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Nach Insolvenz führt Talisa Angebote der Neuen Arbeit erfolgreich weiter

Hilfe für sozial Schwache Nach Insolvenz führt Talisa Angebote der Neuen Arbeit erfolgreich weiter

Als die Ostthüringer Neue Arbeit Ende 2016 in Insolvenz ging, hingen zahlreiche Angebote im Altenburger Land für sozial Bedürftige in der Luft. Keiner wusste, wie es mit Tafelläden, Sozialkaufhaus und Co. weitergehen wird, bis sich die Thüringer Arbeitsloseninitiative-soziale Arbeit (Talisa) fand, die die Projekte meist weiterführte.

Sieht fast aus wie ein Wohnzimmer: Talisa-Mitarbeiterin Madlen Sommer im Soliladen in der Friedrich-Ebert-Straße in Altenburg.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Im Soliladen Altenburg herrscht rege Betriebsamkeit. Im Verkaufsraum im Gerwerbepark Alte Fabrik an der Friedrich-Ebert-Straße wird gebrauchtes Mobiliar, Hausrat sowie Bekleidung jeglicher Art Bedürftigen angeboten und für einen eher symbolischen Preis abgegeben. Zuvor wurde es bei Bedarf von Mitarbeitern im Möbellager oder der gleich benachbarten Nähstube wieder instand gesetzt. „Es geht wieder aufwärts“, sagt Projektleiterin Madlen Sommer. Seit acht Jahren ist sie in dem Sozialprojekt tätig. Erst unter der Regie der Ostthüringer Neuen Arbeit und nach dessen Insolvenz Ende 2016 unter neuer Führung der Thüringer Arbeitsloseninitiative soziale Arbeit – kurz Talisa.

Der Verein betreibt in Thüringen Tafelläden und andere soziale Projekte und übernahm vor gut einem halben Jahr die Verantwortung für die Projekte. „Insolvenzverwalter Bernd Krumbolz ist im vergangenen Dezember auf uns zugekommen und hat angefragt, ob wir uns hier in Altenburg engagieren könnten“, ergänzt Marion Beyer, die Talisa-Regionalleiterin für Ostthüringen. Der Geraer Jurist leistete mehr, als er als Insolvenzverwalter hätte machen müssen. Statt nur die Reste abzuwickeln, erkannte der Rechtsanwalt sofort, dass die sozialen Offerten für Altenburg und das Altenburger Land unverzichtbar sind – und suchte einen neuen Betreiber. Den fand er mit Talisa. Und die fand wiederum engagierte Mitarbeiter und leistungsfähige Projekte vor.

„Das war eine ganz schwierige Zeit voller Unsicherheiten und Ängste, weil niemand wusste, ob und wie es weitergeht“, erinnert sich Madlen Sommer. Man habe auch nicht gewusst, was die Talisa genau vorhabe. „Parallel waberten ja die wildesten Gerüchte, dass es uns nicht mehr gäbe oder wir kurz vor dem Aus stehen.“ Heute kann sie lächeln: „Alles lief nach ersten Anfangsschwierigkeiten weiter und ich habe jetzt sogar eine feste Anstellung. Alle haben erkannt, dass es in einem Kreis wie dem Altenburger Land einfach solche Angebote dringend braucht.“

Marion Beyer kann das nur bestätigen: „Am Anfang lief es schwer an. Am Tag, bevor wir am 15. Februar offiziell einstiegen, gab es einen Einbruch. Dann waren wir wochenlang telefonisch nicht mehr erreichbar. Aber glücklicherweise hatten wir immer ein sehr engagiertes Team hinter uns, dass trotz aller Probleme weitergemacht und auch selbst für die Offerten geworben hat. Inzwischen haben wir in Altenburg sowohl im Soliladen sowie den Tafelläden als auch bei den Kraftfahrern sechs feste Arbeitsplätze geschaffen, wo nur vier geplant waren.“

Eingangs sei man schon ein wenig erschrocken gewesen, als man das Projektkonstrukt, dass der insolvente Vorgängerverein hinterlassen hatte, genauer unter die Lupe nahm, so Beyer weiter. „Da war vieles völlig überdimensioniert: Um die 60 Tafelgärten, eine Fackelwerkstatt, den Bernsteinhof in Rositz, Tafelläden, Sozialkaufhaus und auch noch gesundes Frühstück an Schulen. „Die Fackelwerkstatt konnte nicht weiter betrieben werden, weil auf dem genutzten Mietobjekt eine derartige Last an Mietschulden lastete, dass der Vermieter die Werkzeuge und das Interieur als Ausgleich einbehielt. Bei den Tafelgärten wurde außerdem weit über den tatsächlichen Bedarf als Versorgung mit frischem Obst und Gemüse hinaus gewirtschaftet. Und auch die Trägerschaft des Bernsteinhofes haben wir zurück in die Hände der Gemeinde gegeben.“

Alles andere sei erhalten geblieben, erklärt die Regionalleiterin. „Wir wollen diesen Stand jetzt halten und qualitativ ausbauen.“ Der Tafelladen in der Altenburger Gabelentzstraße sei praktisch übergangslos weitergelaufen, auch weil die Lebensmittelspender komplett zur Stange hielten, ein weiterer in Lucka, in der Clara-Zetkin-Straße 28, ist wieder geöffnet. Und auch den Soliladen in Altenburg entdecken wieder immer mehr Kunden, die einfach froh sind, dass es diese erschwingliche Alternative angesichts ihrer Situation weiter gibt. Auch das gesunde Frühstück an den Schulen in Windischleuba sowie Nobitz wird, wie gewohnt, von der Talisa gereicht. Ebenso schon seit Jahren fester Bestandteil des Talisa-Engagements in der Skatstadt ist sind Kleiderkammer, Nähstube und interkulturelle Begegnungsstätte in der Käthe-Kollwitz-Straße 34.

„In unseren Tafelläden gibt es auch frisches Obst und Gemüse, zumeist geerntet in den Tafelgärten. Davon haben wir noch einen in Lucka, sowie drei in Altenburg, was den Bedarf völlig deckt“, betont Beyer. Alles in allem sind bei den Talisa-Angeboten derzeit 20 Frauen und Männer beschäftigt. „Unter anderem über diverse Beschäftigungsprogramme mit Unterstützung des Jobcenters, von dem wir gute Unterstützung erhalten.“ Das zeigt sich auch im Soliladen, wo Mobiliar und Hausrat guten Absatz finden. „Mittlerweile suchen wir schon wieder dringend Möbelspenden“, so Beyer.

Der Soliladen in der Friedrich-Ebert-Straße 33 in Altenburg ist unter Tel. 03447 4888568 erreichbar und montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags bis 17 Uhr geöffnet. Die Tafelläden sind montags bis freitags 8 bis 14 Uhr geöffnet.

Von Jörg Wolf

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