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Altenburg Neue uralte Steine fürs Altenburger Mauritianum
Region Altenburg Neue uralte Steine fürs Altenburger Mauritianum
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18:00 05.02.2018
Mike Jessat zeigt ein Stück der Nattheimer Korallen. Nach dem Freiätzen mit Salzsäure sind die Strukturen der urzeitlichen Riffbewohner gut zu erkennen. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Einige Tausend Fossilien erwarb kürzlich das Altenburger Naturkundemuseum Mauritianum. Wie Direktor Mike Jessat mitteilt, gehören dazu Bernstein mit Inklusen (Einschlüssen), Karbon-Fossilien, verkieselte Korallen und versteinerte Schnecken. Ab jetzt ist eine Auswahl im Museum ausgestellt. Gefunden hat die Stücke der Sammler Walter Ludwig, der bereits im vergangenen Jahr der Einrichtung eine große Bernsteinsammlung verkauft hatte (die OVZ berichtete). Finanziert wurden die jüngsten Ankäufe wieder mit Landesmitteln, aufgestockt mit einem Eigenanteil, der von einer Spende der Sparkassenstiftung stammt.

Kurz vor Jahresende bekam die Naturforschende Gesellschaft von der Landesregierung grünes Licht, die Millionen Jahre alten Zeugnisse der Erdgeschichte zu erwerben. „Das war Zufall, aber wir haben das Angebot gern angenommen“, sagt Jessat. Rund 50 000 Euro standen zur Verfügung, um die 800 Stücke umfassende Sammlung besonderen Bernsteins zu erwerben. Dazu schenkte der über 80-jährige Walter Ludwig dem Museum drei weitere seiner Fossiliensammlungen.

Im Sommer hatte der Rentner dem Mauritianum 7000 Bernsteine mit Inklusen aus dem Bitterfelder Braunkohle- revier verkauft. „Zusätzlich konnten wir jetzt die Superstücke-Sammlung erwerben“, sagt Jessat. Die Exemplare hatte Ludwig im Laufe der Jahre beiseite gelegt, weil sie entweder besonders seltene Tiereinschlüsse aufweisen oder, was gerade für Wissenschaftler noch spektakulärer ist, weil im versteinerten Harzbrocken mehrere Insekten eingeschlossen sind. „So kann nachgewiesen werden, welche Tierarten zeitgleich gelebt haben“, erläutert Jessat. Denn zwar werde das Alter des Bernstein auf 20 Millionen Jahre datiert. Jedoch umfasst der Entstehungszeitraum immer noch einige Hunderttausend Jahre.

Deutlich älter als der Bernstein sind die Nattheimer Korallen. Vor rund 120 Millionen Jahren bildeten sie ein Riff. Dass es davon überhaupt Fossilien gibt, sei sehr selten, hebt Jessat hervor. Weil Korallenskelette aus Kalk bestehen, lösten sich die Überreste im Laufe der Zeit im Wasser auf. Nur ganz selten, wie bei den Fossilien der Schwäbischen Alb, verkieselten die Rückstände der Riffs. Das passiert, wenn in Gesteinshohlräumen – zum Beispiel entstanden durch den ausgewaschenen Korallenkalk – Siliziumdioxid ausfällt. Zu sehen seien die Korallenstrukturen aber nur, weil sie mit Salzsäure präpariert wurden, erklärt Jessat.

Das war bei den Karbon-Fossilien nicht nötig. Geologen bezeichnen die Zeit vor 240 Millionen Jahren als Karbon. Es ist die Epoche der Steinkohlewälder. In einem Steinkohleschacht mit mehr als 1000 Metern Tiefe fand Ludwig vor Jahrzehnten jene Pflanzenfossilien – Abdrücke von Schachtelhalmen, Farnen und so weiter – aus dem Karbon, die er jetzt ebenfalls dem Mauritianum vermachte. „Die Sammlung umfasst eine Reihe handgroßer Stücke und Tausende kleiner und kleinster Objekte“, zählt Jessat auf.

Die Braunkohlewälder gediehen im Erdzeitalter des Tertiär vor 2 bis 63 Millionen Jahren. „Das ist wegen der hiesigen Vorkommen seit jeher die Spezialisierung des Mauritianums“, so Jessat. Umso mehr freut er sich über die fossilen Süßwasserschnecken aus dieser Epoche. Die urzeitliche Weichtierpopulationen entwickelten sich Millionen Jahre lang übrigens in einem See, der sich in einem Meteoritenkrater gebildet hatte. Der Himmelskörper schlug vor 140 Millionen Jahren in der nähe der Eifel ein.

Von Jörg Reuter

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