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Altenburg Neuer Direktor hat schon einiges erreicht und noch viel vor – doch (bislang) kein Geld
Region Altenburg Neuer Direktor hat schon einiges erreicht und noch viel vor – doch (bislang) kein Geld
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17:46 08.03.2018
Roland Krischke mit dem Bildband der „Bella Italia“-Ausstellung vor der Bibliothek in seinem Arbeitszimmer. Es war eine der ersten Ausstellungen unter seiner Ägide. Die erste von ihm selbst erdachte war die politisch bedeutsame Präsentation „Palmyra – Zerstörte Erinnerung“. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

„Für mich persönlich ist die Arbeit im Lindenau-Museum ein Geschenk. Ich lerne täglich dazu und bin von Kolleginnen und Kollegen umgeben, die genauso wie ich für das Museum brennen.“ So das beinahe euphorisch klingende Fazit von Roland Krischke nach zwölf Monaten im Chefsessel des renommierten Hauses an der Altenburger Gabelentzstraße. Um dies einer möglichst breiten Öffentlichkeit kundzutun und die Emotionen mit nüchternen Fakten zu untersetzen, lud der 50-Jährige am Mittwoch – und damit auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Amtsübernahme – zu einer Pressekonferenz. Das regionale und überregionale mediale Interesse war einmal mehr beachtlich.

Und auch die Fakten an sich konnten sich sehen lassen. Akribisch hatte Krischke alle Ausstellungen, Veranstaltungen und namhaften Besucher auflisten lassen. Dieses Resümee – insgesamt sieben Präsentationen mit dem Highlight „Altenbourg in Altenburg“ und eine Vielzahl von Veranstaltungen wie die Museumsnacht oder der mäzenatische Abend – geht jedoch nicht unbedingt maßgeblich über Bilanzen seiner Vorgängerinnen hinaus.

Was die Zahl namhafter Besucher aus Politik und Kultur betrifft, so kann der neue Museumschef allerdings tatsächlich auf eine deutlich erhöhte Frequenz verweisen. In den letzten zwölf Monaten gaben sich insgesamt 14 Vertreter der Thüringer Landesregierung, darunter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und mehrere Minister, Bundes- und Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker und andere Vertreter des öffentlichen Lebens förmlich die Klinke in die Hand. Allesamt, um sich vor Ort ein Bild von dem dringend sanierungs- und erweiterungsbedürftigen Kunstmuseum zu machen. Seit Krischke das Szenario des Aufbruchs unter dem Titel „Der Leuchtturm an der Blauen Flut – Das neue Lindenau-Museum und die Altenburger Trümpfe“ im Frühjahr der Öffentlichkeit vorstellte, ist das Interesse daran groß.

Kein Wunder, geht es doch um die geplante Sanierung des Museums mit einer Neupräsentation der Sammlungen sowie den Bezug eines zweiten Gebäudes, des Herzoglichen Marstalls, wo die Grafische Sammlung, Mitarbeiterbüros, ein Schaudepot, Werkstätten und Depots eingerichtet werden sollen (die OVZ berichtete). Kosten summa summarum: 30 Millionen Euro.

Es seien sehr vielversprechende Gespräche gewesen, so Krischke, finanzielle Zusagen indes gab es bislang keine. So konnte er am Mittwoch weder einen Termin für die Fortsetzung der mit der Dacheindeckung in diesem Jahr begonnenen Sanierungsarbeiten am Museum selbst nennen, noch für das Mammutvorhaben Marstall. „Im Moment“, so räumte er ein, „sind alles Spekulationen“. „Wir brauchen zuerst eine Machbarkeitsstudie, können erst in die Planungen eintreten, wenn es grünes Licht aus der Politik gibt.“ Ob und wann dies kommt, weiß derzeit niemand. Und selbst danach rechnet Krischke allein fürs Museums mit einer zweijährigen Anlauf- und einer ebenso langen Umbauphase. Auf jeden Fall werde man aber nicht warten, bis der Marstall als Depot fertig ist.

Trotzdem sei es wichtig und richtig gewesen, das Konzept für das neue Lindenau-Museum vorzulegen, um überhaupt in den Genuss möglicher Fördergelder zu kommen. „Visionen sind keine Krankheit“, ist Krischke überzeugt.

Ungeachtet dessen geht die „normale“ Museumsarbeit natürlich unvermindert weiter – mit durchaus bemerkenswerten Vorhaben für das kommende Jahr. Allein acht Sonderausstellungen sind geplant. Besonders hervorzuheben sei eine Präsentation in der wieder aufgenommenen Reihe „Altenbourg im Dialog“ mit dem Thema Rolf Szymanski. Im Sommer werde eine Ausstellung über Gerhard Kurt Müller diesen bedeutenden Vertreter der „Leipziger Schule“ in einer umfassenden Retrospektive würdigen, sogar der „Fußballkunst“ will man sich im Jahr der Fußballweltmeisterschaft zuwenden – nicht ganz ernst gemeint. Im Herbst dann widmet sich das Museum einem ureigenen Thema und erzählt die Geschichte der Lindenau’schen Kunstschule.

Und für 2021 hat das Museum noch einen dicken Fisch an der Angel. „Wir haben uns als Außenstandort für die in Erfurt stattfindende Bundesgartenschau beworben“, verrät Krischke. Dort ist ein Künstlergarten ausgeschrieben – und den hätte Altenburg mit dem Garten am Wohnhaus seines bedeutendsten Künstlers Gerhard Altenbourg zu bieten. Noch in diesem Monat wird entschieden, ob die Skatstadt den Zuschlag erhält. Verbunden würde dies mit einer Ausstellung sowie der Einbeziehung des Schlossparks. Man hofft nach der Erarbeitung einer sogenannten denkmalpflegerischen Zielstellung auf Geld einer namhaften Stiftung, um den seit Jahren nicht mehr gepflegten Garten wieder herzurichten.

Krischke will zudem den Nachlass von Altenbourg systematisch erschließen lassen und mit zwei Universitäten ein Projekt erstellen, das der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Förderung vorgelegt werden kann.

Von Ellen Paul

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