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Museumsschätze suchen Paten

Museumsschätze suchen Paten

"Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren", mit diesen Verzweiflungsrufen eröffnet Prinz Tamino das szenische Geschehen in Mozarts "Zauberflöte".

Altenburg.

Bekanntlich wird er alsbald erhört und umgehend gerettet - und am Ende fügt sich ohnehin alles zum Guten. Was auf der Opernbühne und insbesondere im Märchen problemlos und vergleichsweise geradlinig funktioniert, erweist sich im Lebensalltag als weitaus schwieriger. Die Direktorin des Lindenau-Museum, Julia M. Nauhaus, kann ein Liedchen davon singen.

 

 

 

Auch sie stimmt in diesen Tagen Bezug nehmend auf jenes bekannte Zitat einen Klagegesang an: "Zu Hilfe, zu Hilfe! - Restaurierungspaten gesucht" heißt es seit Sonntag im Haus an der Gabelentzstraße. In einer groß angelegten Sonderausstellung werden einige Objekte aus dem umfassenden Museumsschatz präsentiert, die zum Teil in Anbetracht ihres Zustandes gar nicht öffentlich gezeigt werden dürften. Mehr oder weniger beschädigte Kunstwerke sind darunter, Bilder ohne Rahmen, Gemälde, an denen deutlich sichtbar der Zahn der Zeit genagt hat, einige verblasst wirkende darunter, deren Inhalt kaum noch wahrnehmbar ist. Kurzum: Ein reiches Betätigungsfeld für gleich eine ganze Reihe von Restauratoren.

 

Eine solche Expertenschar würde Julia M. Nauhaus liebend gern sofort engagieren, um dem Reichtum der Sammlungen im wahrsten Sinn des Wortes neuen Glanz zu verleihen, wäre da nicht der entscheidende Haken. Es fehlt am Geld, all diese oder zumindest einige Aufträge auslösen zu können. Und das nun schon seit vielen Jahren. Ein entsprechender Restaurierungsstau hat sich inzwischen angesammelt. Um keinen gänzlich falschen Eindruck zu erwecken: Etliche Kunstwerke aus den Beständen sind in den zurückliegenden Jahren sehr wohl restauriert worden. Der Not der Zeit gehorchend, mussten zwangsläufig Schwerpunkte gesetzt werden.

 

Und diese bezogen sich verständlicherweise zunächst auf das Allerheiligste, das das Lindenau-Museum besitzt - die Sammlung der frühitalienischen Tafelmalerei. Von den 180 Kostbarkeiten wurden seit dem Jahr 2000 immerhin 55 Tafeln aufwendig restauriert. Wobei sich das Zustandebringen der Finanzierung oftmals als beinahe schwieriger erwies als die eigentliche Arbeit der Restauratoren.

 

Doch neben diesen 180 Italienern sind es rund 850 Leinwandgemälde, die das Lindenau-Museum in seinen Depots beherbergt. Für die meisten dieser Exponate fehlen besagte Mittel, um ihnen die notwendige restauratorische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. 45 davon werden jetzt ausgestellt. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die zu erledigen wären und die ein Werk für einen überschaubaren Beitrag ab 100 Euro zur Ausstellungsreife zurückführen würden, manchmal jedoch beziffern Schätzungen den erforderlichen Arbeits- und Materialaufwand auf zig-tausende Euro.

 

Insgesamt, so Nauhaus, wären für die derzeit ausgestellten Gemälde-Exponate rund 68 000 Euro notwendig, für die Möbelstücke 7500 Euro. Daneben finden sich in zwei Räumen 25 bereits restaurierte Leinwandgemälde, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sich Aufwand gelohnt hat. Zum Teil waren es Kunststudenten, denen die Wiederherstellung im Rahmen ihrer Diplomarbeiten zu verdanken ist.

 

Der Hilfe-Ruf des Lindenau-Museums drang bereits in der Vorbereitungsphase der Sonderausstellung weit über die Grenzen des Landkreises hinaus. Clemens Pflieger beispielsweise, in Weil am Rhein lebendes Mitglied des Förderkreises "Freunde des Lindenau-Museums", rief umgehend an, als er die Einladung zur Schau erhielt. Spontan erklärte er sich bereit, eine der erforderlichen Restaurierungen mit einer höheren vierstelligen Summe unterstützen zu wollen.

 

Und Julia M. Nauhaus kann auf weitere Interessensbekundungen verweisen. Astronomievereine wollen über Stiftungen die Aufarbeitung zweier Lindenau-Porträts mittragen, und eine frühere Kollegin, von Beruf Restauratorin, bot an, sich kostenlos der Rettung eines kleineren Bildes anzunehmen. Erste positive Signale, die den Mitarbeitern des Lindenau-Museums Mut machen. Auf weitere solcher Zusagen hoffen sie nun in den kommenden Monaten der Ausstellungslaufzeit bis Ende April 2014. Ziel ist es, möglichst viele dieser momentan nicht vorzeigbaren Werke in eine geplante neue Dauerausstellung einzubinden.

 

"Es geht ja nicht vorrangig nur um Geld, wir wollen zeigen, wie reichhaltig diese Gemäldesammlung ist und über welche Vielfalt das Haus verfügt, einen weiten Bogen spannend vom 15. Jahrhundert bis ins Heute", so die Museumschefin. Etliche der Leinwandgemälde werden also nach der Restaurierung nicht wieder in Depots verschwinden, sondern zumindest zeitweise jedermann zugänglich sein. Und so wie es die Altenburger inzwischen von den Bankpatenschaften her kennen, sollen auch im Lindenau-Museum künftig Schilder neben den Kunstwerken auf die großzügigen Sponsoren und Unterstützer hinweisen. © Kommentar Seite 11

 

iSpenden werden im Lindenau-Museum entgegen genommen oder erbeten an: Spendenkonto: Landratsamt Altenburger Land Kontonummer: 1111 004 400 BLZ: 850 502 00 Sparkasse Altenburger Land. Bitte unbedingt angeben: Zahlungsgrund "Zu Hilfe".

Frank Engelmann

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