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Altenburg Neues Leben im Reichenbachschen Palais
Region Altenburg Neues Leben im Reichenbachschen Palais
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15:18 18.08.2018
Noch ist das Reichenbachsche Palais am Altenburger Weibermarkt eingerüstet, doch bald soll hier wieder neues Leben einziehen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Mit historischen Gebäuden ist die Skatstadt reich gesegnet. Und leider sind die oftmals prächtigen Bauten komplett ungenutzt und verfallen mehr oder weniger. Eines dieser reihum bekannten Gebäude steht jetzt vor seiner Wiedererweckung aus dem Dornröschenschlaf. Das Reichenbachsche Palais am Weibermarkt hat mit der noch am Markt beheimateten Farbküche einen neuen Mieter gefunden. „Eigentlich wollten wir den Umzug schon hinter uns haben. Vorerst braucht es noch einige rechtliche Abstimmung. Mit dem Besitzer des Palais am Weibermarkt hingegen sind wir uns einig“, bestätigt Susann Seifert von der Farbküche.

Wohl jeder angestammte Altenburger kennt das Reichenbachsche Palais am Weibermarkt persönlich und hat dort mindestens ein paar schöne Stunden in seiner Kindheit oder Jugend verlebt. Denn der in den Jahren 1881 und 1882 errichtete prächtige Bau von Wilhelm Wagenbrett war zwar Anfang des 20. Jahrhunderts das Haus der Landwirte. Aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war dort bis zur Wende das Haus der Pioniere untergebracht.

Immobilie stand seit Ende 2003 leer

Auch nach der Wende blieb diese Nutzung für die junge Generationen lange erhalten, wenngleich sie im Kinder- und Jugendcenter (KJC) von allem politischen und ideologischen Ballast befreit war. Träger der Einrichtung war bis zum 31. Dezember 2003 der Landkreis Altenburger Land, der das KJC dann aber aus Kostengründen aufgeben musste. Seither stand die denkmalgeschützte Immobilie mit ihren prächtigen Sälen weitgehend leer.

2008 erwarb ein Investor die Liegenschaft mit dem Ziel, sie zu sanieren und wieder zu nutzen. Aber die folgenden zehn Jahre war diese Nutzung nur temporär. Im Palais fanden unter anderem der Schallerball, die Kreativmesse oder Konzerte des Jazzklubs statt. Ansonsten herrschte Leerstand. Allerdings ist der innere Zustand des Gebäudes auch nach 15-jährigem Leerstand besser, als sicher mancher befürchtet. Auch dank des neuen Besitzers, der sich um das Palais über all die Jahre kümmerte und um dessen Erhalt bemüht war. Das gewaltige Treppenhaus mit riesigen tragenden Säulen und Marmorverkleidung strahlt noch immer diese schon atemberaubende Schönheit aus, wie sie schon viele Generationen von Kindern und Jugendlichen erlebt haben. Und auch die reichlichen Stuckelemente in den manchmal mit Parkettfußböden versehenen Sälen sind unversehrt. Um die Trockenlegung des Gemäuers hat sich der Besitzer schon gekümmert. „Aber vieles muss auch noch getan werden“, sagt Seifert.

Farbküche plant Nutzung des gesamten Gebäudes

Was jetzt passieren soll. Denn die Farbküche plant mit ihren kreativen Partnern nicht nur die Nutzung eines Raumes oder einer Etage, sondern eine ganzheitliche Belebung. „Hier sollen unterschiedliche kreative Projekte eine neue Heimat unter einem Dach finden“, kündigt Seifert an und verweist da auch unter anderem auf Angebote wie den Tanzraum, eine Begegnungsstätte und offene Büros, die kreative Köpfe für ihre Arbeit nutzen könnten. „Da sind wir in der Ausrichtung ziemlich offen. Einerseits, weil im Palais sehr viel Raum ist. Und andererseits, weil man hier auf diesem Gebiet keinerlei Schranken einbauen möchte“, sagt die oberste Farbköchin.

Für das eigene Projekt, das Seifert federführend gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ralf Hecht betreibt, käme dieser Umzug einem Quantensprung gleich. „Die Farbküche gibt es dieser Form ja erst seit 15. Oktober 2016. Seit 1. Mai 2017 sind wir am Markt 10 zu finden. Aber unsere Angebote als völlig offene Stätte der kreativen Entfaltung in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen haben immer mehr Zuspruch gefunden. Wir stoßen hier an unsere logistischen Grenzen – bei den festen Angeboten wie den offenen“, sagt Seifert.

Graffitiworkshops und Töpferwerkstatt

Größtes Plus für die Graffitikünstler am Weibermarkt sei da nicht nur das größere räumliche Angebot, sondern auch der vorhandene Garten, der Graffitiworkshops vor Ort unter freiem Himmel erlaubt. Denn Sprühen in geschlossenen Räumen ist für die Akteure aus Gesundheitsgründen tabu. Und Altenburgs Hauptmarkt ist für derlei Kunst ebenfalls tabu. „Am Weibermarkt wäre dies möglich. Zudem wollen wir dort auch eine Töpferwerkstatt einrichten“, sagt Seifert.

Und die Farbköche mit ihrem Traum von einem großen kreativen Haus mit unterschiedlichen Offerten stehen nicht alleine da. „Einige Interessenten haben wir schon mit im Boot. Zudem bekommen wir von den Projektunterstützern von Genial 3 sowie der Kulturhanse Beratung.“ Zudem schaut sich am Montag die Jury des Bundesprojektes „Stadt gemeinsam gestalten. Neue Modelle der Quartiersentwicklung“ unter anderem im Haus am Weibermarkt um.

Von Jörg Wolf

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