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Neue Altarfenster für eine 150-Jährige

Neue Altarfenster für eine 150-Jährige

Großröda. Uwe Riedel und Frank Gentsch sind mächtig stolz. "Das war die größte Feier, die es in unserer Kirchgemeinde je gegeben hat", meinen die beiden Gemeinde-Kirchenvorstände unisono.

Die Kirche von Großröda wurde zwar erst am 31. Oktober 1864 geweiht, doch das Fest zu ihrem 150-Jährigen fand schon jetzt im Sommer statt. Insgesamt 500 Leute hätten vier Tage lang in und an der Kirche gefeiert.

 

Dabei sind 150 Jahre für eine Kirche hierzulande nun wirklich kein besonderes Alter. "Aber unser Ort ist einer der ältesten. Mindestens 1000 Jahre, im Rahmen der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Altenburg wird auch Großröda mit genannt", entgegnet Uwe Riedel schmunzelnd. Und selbstverständlich habe es im Dorf auch in den Jahrhunderten davor eine Kirche gegeben. Oft brannten diese ab und wurde dann wieder aufgebaut. So auch das 1632 errichtete Gotteshaus, das der Vorgänger der heutigen Kirche war.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war es aber kein Feuer, das einen Neubau erforderlich machte. "Die alte Kirche war schlicht und einfach zu klein geworden. Im Zuge der Industrialisierung und des Kohlebergbaus stieg die Einwohnerzahl von Großröda in jenen Jahren stark an", so Riedel. Zu Spitzenzeiten hätten rund 900 Menschen im Ort gelebt. Eine Kirche mit 600 Sitzplätzen schien da genau richtig. "Die Legende erzählt, die neue Kirche wurde außen um die alte herumgebaut, die erst im Laufe der Bauarbeiten Stück für Stück abgerissen wurde", berichtet Frank Gentsch. Wie sich in Großröda erzählt wird, habe in der alten Kirche der Gottesdienst zur Grundsteinlegung der neuen stattgefunden.

 

Die ungewöhnlichen Dimensionen veranlassten aber bereits einen Bischoff 1958, von einem Dorfdom zu sprechen. Die Folge dieser kleinen Anekdote war die Gründung der Kirchgemeinde Großröda. Denn trotz des mächtigen Kirchengebäudes standen die Christen des Dorfes bis dahin unter Verwaltung der Kirchgemeinde Monstab.

 

Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört die Kirchgemeinde Großröda zum Kirchspiel Dobitschen. Was deswegen nicht unproblematisch ist, weil der Ort seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr hat. "Und das Kirchenleben steht und fällt mit dem Pfarrer", findet Frank Gentsch. Seit dem Weggang von Pfarrer Christoph Herbst (OVZ berichtete) ist die Situation noch prekärer. Denn die Stelle, die momentan Pfarrerin Ulrike Reichardt inne hat, ist eine Springerstelle. Das heißt, bis auf Weiteres sind die Pfarrer nur übergangsweise für das Kirchspiel zuständig, beklagen die Kirchenvorstände. Es sei bedeutend schwieriger, Leute zum Gang in die Kirche zu bewegen, wenn der Gottesdienst nicht vom Pfarrer gehalten wird. "Aber wir möchten den Platz auch nicht missen, selbst wenn der Erhalt teilweise eine Bürde ist", betont Riedel. Zusammen mit der Kreutzbach-Orgel ist das große Gotteshaus nämlich besonders gut für Konzerte geeignet. "Wir versuchen deshalb, viermal im Jahr eine Veranstaltung zu organisieren", so Frank Gentsch.

 

Die Einnahmen, auch wenn diese in aller Regel nicht besonders groß sind, werden für die weitere Sanierung der Kirche genutzt. Denn trotz ihrer "Jugend" gibt es an der Kirche inzwischen einiges, was zu reparieren ist. "Manches ist aber auch schon geschafft", kann Riedel berichten. So wurde der Turm bereits saniert, und bis auf die Altarfenster sind alles Fenster erneuert worden. "Erneuern müssen wir noch den Putz am Kirchenschiff und die Elektrik. Außerdem wollen wir die alten Seiteneingänge wieder öffnen. Für dieses Jahr hoffen wir aber, dass die Altarfenster durch neue ersetzt werden können."

 

In den nächsten Tagen soll dafür der Fördermittelantrag gestellt werden, denn ohne finanzielle Hilfe von außen geht es nicht. Es sei schon schwierig genug für die Kirchgemeinde, den Eigenanteil aufzubringen. Da sind die Großrödaer Christen auf Spenden angewiesen. "Das klappt auch ganz gut", meint Riedel, nennt aber sicherheitshalber gleich noch das Spendenkonto. Und auch das Fest zum 150. der Kirche hat beim weiteren Sammeln von Spenden geholfen. Denn mit schlechter Laune sei niemand heimgegangen, ganz im Gegenteil. "Was uns besonders gefreut hat war, dass auch jüngere Leute da waren", sagt Frank Gentsch. Schließlich sei es ein wichtiges Anliegen des Festes gewesen, Leute aus dem Dorf mit ihrer Kirche vertraut zu machen, auch wenn sie nicht zur Kirchgemeinde gehören.

 

"Es ging uns darum, uns zu öffnen und etwas gemeinsam zu machen", erläutert Riedel. Und das habe funktioniert. Bei den Auftritten des Kinderchors der Grundschule und der Funkengarde der 1. Faschingsgesellschaft Starkenberg sowie zum Kaffee und zum Gottesdiensten sei fast das gesamte Dorf gekommen. So jedenfalls das Gefühl der beiden Männer. "Naja, und unser Pfarrhaus, das auch die erste Schule in der Gegend war, ist 1815 errichtet worden", sagt Riedel, damit wäre im kommenden Jahr wenigstens theoretisch wieder Anlass für ein großes Fest.

 

Spendenkonto: VR-Bank Altenburger Land, IBAN: DE 13830654080000701122.

Reuter, Jörg

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