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?Nachlässig und unsensibel?

?Nachlässig und unsensibel?

Im Stadtrat zeichnet sich ein Umdenken ab: Anlass ist der Abriss einer der letzten Hasag-Baracken auf dem Gewerbegebiet Poststraße, wo in der Nazi-Zeit Häftlinge in der Munitionsherstellung geschunden wurden.

Altenburg.

Abgeordnete fordern nun einen anderen Umgang mit diesem Abschnitt Altenburger Geschichte, wie eine OVZ-Umfrage unter den Vorsitzenden der vier Fraktionen ergab.

 

 

 

"In hohem Maße nachlässig" nennt Birgit Klaubert (58, Linke) das bisherige Agieren von Stadtverwaltung und Stadtrat in dieser Sache. "Wir wissen alle viel zu wenig darüber, was dort passiert ist." Es gebe keinerlei Konzept. "Bisher ist nichts herausgekommen, da hilft kein Herumeiern." Es sei deshalb höchste Zeit, entsprechende Forschungen in Gang zu setzen. "Es ist ganz wichtig, so viel wie möglich zu dokumentieren, auch wenn nun vieles unwiederbringlich verloren ist", meint sie mit Blick auf die Abrissarbeiten zur Erschließung des Gewerbegebietes. Bei der Aufarbeitung der Funde könnten die jungen Abgeordneten des Kommunalpolitischen Rings einbezogen werden, die schon das Projekt Stolpersteine erfolgreich umsetzten, schlägt Klaubert vor.

 

"Wir hätten alle sensibler handeln müssen", sagt Peter Müller (61, Pro Altenburg). "Jetzt ist ein Imageschaden für Altenburg eingetreten." Es sei schade, dass die Fraktionen in die Problematik des Hasag-Erbes durch die Verwaltung nie eingebunden worden seien. "Es ist schlimm, dass die Stadt an dieser Stelle gar kein Konzept hat", kritisiert er ausdrücklich. Zugleich signalisiert er die Bereitschaft, ein solches Projekt zu unterstützen: "Unsere Fraktion ist die letzte, die das nicht unterschreiben würde."

 

Vorsichtiger formuliert es Nikolaus Dorsch (54, SPD). Es sei wichtig, die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis wachzuhalten und auch die Stätten der Diktatur zu benennen. Allerdings dürfe der Aufwand nicht unverhältnismäßig werden, verteidigt er den Abriss der alten Baracken. Doch er räumt ein: "Es war relativ unsensibel, wie das gelaufen ist." Auch Dorsch hält es für möglich und nötig, an die Hasag-Opfer beispielsweise in einem Gedenkraum zu erinnern und schlägt wie seine Linken-Kollegin vor, für ein solches Projekt das Engagement und die Erfahrungen der jungen Leute des Kommunalpolitischen Rings oder des Altenburger Geschichtsvereins zu nutzen. "Wir sind nicht Buchenwald und wir können nicht alles erhalten. Aber ich bin dabei, wenn sich eine vernünftige Lösung findet und werde jede Initiative dazu unterstützen."

 

Keine Kritik am Vorgehen des Rathauses kommt hingegen von der CDU. Altenburg habe eine Vielzahl historischer Gebäude, deren Unterhaltung die Leistungsfähigkeit der Stadt weit überschreite. Auch in der DDR seien keinerlei Versuche unternommen worden, die frühere Hasag-Anlage als Denkmal einzuordnen und zu erhalten. "Die Baracken sind als Denkmal von ideellem Wert, aber aus Kostengründen derzeit kaum zu reparieren und oder gar dauerhaft zu erhalten", so André Neumann (35) in einer schriftlichen Stellungnahme. Die CDU unterstütze die Errichtung eines Denkmals für die Zwangsarbeiter.

 

Altenburg verfolge mit vielen Konzepten einen würdigen Umgang mit seiner Geschichte und verfüge über eine ausgeprägte Gedenkkultur. "Ein weiteres Konzept erübrigt sich." Die Mittel seien knapp, deshalb werde es auch in Zukunft unerfüllbare Wünsche geben.

Günter Neumann

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