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Altenburg Nabu ruft zur Vogelzählung auf
Region Altenburg Nabu ruft zur Vogelzählung auf
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05:00 05.01.2017
Meisen und Spatzen wird am Stausee in Fockendorf ein üppiges Mahl serviert. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Seit einigen Jahren ruft der Naturschutzbund (Nabu) zweimal im Jahr zur einer Vogelzählung auf. Die Stunde der Wintervögel findet jetzt am Wochenende vom 6. bis 8. Januar statt. Die Bürger werden gebeten, sich an einem der Tage eine Stunde Zeit zu nehmen und alle Vögel – beispielsweise am Futterhäuschen – zu zählen und die gesammelten Daten an den Nabu zu senden. Die entsprechenden Unterlagen gibt es unter anderem in Internet.

Laut Mike Jessat, Vorsitzender des Thüringer Nabu und Museumsdirektor im Altenburger Mauritianum, sei im Vergleich zu den Populationsgrößen von vor dreißig Jahren die Zahlen der Vögel signifikant gesunken. Was unter anderem daran liege, dass die Vögel immer weniger Lebensräume und Brutplätze in einer zu ordentlichen Welt fänden. „In den Städten gibt es zum Beispiel kaum noch verwahrloste Ecken. Die will zwar keiner zurück, aber sie boten Lebensräume für Vögel und Insekten“, so Jessat. Selbst die Kleingärten sind nach seiner Auffassung heute so aufgeräumt, dass sich dort kaum noch Insekten und Vögel wohlfühlen. Besonders negativen Einfluss auf die Wildvogelentwicklung und das Insektensterben schreibt der Thüringer Nabu-Chef auch der Landwirtschaft zu. Deren intensive Nutzung jedes noch so kleinen Stücks Land schade Flora und Fauna.

Zwar sei es für verlässliches Zahlen auf Basis der Zählaktionen noch zu früh. Weil, wie Jessat erklärt, in diesem Jahr erst die siebente Wintervogelzählung durchgeführt wird. „Da wirken sich statistische Ungenauigkeiten noch zu stark aus. Die Zahl der Vögel ist ja Jahr für Jahr verschieden und wird von vielen Faktoren beeinflusst.“ So spiele etwa eine Rolle, wie der Winter im Norden Europas ist, weil davon abhängt, wie viele Zugvögel von da in hiesige Gefilde kommen. Die Zählergebnisse hingen aber auch vom Sommer ab, speziell wie viele Jungtiere in der vergangenen Brutsaison durchgekommen sind.

Denn ein Fakt, der erst im vergangenen Jahr so richtig in den Fokus der Biologen geriet, ist die auffällige Abnahme der Biomasse der Insekten. Allein in Nordrhein-Westfalen sei sie binnen 15 Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, veröffentlichte der Nabu 2016. „Das merkt im Sommer auch hier jeder Kraftfahrer. Man muss nur darauf achten, wie wenige Insekten inzwischen auf der Windschutzscheibe landen.“ Und dementsprechend auch im Magen der Vögel. Wie Jessat erläutert, ernähren nämlich auch alle Körner fressenden Vogelarten ihre Jungen anfangs mit Insekten. Ist das Nahrungsangebot zu gering, überleben dementsprechend weniger Jungtiere. „Und das merken wird dann eben auch bei der Wintervogelzählung“, verweist er Naturschützer auf die engen Wechselwirkungen der Natur.

Deshalb sei es auch wichtig mitzuteilen, wenn keine Vögel gezählt wurden. „Es wäre ein Trugschluss zu glauben, gibt es nichts zu zählen, könne auch nichts gemeldet werden“, so der Naturschützer. Denn ebenfalls solche Null-Meldungen werden benötigt, um ein realistisches Bild zu entwickeln, das Rückschlüsse darauf zulässt, wie es um die wildlebenden Vogelarten bestellt ist. Und das überhaupt keine Tiere auftauchen, könne durchaus passiere. Zum einen eben, weil ein Rückgang der Singvogelpopulationen zu beobachten ist. Zum anderen, weil die Vögel in schneelosen Wintern nicht selten dem städtischen Raum den Rücken kehren und sich nahe der Wälder aufhalten, wo sie ihr Futter finden, so der Fachmann.

Weitere Infos unter www.nabu.de

Von Jörg Reuter

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