgel in der Friedenskirche

Das Schloss wird heute für Lesungen und Konzerte genutzt. Außerdem öffnet jeden Sonntag zwischen 14 und 17  Uhr bis 15. Oktober das Antiquariat und Lesecafé. „Die Leute können in den Büchern stöbern, einen Kaffee trinken und miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt Mehlig. Über Jahre hat der Förderverein das Gebäude instand gesetzt. „Dazu haben viele Leute beigetragen, mit Muskelkraft und Spendengeldern“, so Mehlig weiter.

Silbermann-Orgel in der Ponitzer Kirche

Silbermann-Orgel in der Ponitzer Kirche.

Quelle: Mario Jahn

Wir verlassen das ehrwürdige Gemäuer und laufen über den Schlosshof zur 1733 / 1734 erbauten Friedenskirche. Hier wartet ein echtes Highlight: Eine Gottfried-Silbermann-Orgel.

Weiter geht’s: Durch kleine Straßen, gesäumt von Gärten voller Blumen, gelange ich entlang der Pleiße nach Merlach. Dort bietet sich die Gelegenheit im Gasthof „Max Schneider“ einzukehren, dessen Vorgeschichte fast 500 Jahre zurückreicht. Geöffnet hat er allerdings nur am Wochenende.

Bald folgt Gößnitz, wo ein Blick in die Heimatstube lohnt. Unter dem Titel „Menschen auf den Wegen der Reformation“ zeigt Arnhild Kump, die abwechselnd im nahen Tegkwitz und im fernen Wien lebt, ihre Eindrücke einer Pilgerreise, die sie vom Altenburger Land bis Rom führte. Ziel der Ausstellung, so Kump, sei es zudem, den Fokus auf Christen zu lenken, deren Schicksale von den Auswirkungen der Reformation geprägt wurden. Geöffnet ist sonnabends, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr.

Außen unscheinbar, drinnen voller Geschichte

Außen unscheinbar, drinnen voller Geschichte: Die kleine St. Annakirche in Maltis.

Quelle: Tatjana Kulpa

Bevor ich den Stadtrand von Altenburg erreiche, führt mich der Lutherweg durch das reizvolle Dörfchen Maltis mit knapp 50 Einwohnern. Hier steht die auf den ersten Blick unscheinbare, aus dem 16. Jahhundert stammende St. Annakirche. Pfarrer Peter Klukas führt in den Innenraum der Kirche, die nur auf Anfrage geöffnet wird. 172 Engel schmücken Wände, Decken, Holzvertäfelungen und Bänke. Der Pfarrer gibt auf der Popper-Orgel eine spontane Musikeinlage. „Ich bin aber kein Organist“, betont er und haut in die Tasten.

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Achte Etappe der LVZ-Serie „Luther läuft“: Auf den Spuren des Reformators von Zwickau über Crimmitschau nach Altenburg und Gnandstein.

Zur Bildergalerie

Die Familie Popper war eine Dynastie von Orgelbauern aus Stadtroda. Bei der Dachsanierung der Kirche 2009 fand man, versteckt in einem Zwischenboden, eine Glocke. „Diese haben die Bewohner von Maltis vermutlich dort oben versteckt, damit sie im Zweiten Weltkrieg nicht beschlagnahmt und eingeschmolzen werden konnte“, mutmaßt Klukas.

Doch nun auf nach Altenburg. Bis nach Paditz geht es weiter an der Pleiße entlang, dann muss ich links abbiegen.

3. Von Altenburg nach Gnandstein

In der Stadt wimmelt es von Reformationsstätten. Luther ließ sich hier häufig sehen – vor allem wegen seiner Weggefährten Georg Spalatin und Wenzeslaus Linck. Letzterer wurde 1522 zum ersten evangelischen Prediger der Stadt ernannt. In der St. Bartholomäikirche predigte Martin mehrfach und traute Linck mit der Tochter eines Altenburger Juristen. Hier befindet sich nicht nur die letzte Ruhestätte Spalatins, sondern auch eine Ausstellung über den Luther-Vertrauten, der in Altenburg als Superintendent wirkte.

In Altenburgs St

In Altenburgs St. Bartholomäikirche haben Luther und seine Wegbegleiter Spalatin und Linck Spuren hinterlassen.

Quelle: Mario Jahn

Eine Sonderausstellung unter dem Titel „Georg Spalatin – Martin Luthers Weggefährte in Altenburg“ läuft bis 31. Oktober im Residenzschloss. Darüber hinaus widmen sich die Ausstellungen im Schloss diversen Themen. An der Wiege des Skatspiels geht es natürlich nicht zuletzt um Spielkarten, aber es gibt auch Porzellan, Uhren, eine bäuerliche Bohlenstube, Sakrales und Militärisches zu sehen. Selbstverständlich widmet sich das Museum dem Altenburger Prinzenraub, einer der spektakulärsten Entführungen des Mittelalters.

Doch zurück zu Luthers Spuren. Die ursprüngliche Brüderkirche, in der er predigte, ist zwar Geschichte, dafür finden sich an der Fassade des Neubaus von 1905 eine Ganzfigur des Reformators sowie Büsten seiner beiden hiesigen Verbündeten. In der Burgstraße 19 befand sich eine der Wohnungen Spalatins, Luther soll hier aus dem Fenster gepredigt haben. Und die Johannisstraße 1 beherbergte als Gasthaus nicht nur Martin, zu späterer Zeit kehrte hier Goethe und noch später Bismarck ein.

Ausblick vom 45-Meter-Turm lockt

Im Ratsarchiv und im Staatsarchiv werden Schriften Luthers verwahrt. Auch der 45 Meter hohe Nikolaiturm, Rest einer Kirche, zählt zu den Reformationsstätten. Von Mai bis Oktober kann er jeweils Freitags bis Sonntags von 11 bis 16 Uhr bestiegen werden – aber ich spare meine Kräfte und lege am reizvollen Kleinen Teich eine Pause ein.

Durchatmen an Altenburgs Kleinem Teich – Reporterin Tatjana Kulpa auf Luthertour

Durchatmen an Altenburgs Kleinem Teich – Reporterin Tatjana Kulpa auf Luthertour.

Quelle: Mario Jahn

Ebenso verzichte ich auf einen Abstecher zu den Roten Spitzen, dem Überbleibsel eines Augustinerklosters, zu dessen Stiftung angeblich der legendäre Kaiser Barbarossa vorbeikam. Das Kloster wurde nach der Durchsetzung der Reformation geschlossen. Der Abt weigerte sich allerdings noch 30 Jahre lang, seinen Posten zu räumen.

Puh! Altenburg bietet ein anstrengendes Maxi-Programm für Touristen. Die haben danach die Qual der Wahl. Richtung Norden führt eine Route des Lutherwegs über Windischleuba nach Borna. Ich entscheide mich aber für den Abzweig Richtung Osten. Durch Münsa und den Leinawald führt diese Lutherwegstrecke zur Burg Gnandstein, dem heutigen Ziel.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft: Ferienwohnung „Pleissenhaus“. Direkt am Lutherweg im Altenburger Stadtteil Paditz ( www.pleissenhaus.de)
  • Unterkunft: Hotelpension „Treppengasse“. Direkt an den Roten Spitzen in Altenburg gelegen ( www.hotelpension-treppengasse.de
  • Sehenswürdigkeiten: St. Annakirche in Maltis. Öffnung nur auf Anfrage. Informationen dazu und weitere Angebote erhalten Sie bei der Altenburg Info, Am Markt 10 in Altenburg.
  • Sehenswürdigkeiten: Für Familien lohnt sich in Altenburg ein Abstecher in den Inselzoo und in das Labyrinthehaus.
  • Tipp: Am 25. Juni findet um 10 Uhr in der St. Bartholomäikirche Altenburg die Sonntagsrede „Spalatin spricht“ mit Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) statt.
  • Einkehr: Gasthof „Zur Schweiz“ in Paditz.
  • Einkehr: Ratskeller Altenburg im Renaissance-Rathaus direkt am Markt.

In der Serie "Luther läuft" erscheinen folgende Etappen :

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

Die große Serie - alle Teile hier!

Von Tatjana Kulpa

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