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Altenburg Neue Grotte-Brücke soll bei Hochwasser planmäßig überflutet werden
Region Altenburg Neue Grotte-Brücke soll bei Hochwasser planmäßig überflutet werden
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04:10 08.06.2018
Die neue Grotte-Brücke am Rand des Seckendorff-Parks wurde mit einem geringen Hochwassersschutz gebaut und wird im Notfall überflutet. Quelle: Jens Rosenkranz
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Meuselwitz

Wo Meuselwitz am schönsten ist, im Seckendorff-Park, an dessen Rand sich die Schnauder schlängelt und eine Grotte von glanzvollen Zeiten kündet – genau an dieser Stelle gibt es nun auch wieder eine schöne neue Brücke. Sie quert das Flüsschen, das bei Starkregen tückisch wird. Zuletzt war dies 2013, als der reißende Strom den Vorgänger des Bauwerks aus den Angeln hob und beschädigte.

Brücke kann jederzeit überflutet werden

In diesem Jahr fängt Meuselwitz nun an, die Schnauder zu zähmen. In Zipsendorf, wo 2013 die Regelschule „Geschwister Scholl“ überschwemmt wurde, sollen Gewässer, Flussbett und Brücke so sicher werden, um ein Hochwasser aufzunehmen, das nur alle 100 Jahre auftritt. Fachleute sagen dazu HQ 100. Ein solcher HQ 100 soll später auch im Bereich der Tankstelle und dem Automatenhersteller Juba an der B 180 entstehen. Und genau dazwischen befindet sich die schöne neue Brücke an der Grotte. Als sie im Dezember 2017 endlich fertig war, bekam sie aber keinen HQ 100, sondern nur einen HQ 2. Das bedeutet, dass sie jederzeit überspült werden kann, wozu es also keines Jahrhundert-Hochwassers braucht, was der Region mittlerweile ohnehin alle paar Jahre droht.

Stadtrat kritisiert Ausgaben

Was also sollen teure HQ-100-Schutz-Bauwerke in der Stadt, wenn sich mittendrin eine HQ-2-Brücke befindet, die dann als Pfropfen die Schnauder anstaut? Das fragten sich kürzlich Mitglieder des Stadtrat und auf dessen Sitzung auch ein besorgter Bürger. Ein durchgängiger HQ-100-Schutz sei immer zugesichert worden. Tausende Euro für eine zu kleine Brücke auszugeben, sei demnach herausgeschmissenes Geld, hieß es.

Landratsamt weist auf niedrigen Hochwasserschutz hin

Auf den merkwürdigen Neubau im schönen Park wies ebenso das Landratsamt bei seiner Baugenehmigung am 9. Dezember 2016 hin. Durch den nur minimal vergrößerten Durchfluss-Querschnitt bleibe die Abfluss-Situation im Hochwasserfall unverändert. Die Brücke sei bereits bei einem HQ 2 „voll eingestaut und werde bei einem HQ 5 überströmt“, warnte die Kreisbehörde. Eine Genehmigung wurde dennoch erteilt, weil sich die Durchflussmenge nicht verringert.

Landesamt finanziert Bauwerk

Finanziert wurde die Brücke vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, das den Ersatzneubau an der Grotte im Rahmen der Hochwasserschadensbeseitigung mit 134 167,10 Euro vollständig bezahlte. Der Großteil des Geldes ist abgeflossen. Ein Rest von 854,33 Euro steht noch zur Verfügung.

Die Schmöllner Firma, die die Brücke baute, hielt sich an die genehmigten Planungen eines Altenburger Ingenieurbüros. Den Bauantrag im Landratsamt stellte die Stadtverwaltung Meuselwitz im Jahr 2015, entweder noch unter Regie von Bürgermeisterin Barbara Golder (CDU) oder nach ihrem Rücktritt Anfang November 2015 von ihrem Stellvertreter und jetzigem Bürgermeister Udo Pick (BfM). Die Planung des Altenburger Büros fußt wiederum auf dem Hochwasserschutzkonzept, das 2012 von einer Berliner Spezialfirma erstellt wurde. Alle drei beteiligten Betriebe sind der OVZ namentlich bekannt.

Höhere Durchflussmenge war nicht geplant

In Gesprächen mit diesen und mit dem Landratsamt stellte sich heraus, dass die neue Brücke laut Hochwasserschutz-Konzept von Anfang an nur einen HQ 2 bekommen sollte. Um eine höhere Durchflussmenge zu erzielen, hätte das Bauwerk höher angelegt und dazu zwei Rampen bekommen müssen, erfuhr die OVZ. Diese hätten sich bei einem Hochwasser als zusätzliches Hindernis erwiesen.

Wasser soll in Richtung Wiesenweg fluten

Laut Konzept wird hingenommen, dass die Brücke im Notfall überschwemmt wird. Dass sie durch angespültes Holz die Schnauder zusätzlich anstaut, erwarten die Experten nicht, da die Geländer bei Gefahr abgebaut werden sollen. Das Wasser soll in Fließrichtung links auf die Wiese in Richtung Wiesenstraße und Schnaudertalhalle strömen. Rechts soll der Schlosspark durch mobile Wände und einen höheren Damm geschützt werden.

Von Jens Rosenkranz

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