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Musikalische Zutat auf dem Altenburger Wochenmarkt

Jazzband aus Hickory Musikalische Zutat auf dem Altenburger Wochenmarkt

Mittwochs, auf dem großen Altenburger Wochenmarkt, ist auch hin und wieder Musik zu hören. Straßenmusiker postieren sich dann an günstigen Stellen und bringen eine musikalische Zutat zu Gemüse, Obst, Wurst und Brot. Diesen Mittwoch gegen Mittag war die musikalische Zutat größer und gehaltvoller. Jazz wurde geboten von „Centerpiece Jazz“, einer Band aus Hickory (USA).

Dave Reep, Joseph Hasty, Ben McPherron und Dick Hull (v.l.) während ihres Auftritts gestern Mittag vor dem Altenburger Rathaus.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Mittwochs, auf dem großen Altenburger Wochenmarkt, ist auch hin und wieder Musik zu hören. Straßenmusiker postieren sich dann an günstigen Stellen und bringen mit Akkordeon, Panflöte, Geige und anderen Instrumenten eine musikalische Zutat zu Gemüse, Obst, Wurst und Brot. Diesen Mittwoch (16. August) gegen Mittag war die musikalische Zutat größer und gehaltvoller. Jazz wurde geboten von „Centerpiece Jazz“, einer Band aus Hickory (USA), im Rahmen ihrer Tournee durch das Altenburger Land und innerhalb des Altenburger Musikfestivals.

Die vier amerikanischen Musiker hatten sich vor dem Rathaus postiert und unterhielten Händler wie Käufer mit ihrer Musik, die eine spezielle Form des Jazz ist und nur in kleinen Gruppen von zwei bis höchstens sechs Musikern in Pubs und Clubs gespielt wird. Sie ist eigentlich nicht für ein Open Air geeignet, weshalb die Band gegen 11 Uhr ein bisschen unerkannt und ungehört wirkte. Erst mit Zunahme des Publikums verschafften sich die Musiker auch mehr Gehör.

„Centerpiece Jazz“ bietet einen Mix aus Swing, Latin-Jazz, Schlager-Songs und Balladen, der nicht nur zum Hören gedacht ist, sondern auch zum Tanzen inspirieren will. Beim genauen Zuhören erkennt man neben dem Swing-Rhythmus auch Anklänge an Walzer, Foxtrott und den Tango. Auf dem Markt indes ließ sich niemand zum Tanzen hinreißen. Schwere Obstbeutel und Gemüsetaschen sowie das tanzunfreundliche Pflaster verhinderten dies.

Um so mehr lauschten die musikinteressierten Marktgänger den vier Musikern. Sie konnten pure Spielfreude beim freien Improvisieren und virtuose Fingertechnik bewundern, mit denen sie ihre gut arrangierten Stücke mit authentischem Groove spielten.

Entgegen den Ankündigungen eines Konzertbeginns von 11.30 Uhr hatten die vier Musiker schon gegen 10.45 Uhr ihre Instrumente ausgepackt und losgelegt. Da fanden sie noch wenig Publikum. Je näher die Zeit auf halb zwölf rückte, um so mehr Zuhörer fanden sich ein, sodass es ein richtig kleines Happening wurde. Wie alle Straßenmusiker hatten sie ihre geöffnete Gitarrenkiste mit CDs aufgestellt und einer großen Dose, beschriftet mit „Tips“ (Trinkgeld). Erstaunlich, wie viele Zuschauer und auch nur Vorübergehende ihre Euros dort zum Klingen brachten. Es gab durchweg Beifall des sich ständig verändernden Publikums.

Es ist nicht das erste Mal, dass musikalische Grüße aus der Partnerregion Hickory im Altenburger Land überbracht werden. Für „Centerpiece Jazz“ indes ist es eine Premiere. Entsprechend groß ist die Vorfreude der vier Musiker auf gleich fünf Konzerte in ganz unterschiedlichen Lokalitäten in Altenburg, Posterstein und Pahna: Marktplatz, Burg, Museum, Gymnasium und Gaststätte.

Gegründet wurde die Band 1995 von Joseph Hasty (Gitarre und Gesang), der seinem Lieblingssong „Centerpiece“ gleich als Namensgeber fungieren ließ. Lange Zeit trat Joseph mit Dick Hull (Sologitarre) und Ben McPherron (Kontrabass) als Trio auf, bis Dave Reep (Trompete) 2008 die Gruppe komplettierte. Manchmal stehen sie auch zu fünft auf der Bühne und haben noch einen Schlagzeuger mit „an Bord“. Doch dieses Instrument im Flugzeug über den Großen Teich zu transportieren und dann auch noch von Konzert zu Konzert zu schleppen, wäre dann doch etwas zu aufwendig gewesen. „Und auch teuer“, lacht Joseph Hasty. Die Band hat sich deshalb sehr gefreut, dass auch der Kontrabass zu Hause bleiben konnte, weil die Altenburger Musikschule das doch etwas sperrige Instrument zur Verfügung stellte. Und die Sound-Anlage lieh Claus Jäger sen. vom gleichnamigen Altenburger Elektrofachmarkt.

Obwohl die Band jährlich auf rund 40 bis 50 Auftritte kommt und ihre Mitglieder auch noch in diversen anderen Gruppen Musik machen – bei weitem nicht nur Jazz, sondern auch italienische Klassiker oder Raggae – verdienen sie ihre Brötchen nicht allein mit der Musik, sehen sich also nicht als Profis. Joseph (58) ist Lehrer, Ben (40) Geigenbauer und Dave (54) ist in der Marketing-Branche tätig und hat ein Café in seinem Heimatort, in dem er gern selbst auftritt, Nur der 74-jährige Dick ist schon pensioniert.

„Centerpiece Jazz“ weilt ebenso wie eine Politiker-Delegation aus Hickory derzeit auf Einladung von Landrätin Michaele Sojka (Linke) im Altenburger Land, die die Musiker vor dem Marktkonzert im Landratsamt herzlich willkommen hieß. Betreut werden die vier Vollblutmusiker bei ihrem Gastspiel, das sie auch nach Rothenburg ob der Tauber, München, Stuttgart und Wernigerode führt, von Joachim Körner, dem langjährigen Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins in Hickory. Der aus Karlsruhe stammende Lehrer lebte 35 Jahre in den USA und betreute in seiner Funktion als Vereinschef auch zahlreiche Schüleraustausch-Programme mit dem Altenburger Friedrich- und Lerchenberg-Gymnasium. Da der 65-Jährige im Vorjahr aber zurück nach Deutschland zog, hat er die Funktion abgegeben, lässt die Kontakte nach Hickory – wie man gerade in der Betreuung von „Centerpiece Jazz“ sieht – aber nicht abreißen.

„Centerpiece Jazz“ ist am Donnerstag (17. August) um 11.30 Uhr im Friedrichgymnaisum und um 18.30 Uhr im Lindenau-Museum sowie am Freitag (18. August) um 20 Uhr in der Gaststätte „Seeblick“ Pahna zu erleben. Der Eintritt zu diesen Konzerten ist frei.

Von Manfred Hainich und Ellen Paul

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