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Neuer Hitzerekord fordert vor allem den Menschen mit Jobs alles ab

Neuer Hitzerekord fordert vor allem den Menschen mit Jobs alles ab

Mit 36,6 Grad, gemessen an den Wetterstationen Tegkwitz und Flugplatz Nobitz, verzeichnete das Altenburger Land gestern den diesjährigen Hitzerekord.

Altenburg.

 

 

 

 

So wie bei Kathrin Laskowski, die in einem kleinen Häuschen vor dem Kaufland in Altenburg-Nord Bratwürste und Klopse brutzelt. In der Bude ist es kaum auszuhalten, über dem Holzkohlegrill gleich gar nicht, wo schätzungsweise 80 bis 90 Grad sein müssen. Die kleine Verkaufsluke steht offen und auch die Tür nach hinten, aber das nützt gar nichts. Den Ventilator lässt Kathrin Laskowski ausgeschaltet, denn der wirbelt die heiße Luft nur auf. Das Thermometer hinten im Raum zeigt 46 Grad. Alle paar Minuten muss die Braterin aus dem Häuschen flüchten und draußen nach Luft schnappen, doch auch dort ist es unerträglich heiß. Dann trifft sie sich mit Siegrid Dittrich, die gleich gegenüber Hähnchen grillt. Ihr bläst von vorn der heiße Sommerwind entgegen, hinten glühen die noch heißeren Stäbe. Zum Glück hat sie nur einen Draht an, weil nur wenig gekauft wird. Eigentlich dauert die Schicht von Kathrin Laskowski bis 20 Uhr, doch gestern wird sie wegen der Temperaturen schon um 14 Uhr von ihrem Kollegen Frank Lucke abgelöst, der zum Glück pünktlich erscheint - mit frischen Holzkohlesäcken und einem Scherz auf den Lippen: "Jetzt wird erst mal richtig Feuer gemacht!"

Etwas kühler als im Grill, dafür aber beinahe wie in der Dampf-Sauna geht es in der Flaschenwasch- und -abfüllanlage der Brauerei zu. Denn die tropischen Temperaturen werden durch eine 84 Grad heiße Lauge verstärkt, mit der die Flaschen gesäubert werden. Die Maschine wird von Markus Jakob bedient, dem die Schweißtropfen auf der Stirn stehen. Fünf bis sechs Flaschen Wasser trinkt er an solchen Tagen. Die bekommt er, wie alle seine Kollegen, kostenlos von der Brauerei, die neben Wasser Zitronen- und Orangenlimonade anbietet. "Es wäre ja auch komisch, wenn es in der Brauerei nichts zu trinken gäbe", lacht Markus Jakob. Wie in der Sauna kommt sich auch Marion Lill vor. Sie macht draußen einen Bierwagen sauber, der bei einem Fest zum Einsatz kam. Jede Bewegung ist schweißtreibend und anstrengend, "aber es nützt nichts", huscht ihr ein Lächeln übers Gesicht.

Im Inselzoo hat Tierpflegerin Birgit Hermenau zwei Becher mit gefrorenem Joghurt in den Käfig der zwei Rhesusaffen Sybille und Anton gestellt. Sybille nimmt einen gleich in die Pfoten, setzt sich und zieht die Plastik um den gefrorenen Joghurt ab. Anton greift sich das andere Teil und sucht sich einen Platz im Schatten, um zu fressen. Kaum sind die beiden fertig, geht es zurück in den Innenraum des Käfigs. "Da ist es kühler für die beiden", sagt Birgit Hermenau. An heißen Tagen wie gestern gibt es für die Tiere häufiger Wasser und kleinere Portionen an Futter, erklärt Ingrid Kipping, die Leiterin des Inselzoos. Vögel wie Wellensittiche, Aras und Graupapageien spritzen die Tierpfleger bei der Hitze zusätzlich mit Wasser ab, sagt sie. "Die Tiere bewegen sich bei der Hitze zum Teil weniger - dafür hat das Personal mehr Arbeit", sagt Ingrid Kipping. Mehr Gäste bringe der Sonnenschein nicht. "Bei der Hitze haben wir nur vormittags Besucher. Da geht man baden - besonders, wenn 500 Meter weiter ein Freibad liegt", schmunzelt Ingrid Kipping.

Dort geht richtig die Post ab. Unzählige Badegäste schwimmen, planschen und tauchen im kühlen Nass des Südbads. Oben auf den Sprungtürmen stehen die Leute Schlange, um aus fünf, zehn oder zwei Metern ins Wasser zu springen. Einige Besucher nutzen die Liegestühle wenige Meter vom Beckenrand, weil zu viel Bewegung bei diesem Temperaturen nicht gut tut. "Es ist extrem warm. Da geht es alle fünf Minuten ins Wasser", sagt Freibadbesucher René Galve. "Ohne Baden lässt sich die Hitze nicht aushalten", stimmt dem Michelle Zahn zu, die ebenfalls den Nachmittag im Südbad verbringt. "Am Sonntag haben wir mit 1505 Gästen einen neuen Rekord für diese Saison aufgestellt", sagt Schwimmmeister Oliver Heber. "Vielleicht sind es heute noch mehr als gestern." Für die Schwimmmeister bedeut das harte Arbeit: "In dem Gewusel muss man die Übersicht behalten. "Das A und O ist, dass wir Schwimmmeister auch mal den Schatten aufsuchen und viel trinken. Dann bleiben wir fit und behalten den Überblick", sagt Heber.

Eine Herausforderung stellt die Hitze auch für Eric Müller dar. Kein Wunder. Denn dort, wo der Altenburger Dachdeckermeister und sein Team die meiste Zeit verbringen, brennt die Sonne erbarmungslos. "Auf dem Dach ist es wie in der Sauna bei 70 Grad", sagt der gut gebräunte 32-Jährige, der derzeit auf der Baustelle in der Rudolf-Breitscheid-Straße 24 zu tun hat. Wahnsinn, wie jemand dort ohne Handschuhe arbeiten kann. "Mit schwitze ich noch mehr und mir fehlt das Gefühl", kommentiert der Handwerker die Nachfrage.

In knapp 15 Metern Höhe wirkt es ohne den Hauch eines Lüftchens noch wesentlich wärmer als am Boden. Auch Sonnencreme benutzt Müller keine. "Stattdessen heißt es trinken, trinken, trinken." Auf 4,5 Liter kommt er an Tagen wie dem gestrigen. "Ansonsten setzen wir regelmäßig den Wasserschlauch ein - vor allem im Gesicht, am Puls und auf den Händen", erzählt der Dachdecker weiter. Wenn es gar zu schlimm wird, helfen nur Hitzepausen. "Dann geht es raus aus der Sonne in den Schatten, über Mittag fahren wir zur Not auch mal ins Material-Lager und bereiten Bleche vor." Ansonsten begegne man heißen Tagen mit einem früheren Arbeitsbeginn. "Meist um 6 Uhr mit Sachen, die die Nachbarn nicht stören. Schließlich muss das Ziel geschafft werden - egal, bei welchem Wetter." Bereits nächste Woche wollen er und seine Mitarbeiter das Gerüst in der Breitscheid-Straße abbauen.

Entwarnung gibt indes das Klinikum Altenburger Land. "Glücklicherweise gab es bislang keine dramatischen Fälle", sagt Schwester Andrea Krammer, Bereichsleiterin in der Notaufnahme. "Einen Anstieg der Notfälle aufgrund der großen Hitze können wir nicht beobachten." Momentan befänden sich jedoch viele der Hausärzte und Chirurgen im Urlaub. "Dadurch wenden sich gerade sehr viele Patienten an uns und es kommt zu längeren Wartezeiten."

Janine Dähnert macht sich vor allem Sorgen um ältere Menschen und kleine Kinder. "Ich empfehle, die Sonne zu meiden", erklärt die Ärztin in der Klinik für Kardiologie. "Gerade ältere Menschen sollen viel trinken und sich sofort setzen, wenn ihnen schwindelig wird." Sollte dennoch eine Bewusstlosigkeit eingetreten sein, vor allem wenn sie mit Durchfall und Erbrechen einhergeht, dann muss unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden. Thomas Haegeler,

Jonas Alder/Jens Rosenkranz

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