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Nachbarschaftsstreit: Fünfköpfige Familie aus Kriebitzsch soll Wohnung räumen

Nerven liegen blank Nachbarschaftsstreit: Fünfköpfige Familie aus Kriebitzsch soll Wohnung räumen

Die Rositzer Wohnbaugesellschaft kündigt einer Familie die Wohnung. Binnen einer Woche sollen die jungen Eltern mit ihren drei Kindern raus. Grund dafür sind Beschwerden aus der Nachbarschaft. Jedoch steht Aussage gegen Aussage und jeder beschuldigt jeden. Anwältin zweifelt Rechtmäßigkeit der Kündigung und erklärt: Ihre Mandant bleiben fürs Erste.

Hinter den Mauern des Hauses Hauptstraße 13d in Kriebitzsch herrscht dicke Luft. Eine fünfköpfige Familie soll nun binnen einer Woche ausziehen.

Quelle: Mario Jahn

Kriebitzsch. Nicht endender Ärger mit den Nachbarn, das ist ein Alptraum. Diesen erleben gerade die Mieter in der Hauptstraße 13d in Kriebitzsch. Seit Monaten hängt der Haussegen schief. Vorwürfe und Drohungen bestimmen das Hausklima. Anlass des Streits ist immer wieder Lärm. Mal aus der einen, mal aus der anderen Wohnung. Der Vermieter, die Rositzer Wohnbaugesellschaft, hat nun die Notbremse gezogen und einer Familie gekündigt. Binnen einer Woche soll die fünfköpfige Familie raus.

„Ich kann nicht mehr und bin total am Ende“, wandte sich Elisa Ehemann klagend an die Osterländer Volkszeitung (OVZ). Die 25-jährige Mutter dreier kleiner Kinder und ihr Lebensgefährte Patrick Rehbogen (27) sitzen ratlos am Tisch. Am 28. Januar lag die Kündigung mit der Auszugsfrist bis 5. Februar im Briefkasten. „Wie sollen wir denn in fünf Tagen eine Wohnung finden?“, fragt die junge Frau und kämpft mit den Tränen. Außerdem stimme größtenteils nicht, was ihr, ihrem Mann und den Kinder Vorgeworfen werde, behauptet sie. Dann zeigt sie die Abmahnung vom 14. Januar, in der die Kündigung angedroht wird, sofern sich ihr Verhalten nicht ändere.

Für die Chefin der Wohnbaugesellschaft, Karin Noll, ist die Sache klar. „Ich weiß, dass es sich um eine Familie mit kleinen Kindern handelt. Aber das geht so nicht weiter.“ Denn auch nach der Abmahnung habe es weitere Beschwerden gegeben. Woraufhin nicht lange gefackelt und die außerordentliche Kündigung ausgesprochen wurde. „Die anderen Mieter wollen ausziehen, wenn es so bleibt. Aber das können wir uns bei Wohnungen, die teuer saniert wurden, nicht erlauben“, erklärt Noll. Wie die Geschäftsführerin weiter betont, seien dies auch nicht die ersten Schwierigkeiten. Kriebitzsch sei schon die dritte Wohnung der Rositzer Wohnbaugesellschaft, in der die Familie lebt. Und jedes Mal habe es Ärger gegeben.

Für Elisa Ehemanns Anwältin Karin Licht ist der Fall längst nicht so einfach. Zwar bedeute außerordentliche Kündigung fristlose Kündigung. Doch fraglich sei, ob die Gründe hinreichend sind. „Ich denke, wir haben gute Chancen, kommt es zur Räumungsklage“, sagt die Anwältin und lässt es drauf ankommen. Ihre Klienten zögen am Freitag nicht aus, erklärt sie. Weder die Form der Abmahnung noch die der Kündigung hält sie für korrekt. Außerdem wundert sie sich, wieso in den angefertigten Protokollen nicht nur Türschmeißen, sehr laute Diskussionen im Haus und Drohungen ihrer Mandanten beklagt werden, sondern auch laute Musik von anderen Nachbarn.

Beide Mietparteien würden gewissermaßen unter einer Decke stecken, erläutert einer der Mieter – seinen Namen möchte er nicht nennen –, der sich gestört fühlt. Seit drei Jahren gehe das nun so, und es sei wirklich nicht mehr auszuhalten. „Für mich ist klar, wenn sich nichts ändert, ziehe ich aus.“ Durchaus glaubhaft berichtet er, dass gerade der 27-jährige Rehbogen ein aufbrausender Typ sei. Beinahe mit jedem im Haus hätte er sich schon angelegt. Erst vor wenigen Tagen riefen die Mieter wegen des Mannes die Polizei. Wie OVZ-Recherchen ergaben, stellten die Beamten aber vor Ort fest, das Rehbogen der Geschädigte sei.

Sein Schwiegersohn sei sicher ein schwieriger Typ, sagt Elisa Ehemanns Stiefvater Carsten Böhme. Doch seine Impulsivität lasse er behandeln, und er sei auch nicht immer an allem Schuld. „Wie mit der Familie meiner Tochter umgegangen wird, ist einfach nicht korrekt“, findet Böhme. „Und meine Enkel haben inzwischen beim kleinsten Geräusch, das sie machen, Angst.

Von Jörg Reuter

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