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Nach Schlägerei: Schmöllner Stadtchef fürchtet um Sicherheit bei Demo

Polizei verstärkt Präsenz Nach Schlägerei: Schmöllner Stadtchef fürchtet um Sicherheit bei Demo

Nachdem zwei Asylbewerber in Schmölln von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen worden, verstärkt die Polizei die Präsenz rund ums Flüchtlingsheim. Der Schmöllner Bürgermeister fürchtet derweil um die Sicherheit bei der Thügida-Demo am Sonnabend. Diese führt direkt an der Asylunterkunft vorbei.

Auf der Gartenstraße am Schmöllner Asylbewerberheim stehen bereits Halteverbotsschilder wegen der Demonstration am Sonnabend.

Quelle: Jens Rosenkranz

Schmölln. Gerade hatten Deutschlands Handballer Dänemark bezwungen. Auch Albrecht Pohle freute sich Mittwochabend über den Einzug ins EM-Halbfinale, als der Schmöllner durch eine Brüllerei vor seinem Balkon in der Hausmühlenstraße aufgeschreckt wurde. Minuten zuvor war Thomas Brunßen auf seinen Balkon getreten und beobachtete den Tumult, der eine Zigarettenlänge lang dauerte, ebenso wie die Bewohnerin eines Hauses an der schmalen Fußgängerbrücke über die Sprotte. Da es dunkel war, haben beide nicht viel gesehen.

Fest steht jedoch, dass es zwischen Brücke und Gartenstraße am Mittwoch zu einer Prügelei zwischen jungen Schmöllnern und Bewohnern der Asylbewerberunterkunft kam. Am 300 Meter entfernten Busbahnhof waren zuvor ein 22-jähriger Albaner und ein 19-jähriger Serbe auf etwa 15 Jugendliche getroffen, die den Ausländern Aufkleber in die Hand drückten. Auf denen stand in englischer Sprache: „Flüchtlinge sind nicht willkommen“.

Polizei rückte mit neun Fahrzeugen an

Von da an eskalierte es. Laut Polizei sollen der Serbe und der Albaner die jungen Leute beschimpft haben, einer der Schmöllner (21) setzte Pfefferspray ein. Die Asylbewerber flüchteten nun über Bahnhofsgleise und Sprottebrücke Richtung Gartenstraße, verfolgt von den Einheimischen. Einer von ihnen warf eine Flasche auf die Fliehenden und verletzte einen der zwei Männer leicht am Kopf, ein anderer wurde mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Mittlerweile erfuhren andere Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft von dem Streit, solidarisierten sich auf der Gartenstraße mit den Duo und empfingen die Deutschen mit Geschrei. Davon beeindruckt, wichen die Verfolger einem Augenzeugenbericht zufolge zurück und flohen nun selbst über die Brücke, mit den Worten: „Los, wir hauen ab!“. Die Polizei meldete, dass ein 20-jähriger Deutscher von einem unbekannten Flüchtling mit einem Besenstiel geschlagen worden sei.

Mittlerweile hatte der einzige anwesende Wachmann der Unterkunft die Polizei alarmiert, die später mit neun Fahrzeugen aus Altenburg und weiteren Dienststellen auf dem Hof der Asylbewerberunterkunft anrückte. Die Beamten konnten die Situation entspannen, sprachen Platzverweise aus und fanden auch den 21-Jährigen, der die Aufkleber verteilt hatte. Er wurde festgenommen, auf Weisung der Staatsanwaltschaft jedoch wieder entlassen.

Thügida-Demosoll am Sonnabend stattfinden

Das Landratsamt wollte die Schlägerei nicht kommentieren, weil laut Sprecherin Jana Fuchs noch keine gesicherten Informationen dazu vorlagen, ob sich der Vorfall in oder außerhalb des Geländes des Flüchtlingsheims abgespielt hat. Auf Nachfrage teilte sie nur mit, dass es zwischen 19 und 6 Uhr einen Wachschutz gibt. Während tagsüber ein Mitarbeiter des Betreibers und ein Sozialarbeiter des Landratsamts vor Ort sind, gibt es abends und nachts nur einen Wachmann. „Im Konfliktfall ist der Wachschutz angewiesen, deeskalierend zu agieren und gegebenenfalls die Polizei zu verständigen“, erklärte Fuchs. Den Schutz zu verstärken, sei derzeit aber nicht geplant. „Es ist ebenso nicht vorgesehen, die geplante Thügida-Demo am Sonnabend zu verbieten beziehungsweise in ihrer Route zu verändern.“

Der Schmöllner Bürgermeister Sven Schrade (SPD) sieht trotz des Vorfalls keine realistische Chance, den Aufzug verbieten zu lassen. „Dafür ist die Versammlungsfreiheit ein zu hohes Gut“, sagte das Stadtoberhaupt. Er überlege aber, nochmals die Initiative zu ergreifen, damit die Route, die direkt am Flüchtlingsheim vorbeiführt, verändert werde. „Daher befriedigt mich die Aussage des Landratsamts nicht. Denn ich befürchte, dass es in der Nähe der Gemeinschaftsunterkunft zu Auseinandersetzungen kommt und das die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet.“

Diese Einschätzung teilt die Polizei nur bedingt. „Im Zuge des Vorfalls und im Hinblick auf die Thügida-Demo haben wir die Streifentätigkeit in Schmölln erhöht“, sagte der Chef der Polizeiinspektion Altenburger Land, Andreas Pöhler. „Eine Verschärfung der Gefahrenlage gibt es aber nicht, weshalb es bisher keinen Grund für eine Absage der Demo gibt.“ Das bestätigte die Landespolizeidirektion (LPI) Gera und präzisierte, dass die Gemeinschaftsunterkunft und die Innenstadt stärker bestreift werden. „Es geht darum, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu steigern“, erklärte LPI-Sprecher Sebastian Hecker. Man werde zur Thügida-Demo jedoch nicht mit mehr Personal anrücken als geplant.

Von Jens Rosenkranz und Thomas Haegeler

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