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Neuer Blick von außen: Julia Nauhaus wird Direktorin des Lindenau-Museums

Neuer Blick von außen: Julia Nauhaus wird Direktorin des Lindenau-Museums

Die promovierte Kunsthistorikerin Julia Nauhaus wird neue Direktorin des Lindenau-Museums. Derzeit als Kustodin für Gemäldegrafik und Skulptur am Städtischen Museum in Braunschweig tätig, wird die gebürtige Zwickauerin am 1. Juli Jutta Penndorf ablösen, die das Museum seit über 30 Jahren leitet.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Ellen Paul

Es bleibt wohl das Geheimnis attraktiver junger Frauen, warum auch sie sich schon um ihr Alter herumzumogeln versuchen. Das könne man ja googeln, bescheidet Julia Nauhaus gestern freundlich lächelnd der Presse auf eine entsprechende Nachfrage. Dabei ist gerade das Alter offensichtlich ein nicht unwesentliches Kriterium gewesen, als es darum ging, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für die Mitte des Jahres in den Ruhestand gehende langjährige Amtsinhaberin zu finden. Das bestätigen sowohl Landrat Sieghardt Rydzewski (siehe nebenstehendes Interview) als auch Jutta Penndorf selbst, die der Auswahlkommission angehörte.

"Wir wollen einen Generationswechsel, wollen jemanden, der jünger ist als die Mehrzahl meiner Kollegen", so die scheidende Direktorin. Und es sollte jemand von außerhalb sein, der einen neuen Blick auf das Haus entwickelt. "Der genau hinguckt, der Vorhandenes nicht zwangsläufig übernimmt, sondern durchaus infrage stellt", sagt Penndorf, ohne gleich von einer Zäsur sprechen zu wollen.

Nun, all das ist mit der 36-jährigen Kunst- und Literaturhistorikerin Dr. Julia Nauhaus offensichtlich gefunden, sind alle an der Auswahl Beteiligten überzeugt. Und sie selbst ist sich der Ehre und Herausforderung durchaus bewusst. "Die Sammlungen sind wunderbar und sehr vielfältig. Alte Kunst mit Zeitgenössischem zu verbinden, ist ein sehr spannendes Betätigungsfeld", findet die designierte Museumschefin. Sie freue sich auf Altenburg und sei guten Mutes.

Ein fertiges Konzept indes hat Nauhaus noch nicht im Gepäck. "Es wäre vermessen, schon jetzt konkrete Dinge zu nennen. Ich bin niemand, der mit einem vorgefertigten Konzept daherkommt, ohne alles genau zu kennen. Ich möchte mich wirklich erst in das Haus einarbeiten."

Ganz ohne Vorhaben und Ziele will die Kunsthistorikerin selbstverständlich dennoch ihr neues Amt nicht antreten. Sie kündigt an, die Digitalisierung und Erforschung der hauseigenen Sammlung vorantreiben zu wollen. Auch möchte sie das Wirken des Studios Bildende Kunst, einer in dieser Form in Deutschland einmaligen Institution, schon beim Betreten des Museums deutlich machen.

Auf jeden Fall aber will sie die Bekanntheit ihrer künftigen Wirkungsstätte erhöhen. "Es wäre schön, wenn das Museum kein Geheimtipp mehr wäre, was es zumindest in Westdeutschland, so weit ich es beurteilen kann, noch ist." Ihr Anliegen sei es außerdem, mehr Besucher in das Museum zu locken. Denn ein Nachteil des Hauses sei die von größeren touristischen Zentren abgeschiedene Lage in Ostthüringen. So finden jährlich nur etwa 20 000 Gäste den Weg ins 1848 von Staatsmann und Kunstsammler Bernhard von Lindenau gegründete Museum.

Breitet das Museum jedoch andernorts seine Kunstschätze aus, ist die Resonanz oft deutlich größer. So hatte 2009 eine Schau mit 35 Arbeiten aus der Altenburger Sammlung früher italienischer Malerei in Paris in nur drei Monaten rund 142 000 Besucher angezogen (OVZ berichtete). Derzeit sind etwa 40 solcher Werke im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu sehen.

Jutta Penndorf wünscht ihrer Nachfolgerin, dass sie recht schnell in Altenburg Wurzeln schlagen möge. "Sie sollte zur Stadt gehören, sich auch zu Angelegenheiten in Stadt und Landkreis positionieren." Sollte sich bekannt und auf ihre Anliegen laut hörbar aufmerksam machen. Und sie sollte sich auf jeden Fall mehr Freizeit und mehr Freiraum schaffen, um sich stets den Blick von außen zu erhalten.

Zeit dafür hat Julia Nauhaus ja auf jeden Fall genug - mit ihren 36 Jahren.

 

-Kommentar Seite 13

 

 

 

 

 

Der designierten Chefin des Altenburger Lindenau-Museums war die bildende Kunst nicht in die Wiege gelegt, stand in ihrem Elternhaus doch die Musik im Vordergrund. Zunächst hat die gebürtige Zwickauerin, Jahrgang 1975, in Würzburg Kunst und Literatur studiert und später in Freiburg über den Schriftsteller Erhart Kästner und sein Verhältnis zur bildenden Kunst promoviert.

Anschließend absolvierte sie verschiedene Praktika, unter anderem im Angermuseum Erfurt sowie in der musisch-kulturellen Begegnungsstätte in Selianittika in Griechenland. Es folgte ein wissenschaftliches Volontariat am Städtischen Museum Braunschweig.Derzeit ist sie dort als Kustodin für Gemälde, Grafik und Skulptur, hat unter anderem ein rund 900 Seiten starkes Bestandsverzeichnis der 2000 Gemälde umfassenden Sammlung erstellt.

Der Musik ist sie dennoch verbunden geblieben: Zu ihren Veröffentlichungen gehört ein Buch mit dem Titel "Musikalische Welten" über die Verbindungen Robert und Clara Schumanns nach Braunschweig.

Privat sei sie eine leidenschaftliche Kinogängerin. Ansonsten stehen bei ihr neben Museumsbesuchen auch Städte-reisen hoch im Kurs - zu den Lieblingszielen gehören Venedig, Lissabon und Istanbul. Nauhaus ist ledig und hat keine Kinder - sei "glücklicher Single", wie sie es formulierte. E.P./dpa

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