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Neue Millionen-Belastung für Kreishaushalt

Neue Millionen-Belastung für Kreishaushalt

Außer ein paar Fachleuten hat noch niemand die Kostenlawine im Blick, die in den nächsten fünf Jahren in Form wachsender Erziehungs- und Eingliederungshilfen für Kinder und Jugendliche auf den Landkreis zurollt.

Auf acht bis zehn Millionen Euro mehr im Vergleich zu 2013 schätzt Dirk Nowosatko die zusätzliche Belastung für die ohnehin praktisch leere Kreiskasse. Der Mann muss es wissen: Er ist Fachbereichsleiter und Jugendamtsleiter im Landratsamt, und er stützt sich bei seiner Prognose auf das neueste Zahlenmaterial.

 

Erfasst sind darin die voraussichtliche Entwicklung bei den stationären und teilstationären Hilfen zur Erziehung, den ambulanten Erziehungshilfen und den ambulanten Eingliederungshilfen. Hinter diesen Kategorien stecken diverse Maßnahmen, um benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Die Spanne reicht von Beratungsangeboten für Eltern und Kinder bis zur Nachmittagsbetreuung in speziellen Gruppen oder Vollzeitpflege in Pflegefamilien oder Heimen.

 

Die Zahlen in den Tabellen und die Kurven in den Grafiken, die Nowosatko zusammen mit Fachdienstleiterin Katja Riedel jetzt auf einer Pressekonferenz im Landratsamt vorstellte, haben alle eines gemeinsam: Sie gehen nach oben. So wird beispielsweise bei den Kosten für die stationären und teilstationären Erziehungshilfen bis 2019 mit einem Plus zwischen 23 und 32 Prozent gerechnet - je nach dem, welcher Einwohnerschwund zugrunde gelegt wird.

 

Bei den ambulanten Hilfen dürfte der Zuwachs zwischen 17 und 29 Prozent liegen, bei den Eingliederungshilfen wahrscheinlich sogar bei fast 100 Prozent. Selbst wenn die absoluten Fallzahlen manchmal relativ klein sind, stehen am Ende dahinter Millionensummen. Übrigens handelt es sich in keinem Bereich um einen neuen Trend - mehr oder weniger nahtlos setzt sich überall eine Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Die Fallzahlen stiegen beispielsweise zwischen 2005 und 2013 in den einzelnen Bereichen zwischen 58,3 und 71,8 Prozent.

 

Alarmierend ist zudem ein Vergleich der Osterländer Daten mit denen Thüringens: Egal, ob man die Kosten der Hilfen zur Erziehung auf die Fallzahl pro 1000 Kinder und Jugendliche rechnet oder auf den Zuschussbedarf pro Einwohner unter 18 oder aber den Zuschussbedarf der Eingliederungshilfen betrachtet - überall ist der Kreis meilenweit von den Bestwerten entfernt und liegt darum jeweils deutlich über dem Landesdurchschnitt.

 

Regelrecht schockierend sind aber die Erklärungen der Fachleute für die Zahlen, Tendenzen und Vergleiche: "Wir leben im Landkreis mit den schwierigsten sozialen Belastungen", verweist der Fachbereichsleiter auf den Thüringer Sozialstruktur-Atlas. Das Altenburger Land ist überdurchschnittlich alt, hat die wenigsten Haushalte mit Kindern, die drittniedrigste Kaufkraft und markiert auch bei Verbraucherinsolvenzen und Kriminalitätsrate traurige Spitzenwerte. "Es gibt einen Zusammenhang zwischen Armut und Hilfen", so Katja Riedel.

 

Nowosatko macht zudem allen, die diese Summen bezahlen müssen, wenig Hoffnung. Von wenigen Fördermitteln, Zuschüssen und Gebühren abgesehen, handelt es sich um "originäre Aufgaben der Landkreise". Und es gebe keine Anzeichen, dass sich die Lage der Betroffenen so verändern werde, dass mit einem Bedarfsrückgang zu rechnen wäre. Im Gegenteil. © Kommentar

Günter Neumann

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