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Altenburg Nachbarkind über 60 Mal missbraucht: Altenburger muss acht Jahre in Haft
Region Altenburg Nachbarkind über 60 Mal missbraucht: Altenburger muss acht Jahre in Haft
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16:55 28.03.2018
Weil er ein Kind missbraucht hat, muss ein 31-jähriger Altenburger acht Jahre ins Gefängnis. Quelle: dpa
Gera/Altenburg

Mit sorgenvoller Miene sitzt er da, nahezu regungslos. Die Hände sind ineinander gefaltet. Die Ellbogen liegen auf der Armstütze des Stuhls. Fabian S. wirkt angespannt, sehr sogar. Dem 31-Jährigen mit dem gepiercten Gesicht und dem Haarzopf wird gerade der Prozess gemacht. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Gera soll das Urteil fällen.

Der Tatvorwurf, mit dem sich Fabian S. konfrontiert sieht, lautet sexueller Missbrauch von Kindern. Er habe im Zeitraum von Januar bis Juli 2014 den zur Tatzeit zehnjährigen Sohn seiner Nachbarin in 15 Fällen sexuell missbraucht , wie Staatsanwältin Dagmar Weber zum Prozessbeginn darlegt. Als er im Juli 2014 als vermisst galt, sei seine Wohnung durchsucht worden. Weil Ermittler dabei Kinderfotos gefunden hätten, habe der Angeklagte die Auflage erhalten, die Nachbarskinder nicht mehr zu besuchen.

Dennoch soll Fabian S. die sexuellen Handlungen fortgesetzt haben. Mehr noch: Von November 2014 bis zum 23. Januar 2016 sollen sich diese in 47 Fällen zum schweren sexuellen Missbrauch intensiviert haben. Am 23. Januar 2016 habe die Nachbarin schließlich ihren Sohn und den Angeklagten bei einer sexuellen Handlung entdeckt. Anschließend stellten Ermittler mehr als 300 kinder- und elf jugendpornografische Bilder und Filme sicher. Auch Fotos von dem geschädigten Jungen waren darunter.

All diese Vorwürfe bestätigt Fabian S., der seit Sommer 2013 in Altenburg lebt und vor seiner Inhaftierung einen eigenen Laden für elektronische Zigaretten betrieb. Was er dem Kind angetan hat, bereut er nach eigener Aussage zutiefst. Er habe seine Nachbarin selbst dazu gedrängt, gegen ihn Anzeige zu erstatten. „Ich selbst war zu feige dafür“.

In ihrem Plädoyer fordert Staatsanwältin Weber eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten. Vor allem auch wegen des erheblichen Vertrauensmissbrauchs, den der Angeklagte an dem Jungen begangen habe. Schließlich sei dieser zur Tatzeit in einer Selbstfindungsphase gewesen, habe seinen Körper zum ersten Mal entdeckt. Ohne das umfassende Geständnis von Fabian S., auf dem die gesamte Anklage basiere, hätte Weber allerdings eine zweistellige Haftstrafe beantragt, wie sie selbst einräumt.

Verteidiger Helge Klein hält sieben Jahre und sechs Monate für angemessen. Sein Mandant sei krank, leide an Pädophilie. Zudem trage er schwer an der Last, die er sich durch seine Taten aufgeladen habe. „Er weiß um seine Schuld und die Folgen seiner Taten“, hält Klein fest. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt Fabian S. „keine krankhafte seelische Störung“. Dass der gelernte Fachverkäufer für Lebensmittel zumindest psychische Probleme hat, zeigen jedoch seine mehrfachen Suizidversuche.

Das Strafmaß, das am Ende vom Vorsitzenden Richter Berndt Neidhardt verkündet wird, beläuft sich auf acht Jahre: „Die Kammer hat nach Abwägung aller Umstände die Mitte zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gewählt.“ Für den Angeklagten spreche das vollumfängliche Geständnis, das er von Anfang an und durchweg gegeben habe. „Das ist von besonderem Wert“, betont Neidhardt und fügt hinzu: „Denn damit hat er dem geschädigten Jungen eine Vernehmung vor Gericht erspart.“ So etwas führe bei Kindern häufig zu einer weiteren Traumatisierung. Straferschwerend seien die Schwere der sexuellen Handlungen sowie der lange Zeitraum gewesen, über den diese erfolgt waren, so Neidhardt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann binnen einer Woche eine begründete Revision einreichen.

Von Matthias Klöppel

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