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Monotone Mühsal: Archäologen erforschen am Markt die Stadtentwicklung Altenburgs

Monotone Mühsal: Archäologen erforschen am Markt die Stadtentwicklung Altenburgs

Ein mittelalterlicher Kamm aus Tierknochen und ein Öl-Lämpchen mit Kerzenhalterung vermutlich aus dem 18. Jahrhundert sind bislang die ansehnlichsten Funde der Archäologen, die am Altenburger Markt nach Spuren der Vergangenheit suchen.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Alexander Laboda

Für die vier Hilfsarbeiter, die an diesem Nachmittag unter dem kleinen, vielleicht 20 Quadratmeter großen Zelt an der nördlichen Seite der Ausgrabungsstelle gegenüber der Brüderkirche Dienst tun, ist Archäologie in erster Linie monotone Mühsal. Unter Aufsicht von Grabungsleiter Jansen buddeln die Männer Schaufel für Schaufel Erdreich aus dem Boden, schippen diese in eine Schubkarre und durchkämmen die schwarzgraue Masse anschließend auf der Suche nach allem, was von Menschenhand bearbeitet wurde.

Das Resultat ist für den fachlich unkundigen Beobachter enttäuschend. Meist wühlen die Arbeiter nur Scherben aus Glas und Keramik hervor, manchmal auch Tierknochen oder - wie heute - klumpige Überreste von Lehm-Öfen. "Wenn wir etwas finden, dann meist Gegenstände des Alltags. Vor allem Dinge, die die Menschen früher weggeworfen haben", sagt Jansen, der sich während seiner Erzählungen von Zeit zu Zeit selbst bückt, um zu begutachten, was seine Helfer gerade ans Tageslicht gebracht haben. Anders als heute schmissen die Menschen allerdings nichts weg, was sich noch gebrauchen ließ.

Schätze oder archäologische Sensationen erwarten Jansen und seine Mitarbeiter deshalb im Herzen der Skatstadt nicht zu finden. Allein die Frage bringt den Fachmann zum Lachen: "Was ist schon ein Schatz?" Sicher freue er sich über seltenere Funde, wie beispielsweise die genannte Öllampe, aber nach fast zwei Jahrzehnten als Archäologe in leitender Position sei er in erster Linie froh, wenn die Ausgrabungen anständig vorangingen. Immerhin gelte es, den Baustart auf dem Gelände im Frühjahr zu gewährleisten.

Das Areal gleicht zwar einer Mondlandschaft mit dutzenden Löchern. Doch seit Ausgrabungsbeginn Mitte Oktober holten die Arbeiter schon kübelweise Funde aus der Erde, vor allem Hunderte Keramikscherben. Diese sind für das Erkenntnisinteresse der Forscher von wesentlich größerer Bedeutung als ein Knochenkamm oder eine Öllampe, weil sie erstens an mehreren Stellen zu finden sind und sich zweitens anhand ihres Zustandes und der Art ihrer Bearbeitung relativ genau datieren lassen.

"Unsere Ausgangsfrage war, ob Menschen an dieser Stelle erstmals im 12. Jahrhundert gesiedelt haben - so wie es frühere Untersuchungen nahelegen", erläutert Jansen und schließt die vorbehaltliche Antwort an: "Die aktuellen Funde deuten darauf hin, dass die Besiedlung später startete als angenommen. Und zwar ungefähr im 13. Jahrhundert, als unweit des Areals das Franziskaner-Kloster gegründet wurde."

Für eine abschließende Beurteilung ist es jetzt allerdings noch zu früh. Bis Mitte März will das Ausgrabungsteam, das neben Jansen noch aus sechs Fachkräften vom Landesamt für Archäologie und acht Hilfsarbeitern besteht, seine Suche fortsetzten. Der leitende Archäologe hofft, bis dahin möglichst Überreste zu finden, die eindeutig auf die Erstbesiedlung schließen lassen. Sechs Wochen nach Ende der Arbeiten will Jansen seinen offiziellen Ausgrabungsbericht beim Landesamt vorlegen.

Die vier Arbeiter haben in der Zwischenzeit auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern schätzungsweise 15 Zentimeter Erde abgetragen und untersucht. Auf sie kommen bis zum Frühjahr noch viele Schubkarrenladungen zu.

 

 

 

Auch wenn die Archäologen die Kernfrage nach dem Zeitpunkt der ersten Besiedlung des 400 Quadratmeter großen Areals am Markt noch nicht beantworten können, haben die Arbeiten doch im wahrsten Sinne allerlei interessante Details offengelegt, speziell über die Jahrhunderte zwischen der ersten Bebauung des Platzes und der Gegenwart. So darf laut Ausgrabungsleiter Jansen als gesichert gelten, dass auf dem Grundstück einst ein bedeutsames Gerbergewerbe angesiedelt war.

Auf dem gesamten Gelände fanden die Forscher zahlreiche Überreste von in der Erde eingelassenen Gerberbottichen, wobei einige der Gefäße über einen bemerkenswert großen Durchmesser verfügen. Die Archäologen nehmen an, dass der südliche Teil des Areals bis auf die Bottiche über lange Zeit weitgehend unbebaut blieb und die Menschen zunächst ausschließlich im nördlichen Bereich Häuser errichteten. Dort steht derzeit auch noch eine letzte Fassade, deren Einbezug ins aktuelle Bauprojekt Auflage der Denkmalschützer war. Es ist wahrscheinlich, das exakt hinter dieser Mauer einst ein Gerber wohnte, dessen Betrieb eine stattliche Größe hatte.

Gesichert ist zudem, dass es auf einem Teil des Gelände einst brannte. Verschmorte Kacheln von Lehmöfen und vergrabene Überreste belegen dies eindeutig.

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