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Altenburg Naturschutzbehörde mit Bauchschmerzen bei Wohnpark Lindenau in Altenburg
Region Altenburg Naturschutzbehörde mit Bauchschmerzen bei Wohnpark Lindenau in Altenburg
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00:17 18.02.2017
Auf der umrandeten Fläche hinter Kaufland in Altenburg-Südost wird die SWG ihren Wohnpark Lindenau errichten. Die hier noch zu sehenden Bäume und Sträucher sind zum Leidwesen der Naturschutzbehörde inzwischen verschwunden.   Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

 Die Naturschutzbehörde hätte den von der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG) geplanten Wohnpark Lindenau in Altenburg offenbar verhindert, wenn sie gekonnt hätte. „Damit geht eine wertvolle Rückzugsfläche für urbane Arten wie Amsel, Drossel, Fink und Star verloren“, sagt die Fachdienstleiterin Natur- und Umweltschutz im Landratsamt, Birgit Seiler. „Wir sind nicht stolz auf unser Mittun an diesem Projekt und ich kann jeden Altenburger verstehen, der enttäuscht ist.“

Die Kritik am Vorhaben, bei dem bis 2019 auf 1,6 Hektar nun gerodeter Grünfläche in Altenburg-Südost 90 Wohnungen in zehn Häusern entstehen sollen, speist sich aus vielen Quellen. „Die Größe ist bedenklich“, erklärt Seiler. Zudem sei das Grundstück im Flächennutzungsplan der Stadt als Grünfläche ausgewiesen. „Im Außenbereich hätten wir das nie zugelassen.“ Weil es im Altenburger Land so viele Äcker und deswegen ohnehin relativ wenig Wald gebe, seien innerstädtische Flächen wie diese so wertvoll. „Wir haben einen Ausgleich herausgeholt – mehr ging nicht.“

Laut Naturschutzbehörde muss die SWG für die Rodung in Südost rund einen Hektar an der Ecke Liebermann-/Elie-Wiesel-Straße in Nord stellen, wo Plattenbauten abgerissen wurden. „Die Bepflanzung erfolgt so, wie sie in der Natur auch sein könnte“, erklärt der zuständige Mitarbeiter Jens Lindner. „Mit Sträuchern und artenreichem Feldgehölz.“ Bergahorn, Hasel, Hainbuche, Feld-Ulme und Hartriegel gehören unter anderem dazu. Eingezäunt und für einige Jahre gepflegt werden muss die Fläche auch.

Zudem müssen in Nord Vogelnistkästen und an den neuen Häusern in Südost künstliche Fledermausquartiere angebracht werden. Fertig sein muss das Ganze bis Anfang 2018. Die Fledermausquartiere gehen auf das Ergebnis einer Potenzialanalyse zurück. Normalerweise sieht das Prozedere eine Erfassung des tatsächlichen Bestandes an Vögeln und anderen Tieren vor. Da die SWG aber keinen kompletten Brutzyklus abwarten wollte, wurden die in solch einer Fläche möglichen Arten zugrunde gelegt.

„Bei einer Potenzialanalyse bleiben üblicherweise mehr beeinträchtigte Arten stehen als bei einer tatsächlichen Erhebung“, so Lindner. Deswegen sei sie für Bauherren nachteilig und mit höheren Auflagen verbunden. So listet das 60-seitige Gutachten allein mögliche Konflikte mit 17 Fledermausarten auf. Darunter auch die Kleine und Große Hufeisennase, die laut Roter Liste vom Aussterben bedroht sind. „Ich hoffe, dass die angrenzende Gartenanlage als Ersatz da ist und einiges auffängt“, sagt Seiler.

Daher wundert es, dass das von der SWG in Auftrag gegebene Gutachten mit drei Seiten wesentlich kürzer ist und zu dem Schluss kommt, dass die Rodung der rund 25 Jahre alten Grünfläche keine nennenswerte Auswirkungen hat und es deshalb keines Ausgleichs bedarf.

„Das war nur ein artenschutzrechtliches Gutachten, bei dem es darum ging herauszufinden, ob sich nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten – wie Uhus oder Fledermäuse – dort befinden“, erklärt Verfasser Mike Jessat die Unterschiede. „Das Grünflächengutachten war separat.“ Hinweise auf tatsächlich brütende Fledermäuse oder bedrohte Vögel hat der Chef des Naturkundemuseums Mauritianum und des Naturschutzbundes Thüringen im Juni/Juli 2016 aber nicht gefunden. Nur in Bezug auf deren Lebensraum habe er keine Auswirkungen gesehen und bei Vögeln „Allerweltsarten“ festgestellt.

Von Thomas Haegeler

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