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Altenburg Nach Vandalismus am Teehaus Streit zwischen Stadt und Verein
Region Altenburg Nach Vandalismus am Teehaus Streit zwischen Stadt und Verein
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00:33 13.04.2018
Vereinsvorsitzender Frank Hammerschmidt zeigt am Teehaus Altenburg das barocke Gitter, das von Unbekannten aus der Verankerung gerissen wurde. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Ehrenamtliches und kommunales Engagement auf der einen Seite, blinde Zerstörungswut und teure Schäden auf der anderen Seite: Das Teehaus im Altenburger Schlossgarten wurde am Freitag erneut beschädigt. Unbekannte hatten versucht, ein barockes Schmuckgitter aus der Sandsteinverankerung zu reißen. „Das ist denen zum Glück nicht komplett gelungen, die Plexiglasscheibe an der Balkonbrüstung hat verhindert, dass sich auch die untere Verankerung gelöst hat“, erläutert Frank Hammerschmidt, Vorsitzender des Teehausvereins.

Um das ehemalige Lusthaus von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der um 1712 das Teehaus errichten ließ, kümmert sich seit Jahren der Verein liebevoll und ehrenamtlich. Um so tiefer schmerzt der erneute Vandalismus die Mitglieder. Immerhin organisiert der Verein seit 2004 nicht nur Veranstaltungen für die kulturelle Belebung des historischen Ensembles, sondern wirkt federführend bei der Sanierung mit. Nach dem Hauptgebäude 2012 konnte der Verein zuletzt die Rekonstruktion des Eingangsportals und einiger Schmuckvasen für den Außenbereich abschließen. „Die Vasen haben wir aber noch nicht aufgestellt, weil wir Angst vor Vandalismus haben“, erklärt Hammerschmidt.

Denn die jüngsten sind nicht die einzigen Spuren nächtlicher Randalierer. „Bänke wurden beschädigt, Buchsbäumchen aus der Erde gerissen, Lampen aus den Halterungen entfernt. Immer wieder mussten Gelder beschafft werden, um diese Sinnlosigkeiten zu reparieren – Geld, das für ganz andere Aufgaben dringlicher gewesen wäre“, so der langjährige Teehausvereinschef Uwe Burkhardt. Im konkreten Fall – und wohl auch bereits in der Vergangenheit bei ähnlichen Vorfällen – ist Geschädigte aber die Stadt Altenburg als Eigentümer der zum Schloss gehörenden Immobilie.

Auf Anfrage heißt es aus dem Altenburger Rathaus, der Schaden wird derzeit auf rund 1000 Euro geschätzt. „Und wir hoffen nun, dass er von der Versicherung geregelt wird, das wir nicht in die Schlosskasse greifen müssen“, so Rathaussprecher Christian Bettels auf OVZ-Anfrage.

Auch Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) schmerzt die Zerstörungswut an einem Objekt, das zu den Aushängeschildern der Stadt zählt. „Ich bin zutiefst verärgert. Hier werden bürgerschaftliche und städtische Bemühungen zum Erhalt eines Kulturgutes zunichte gemacht. Das ist nicht zu tolerieren“, erklärt Wolf, der sich wünscht, dass die Täter schnell ermittelt werden. Ob und in wieweit die Polizei tätig ist, konnte die OVZ bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung bringen.

Um zukünftig derlei Rowdytum zu verhindern, schlägt Wolf nun ausdrücklich vor, den Kompromiss der Denkmalbehörden anzunehmen und wenigstens die Aufgänge mit einem Gittertor zu sichern. Darum hatte sich in den vergangenen Monaten ein Streit zwischen Teehausverein und Denkmalschützern entzündet. Denn der Verein möchte bereits die drei Bögen des Vorbaus mit Absperrgittern verschließen. „Das ist unser nächstes Projekt, dafür haben wir Geld gesammelt, aber der Denkmalschutz verhindert das“, klagt Vereinschef Hammerschmidt. Im September wurde der Bauantrag gestellt, der aber Mitte Dezember aus denkmalrechtlichen Gründen abgelehnt wurde.

Stattdessen schlagen die Denkmalschützer vor, lediglich rechts und links die Treppenaufgänge zu verschließen. Das möchte der Verein nicht, weil dann der Vorraum offen bliebe. „Dort wird zum Beispiel regelmäßig die Lampe heruntergerissen“, argumentiert Hammerschmidt, der dabei wohl auch an Jugendliche denkt, die sich auch nicht mehr auf der Teehaustreppe treffen würden, wenn sie kein „Dach“ mehr über dem Kopf hätten.

„Ich denke, es ist besser, jetzt den Kompromiss anzunehmen, als mit dem Kopf durch die Wand zu wollen“, findet der Oberbürgermeister und hofft, damit beim Verein auf offene Ohren zu stoßen. Ungeachtet dessen stellt er klar, er werde sich für eine denkmalrechtliche Genehmigung der Gitter für die Aufgänge einsetzen. Für den Streitfall plädiert er dafür, dass die Stadt das notfalls allein realisiert.

Von Jörg Reuter

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