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Neue Nutzung für alte Häuser

Neue Nutzung für alte Häuser

Das Konzept ist aufgegangen: Zwei historisch wertvolle, aber heruntergekommene Gebäude in Altenburg sind durch das sogenannte Zwischenerwerber-Modell vor dem Verfall gerettet und für eine weitere Vermarktung vorbereitet worden.

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Weißes Ross in alter Pracht: Demnächst neues Domizil für Büroräume und vielleicht eine gastronomische Einrichtung. Fotos: Mario Jahn

Quelle: Mario Jahn

Jetzt haben die Häuser neue Besitzer und wieder eine Zukunft.

 

 

 

Ihr Anblick hat vielen in der Seele wehgetan. Denn mit der Johannisstraße 5/6 und der Teichvorstadt 1, besser bekannt als Schwarzer Bär und Weißes Ross, verbinden Generationen von Altenburgern Geschichte und Geschichten. Vor allem durch ihre jahrelange Nutzung als beliebte Gaststätten wird so manche Erinnerung mit ihnen verbunden. Doch nach der Wende begann der schleichende Verfall, jahrelang blieben beide Häuser ungenutzt.

 

So hat sich die Stadtverwaltung zu ihrer Rettung zu einem ungewöhnlichen Schritt, dem sogenannten Zwischenerwerber-Modell, entschieden. 2008 kaufte sie beide Gebäude, ließ seit 2011 die Hülle - das heißt Dach und Fassade - mit städtischen Mitteln, vor allem aber mit Fördergeldern sanieren. So wurden beim Schwarzen Bären beispielsweise der Anbau auf der Hofseite abgerissen, Dach, Decken und tragende Konstruktionen auf Vordermann gebracht. Die Fassade des um 1548 erbauten Gebäudes erhielt durch einen neuen Außenputz, die Modernisierung der Hauseingänge und den Einbau neuer Fenster ein schöneres Antlitz. Kosten: rund 471 000 Euro.

 

Ähnliche Maßnahmen lassen auch das Weiße Ross in neuem Glanz erstrahlen. Dach und Außenwände sind instandgesetzt, wertvolle Einbauten wie der legendäre Kachelofen und das Wandgemälde gesichert. Hier belaufen sich die Baukosten auf rund 584 000 Euro. Mit dieser statisch-konstruktiven Instandsetzung des vermutlich um 1671 erbauten Kulturdenkmals hat die Stadt die Voraussetzungen für eine neue Nutzung geschaffen.

 

Und die ist nun in Sicht. Trotz zahlreicher Unkenrufe im Vorfeld haben sich tatsächlich private Investoren gefunden, noch dazu einheimische. Beide Gebäude sind seit Kurzem verkauft und werden für den Innenausbau und die spätere Nutzung vorbereitet. So soll in der Johannisstraße 5/6 das neue Radiologische Zentrum von Dr. Matthias Noori entstehen, der die Immobilie gemeinsam mit seiner Frau erworben hat. "Wir hoffen, in etwa einem Jahr hier die ersten Patienten begrüßen zu können", sagt Marion Noori, die für die Organisation der umfangreichen Bauarbeiten, die ausschließlich von einheimischen Firmen bewerkstelligt werden, den Hut aufhat. Der bekannte Mediziner hatte bereits seit geraumer Zeit nach einem neuen zentral gelegenen Objekt gesucht, da sich das Verhältnis zum Vermieter des Altenburger City Centers (ACC) - dort befindet sich derzeit die Praxis - zunehmend als schwierig gestaltet. "Da geht es uns wie allen anderen Mietern", sagt Marion Noori.

 

Genau aus diesem Grund haben sich auch die neuen Besitzer der Teichvorstadt 1 zum Kauf entschlossen. Denn die Büroräume der Firmen von Kathrin Meier und Jörg Matzke befinden sich ebenfalls im ACC. Nun sollen sie ins Weiße Ross verlegt werden. Mehr als Büros waren anfangs nicht vorgesehen, aber inzwischen liebäugeln die beiden gestandenen Unternehmer und Gastronomen auch mit der Wiedereröffnung der Gaststätte. "Wir sind mit unserem Architekten gerade am Rechnen, ob es sich finanziell umsetzen lässt. Reizen würde es uns schon", so Jörg Matzke. Entschieden jedoch sei noch nichts. Zumindest zur Kneiptour am 20. April erwacht die ehemalige Gaststätte im noch unfertigen Zustand für eine Nacht wieder zum Leben.

 

Selbstverständlich sind die Sanierungskosten für beide Häuser nur zu einem gewissen Teil in den Kaufpreis eingeflossen. Die Johannisstraße 5/6 wurde für 31 000 Euro, die Teichvorstadt 1 für 128 000 Euro veräußert. Das war aber von Anfang an so geplant. "Sonst hätten wir nie einen Investor gefunden", so Oberbürgermeister Michael Wolf. Die Stadt komme bei beiden Objekten trotzdem mit einer schwarzen Null heraus, da das Gros des Geldes aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz stammt, so der SPD-Politiker, der auf dieses Investitionsprogramm große Stücke hält. Was ihm aber noch wichtiger ist: "Auf diese Weise ist Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung in einem praktiziert worden."

 

Nun hofft der OB auf einen ähnlichen Erfolg bei der Vermarktung der Pauritzer Straße 1 und des Theaterplatzes 6 sowie des Ernestinums, mit dessen Sanierung gerade begonnen wurde.

 

© Kommentar

Ellen Paul

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