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"Musik ist etwas sehr Schönes"

"Musik ist etwas sehr Schönes"

Musik ist sein Leben. So manch einer kokettiert mit diesem Spruch, der am Ende des Öfteren doch nur eine Floskel bleibt. Dies freilich gilt nicht für Wolfgang Langner.

Altenburg.

Er hat die Musik sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. Sie hat ihn ein Leben lang begleitet, im Beruf wie in seiner Freizeit. Kein Wunder, dass fast jeder Skatstädter mit seinem Namen etwas anzufangen weiß. Heute wird das musikalische Altenburger Urgestein - wenn dieser Begriff erlaubt ist - 75 Jahre alt.

 

Aufgewachsen in einer Kantorenfamilie bei Annaberg, gehörte Singen von Anfang an einfach zum Alltag. "Viel habe ich meiner Mutter zu verdanken, die mit uns vor allem Volkslieder gesungen hat", so Wolfgang Langner. Außerdem erhielt er Klavier- und Orgelunterricht, spielte im Posaunenchor. Einziger "Ausreißer" in seiner musikalischen Biografie ist der Beruf, den Langner erlernte: Bau- und Kunstschlosser.

 

Doch schon bald zog es ihn zum Theater. 1959 erhielt er in Annaberg sein erstes Engagement. Und nach der Armeezeit machte er richtig ernst: An der Leipziger Hochschule für Musik begann der damals 24-Jährige ein gar vielfältiges Studium - Gesang, Klavier, Tonsatz, Komposition, Chorleitung und Musikgeschichte. Mit dem Examen in der Tasche sang er an verschiedenen Theatern vor - und entschied sich für Altenburg. "Es war nicht weit weg von Leipzig und hatte einen guten Ruf", erinnert er sich. Was für einige Jahre gedacht, wurde zur Liebe seines Lebens, sowohl beruflich als auch privat.

 

Schnell ist Wolfgang Langner als lyrischer Tenor eines der Gesichter des Landestheaters. All die Rollen und Partien aufzuzählen, die er von 1968 bis 1992 spielte und sang - ein Unding. Gern erinnert er sich besonders an den Belmonte in "Die Entführung aus dem Serail", den Steuermann in "Der fliegenden Holländer" oder den Lenski im "Eugen Onegin". Auch im Musical war er zu erleben, in "Cabaret" beispielsweise oder im "La Cage aux Folles" - einem Sensationserfolg. Die Kritik des Lobes voll und das Publikum außer Rand und Band. Dieser Albin im "Käfig voller Narren" war die letzte Rolle von Wolfgang Langer auf der Bühne. Danach verlegte er sein Wirken endgültig hinter selbige.

 

Denn schon vorher, seit der Oberspielleitung von Friedrich Konrad Pemmann, probierte sich Langner im Regiefach. 1985 ist er dann in das Amt des Chefdramaturgen am Musiktheater berufen worden. Eine schwierige Zeit, denn erst nach der Wende mit der Intendanz von Georg Mittendrein fühlte sich Langner in dem neuen Amt aufgehoben. Mittendrein sowie Peter Posdzech, der in den 70er-Jahren das Haus zum letzten großen Abendrot vor der Wende geführt hatte, gehören für ihn zu den zwei großen Intendanten seiner Zeit am Landestheater. Diese endete 2000 freiwillig vorfristig. Wolfgang Langner wollte sich 61-jährig freischaffend neuen Herausforderungen stellen.

 

Er zog mit seiner Frau Stefanie - die Solotänzerin und der Sänger hatten 1981 geheiratet - nach Ehrenhain, um sich in der ländlichen Ruhe einer ganz neuen Herausforderung zu stellen. Er schrieb ein Buch über die Geschichte des Gewandhaus-Chores. Vier Jahre hat er dafür in Archiven intensiv recherchiert. Die Präsentation in Leipzig wurde ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten - und zu einem großen Erfolg. Noch heute denkt er mit Rührung daran.

 

Und noch einer anderen Passion geht der inzwischen wieder in die Skatstadt Zurückgekehrte seit vielen Jahren nach - dem Dirigieren. "Wenn irgendwo ein Chor singt, ist Wolfgang Langner nicht weit", pflegt beispielsweise Kreisheimatpfleger und Sangesfreund Wido Hertzsch zu sagen. Seit 1997 leitete beziehungsweise leitet Wolfgang Langner Chöre in Schmölln, Meuselwitz und Altenburg - konkret derzeit den Gemischten Chor der Skatstadt und den Chor des Klinikums Altenburger Land.

 

"Es ist ein ganz wunderbares Gefühl, wenn man am Ende einer Probenphase merkt, dass sich alles zusammenfügt. Und wenn man dann noch feststellt, dass es den Leuten Spaß macht, mit mir zu arbeiten, ist das Glück perfekt." Es reizt ihn, das große und reiche Kulturgut zu pflegen und weiter zu vermitteln, um es nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Von Volkslied über Ausschnitte aus Oratorien, Opern und Operetten bis hin zu spirituellen Liedern reicht das Repertoire "seiner" Chöre.

 

Einer der Höhepunkte in seinem Wirken als Dirigent dürfte das große Chortreffen im Vorjahr im Altenburger Land gewesen sein, wo Langner in der Brüderkirche für Hunderte Sänger den Taktstock schwang. Außerdem macht er weiterhin als Autor und Dramaturg von sich reden, beispielsweise bei der Künstler- und Wenzelgarde. Bei zahlreichen Stadtfesten dürfen die Organisatoren immer auf den "rüstigen Rentner" zählen.

 

"Musik ist etwas sehr Schönes, Erbauendes", ist Wolfgang Langner überzeugt, der heute noch Tag für Tag wenigstens eine Stunde am Spinett sitzt, um in Übung zu bleiben. Ich möchte mit meiner Musik Menschen anrühren, soll Puccini einmal gesagt haben. Wolfgang Langner schafft das auch. Denn Musik ist sein Leben.

Ellen Paul

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