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Musikalisch im Süden: Abschluss der Konzertsaison im Landestheater

Musikalisch im Süden: Abschluss der Konzertsaison im Landestheater

Zwei ungewöhnliche und bejubelte Konzerte des Philharmonischen Orchesters beendeten die Konzertsaison der zu Ende gehenden Spielzeit in Altenburg.

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Gefeierter Auftritt: Gabriel Feltz bedankt sich nach dem Programm beim Altenburger Publikum.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Von Manfred Hainich

Es kommt nicht von ungefähr, dass am Pult jeweils ehemalige Chefs des Orchesters standen, die wesentlich sein Profil mitbestimmten. Das trifft vor allem auf Gabriel Feltz zu, dem ein rein spanisches, sehr homogenes Programm unter dem Thema Sonne, Süden, Sinnlichkeit anvertraut wurde, das in solch einer Zusammenstellung selten zu finden ist. Man kann es auch auffassen als nachträgliche musikalische Ehrung des Fußballeuropameisters, der mit dem Orchester eines gemeinsam hatte: das Spiel auf höchstem Niveau.

Dafür war hier der künftige musikalische Chef der Oper Dortmund verantwortlich, der sicherlich den Ehrgeiz hat, wie die dortigen Fußballer seine Musiker in die Spitze der deutschen Opernliga zu führen.

Hier mutete er den Musikern Musik mit einer geballten Konzentration von Schwierigkeiten zu, die wahrlich eine Herausforderung darstellten. Und sie meisterten diese dank des Dirigenten erstklassig.

Es ist spanische Musik, die aus einer impressionistischen französischen Perspektive kommt und überhaupt nicht melodiös im klassischen Sinne ist. Da ist alles Tanz und rhythmisch bestimmt und Feltz gibt ihr den exakten musikalischen Feinschliff. Dabei löst er die rhythmische Vertracktheit mancher Stücke auf und führt sie zu rhythmischer Klarheit. Das beginnt mit Maurice Ravels "Alborada del gracioso", einem rekompositioniertem Klavierstück, das aufgrund seiner halbierten wechelnden Rhythmen als schwierig zu spielen gilt. Ravel schuf keine einfache Orchestrierung, sondern eine neue Fassung, die die Rhythmisierung noch steigert.

Feltz führt das Orchester souverän durch die Anfangsschwierigkeiten eines am Morgen nach Hause torkelnden Narren, wobei er im Solo-Fagottisten Roland Schulenburg einen sicheren exakt spielenden Begleiter hat. Nicht nur dem Rhythmischen, sondern stärker auch dem Atmosphärischen verpflichtet ist Feltz den "Nächten in spanischen Gärten" des Spaniers Manuel de Falla, die dieser in Paris schuf. Weder er noch der Pianist Herbert Schuch lassen dabei die drei Sätze in einem konturlosen, vermeintlich impressionistischen Etwas verschwimmen. Geradezu leichtfingrig und entschlossen agiert der Pianist inmitten des von Feltz treffsicher geführten Orchesters und lotet die Klangfarben fein aus. Eine goßartige Leistung des Pianisten, die er in seiner Zugabe mit einer der 550 Sonaten von Domenico Scarlatti durch ein klaviertechnisches Feuerwerk bestätigte.

In der Iberia-Suite von Claude Debussy, einer Folge von drei Bildern aus Spanien, gelingt Feltz mit dem Orchester die hohe Kunst, aus einer verfeinerten Rhythmik Klänge zu zaubern. Wie unter seiner Führung das Orchester die ständig wechselnden Taktarten meistert, ist wahrlich meisterhaft.

Mit Ravel beginnt und endet das Programm. Sein Bolero erklingt zum Schluss. Zu ihm scheint alles gesagt zu sein. Ravel selbst äußerte, dies sei keine Musik; ein 17-minütiger von einer Trommel geschlagener gleichmäßiger Dreivierteltakt mit zwei Themen, die in insgesamt 18 Variationen gespielt werden. Aber natürlich ist das Stück raffiniert instrumentiert, natürlich wirkt dieses ganz langsame, unerbittliche Steigern vom kaum wahrnehmbaren Pianissimo zum Fortissimo geradezu beklemmend, natürlich kann ein guter Dirigent damit glänzen.

Dennoch bleibt es nur ein großartig gekonntes artistisches Spiel. Und Feltz nimmt dieses Spiel an und macht mehr daraus: Er artifiziert es. Er hält das Tempo eher langsam und macht die Struktur ganz deutlich, indem er Variation auf Variation schichtet und jede durch stärkere Intensität und Dynamik von der vorhergehenden absetzt und am Ende eine Spannung und Klanggewalt erreicht, die einfach überwältigt und sich erst durch den dissonanten Aufschrei löst. Das war gewaltig und für hier bisher eigentlich einmalig.

Das Altenburger Publikum bewies, dass es nicht nur im Festsaal des Schlosses zu frenetischem Jubel fähig ist. Dieser hier war laut und stark und wollte nicht enden. Ein eindrucksvolleres Ende einer Orchesterspielzeit kann es kaum geben.

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