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Altenburg Mit viel Krach gegen Blätter-Berge und Tierwelt
Region Altenburg Mit viel Krach gegen Blätter-Berge und Tierwelt
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18:24 13.11.2013
Motorisierte Bläser oder handbetriebene Rechen? In den Baumärkten müssen die Käufer selbst entscheiden. Die Auswahl ist groß, wie Rainer Hoffmann zeigt. Quelle: Mario Jahn

Ginge es nach dem Thüringer Naturschutzbund (Nabu), gehörten die Bläser allerdings in die Mottenkiste. Die Naturschützer fordern, dass auf Laub-sauger und -bläser in Zukunft verzichtet wird. Der Grund: Sie schaden Tieren und Pflanzen.

Rainer Hanke, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Thüringen, wünscht sich, dass "die Motorheuler in der Ecke stehen gelassen werden". Mit einer Saugkraft von etwa 160 Kilometern pro Stunde "fressen" die Geräte nicht nur Laub, sondern auch Kleinstlebewesen, die für Vögel wichtig sind: Regenwürmer, Spinnen, Tausendfüßler. "Laub-sauger können sogar Frösche und Molche verschlingen", ist Hanke überzeugt. Mittels Häckselfunktion werden die Tiere "zerstückelt und zu Mus verarbeitet".

Für etwas weniger schlimm, aber immer noch gefährlich hält der Nabu die Laubbläser, weil sie Blätter auch in der kleinsten Ecke entfernen. Damit werden Igel und Co. die Überwinterungsplätze genommen. Der Vorschlag der Naturfreunde: Statt zu saugen und zu blasen, sollten Pflegefirmen lieber zu Besen und Rechen greifen und das Laub auf Rabatten liegen lassen. Es bildet guten Dünger, bietet Tieren einen Lebensraum und die Laubdecke schützt den Boden im Winter vor Frost.

Bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg (SWG) hält man den Vorstoß des Nabu zwar für eine schöne Idee, die aber an der Praxis scheitert. Es sei ja nicht so, dass man den heimischen Tieren den Lebensraum wegnehmen wolle, so SWG-Sprecher Matthias Blättner. Das Problem ist vielmehr: "Unsere Mieter wünschen sich ein sauberes Umfeld." Zwei Hausmeisterfirmen betreuen die 5500 SWG-Wohnungen und ihre angrenzenden Grünflächen. Schon aus zeitlichen Gründen sei es nicht möglich, auf Laubbläser zu verzichten. Nur mit einem Rechen würden die Mitarbeiter die Mengen an Blättern nicht bewältigen können, so der 35-Jährige.

Die Laubhaufen können auch deswegen nicht liegen bleiben, weil der Wind die Blätter wieder wegwehen würde oder Kinder sie breittreten könnten. Blättner betont, dass vorrangig auf befestigten Wegen und Parkplätzen geblasen werde. "Da besteht nicht die Gefahr, dass die Lebensräume von Kleintieren vernichtet werden."

Auch von der Wohnungsgenossenschaft Lucka heißt es, dass sich der Vorschlag des Nabu nicht mit den Erwartungen der Mieter vertrage. Alle zwei bis drei Wochen werden die Blätter derzeit von den Gehwegen entfernt, sagt Vorstandsvorsitzender Guido Födisch. "Wenn wir das Laub eine Woche lang nicht wegräumen, rufen viele Mieter sofort an." Sie hätten leider kein Verständnis für Kleinstlebewesen. Generell kämen Laubbläser allerdings nur selten zum Einsatz, schränkt der 37-Jährige ein.

Noch unmissverständlicher drückt es Christina Schädlich von der Schmöllner Wohnungsgenossenschaft aus. Die 29-Jährige hält das Ganze für "totalen Blödsinn". Würden die Wege nicht vom Laub befreit, gäbe es sofort "Terroranrufe" der Mieter.

Die Städtische Wohnungsgesellschaft Meuselwitz ist die einzige, bei der der Vorschlag des Nabu gut ankommt. Geschäftsführer Fred Reichel ist ohnehin kein Freund der Laubsauger. Er empfindet die Geräte als Belästigung. "Sie sind laut und verbrauchen unnötig energetische Ressourcen", so der 52-Jährige. Das Laub könne ebenso gut mit einem Besen zusammengekehrt werden, meint er im Gegensatz zu seinen Kollegen.

Reichel will seine Hausmeisterfirma und den Nabu nun an einen Tisch holen, um eine alternative Lösung zu erarbeiten. "Ich bin für ökologische Maßnahmen offen", erklärt er. In der Innenstadt sei es zwar nicht möglich, Laub einfach liegen zu lassen. In den Randlagen könne er sich aber durchaus vorstellen, Igeln mit den Blätterhaufen Winterquartiere zu schaffen.

Gina Apitz

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