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Neue Spielkarten-Ausstellung im Altenburger Schloss

Neue Spielkarten-Ausstellung im Altenburger Schloss

Spielkarten sind Abbilder ihrer Zeit, und nicht selten spiegeln sie das politische Geschehen wider. Einen lebendigen Eindruck davon erhalten die Besucher der Ausstellung "Ein Spiel mit vielen Unbekannten" im Altenburger Schloss- und Spielkartenmuseum, die Spielkarten mit politischem Gehalt aus den vergangenen Jahrhunderten bis zur Gegenwart zeigt.

Altenburg.

 

Bei einem Gang durch die neue Ausstellung wird rasch klar, dass Spielkarten sowohl zur Verherrlichung als auch zur Kritik der Mächtigen genutzt wurden und das von Anfang an. So zeigt die neue Schau einen Nachdruck des wohl ältesten sozialkritischen Kartenspiels "Karnöffel". Es wurde Ende des 15. Jahrhunderts gespielt. Das damals Ungeheuerliche: Die Soldaten stechen den König. Die Bedeutung, die das Militär in der Vergangenheit genoss, kommt in der Ausstellung zum Tragen. Auf zahlreichen Karten werden Soldaten und Offiziere gezeigt, bei der Darstellung der uniformierten Respektspersonen musste jedes Detail stimmen.

Ausgestellt ist überdies ein "Festungsbau-Lehrspiel", das nicht der Unterhaltung, sondern der Wissensvermittlung diente. Da verwundert es nicht zu erfahren, dass Napoleon, der 1813 im Altenburger Schloss Friedensverhandlungen führte, Kartenspiele liebte und sich Überlieferungen zufolge vor jeder Schlacht die Karten legte.

Nachdenklich stimmen die Exponate aus der Zeit der beiden Weltkriege. Die Karten zeigen die herrschenden Eliten, die Deutschland in den Abgrund steuerten, in heroischen Posen. Für Soldaten, die an die Front geschickt wurden, gab es Kartenspiele im Kleinformat, die gut in die Hosentaschen passten. In der Ausstellung wird auch daran erinnert, dass die Nazis Spielkarten für ihre Propaganda missbrauchten.

Die neue Ausstellung wartet zudem mit so mancher Überraschung auf. So ist ein Kartenspiel aus dem Jahr 2009 zu sehen, mit dem Altenburger FDP-Politiker im Kommunalwahlkampf auftrumpfen wollten. Eine Kuriosität ist sicherlich auch ein "Anti-Atom-Skatspiel" aus den 70er-Jahren, dessen Slogan "Gorleben soll leben" auch heutzutage noch gelegentlich zu hören ist.

 

Die Ausstellung ist noch bis Februar 2012 im Schloss- und Spielkartenmuseum zu sehen. Führungen können unter % 03447 512712 vereinbart werden.

Renate Reinhold

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