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Altenburg Neues Thüringer Schulgesetz stößt im Altenburger Land auf Zustimmung und Kritik
Region Altenburg Neues Thüringer Schulgesetz stößt im Altenburger Land auf Zustimmung und Kritik
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00:37 28.05.2018
Der Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter (Linke), stellte am Mittwoch die Novelle des Schulgesetzes vor. Quelle: dpa
Altenburg

Die von der Landesregierung am Dienstag beschlossene Novelle des Thüringer Schulgesetzes hat bei Pädagogen im Landkreis und Politikern mehrheitlich kritische Reaktionen ausgelöst. Durch die neuen Regeln werden insbesondere Kooperationen von kleinen Schulen zur besseren Unterrichtsabsicherung vorgeschlagen. Dadurch sollen langfristig größere Kollegien entstehen, aus denen heraus der Unterricht besser abgesichert werden kann. „Damit wollen wir insbesondere den ländlichen Raum stärken“, sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke).

Der Direktor der Regelschule Dobitschen kann dem Kooperationsmodell kaum etwas abgewinnen. Dazu müssten Kollegen an andere Schulen abgeordnet werden, was absolut verhasst sei, sagte Tino Schädlich der OVZ. Frust und Stress würden daher zu höheren Krankenständen führen. Sinnvoller sei, den Lehrern endlich mehr Ruhe für ihre Arbeit zu geben. Durch Kooperationen trete das Gegenteil ein. Hätte das Land gegen den Lehrermangel rechtzeitig etwas unternommen, wären solche Modelle gar nicht nötig.

Kooperationen verunsichern Kollegen

Deutliche Kritik an Abordnungen hatte der Minister bereits bei seinem Besuch in Altenburg vor einigen Wochen zu spüren bekommen. Irgendwo eingesetzt und dort für irgendwelche Fächer verantwortlich gemacht zu werden, verunsichere die Kollegen, erklärte Jürgen Hillig. „Nicht wenige von uns fühlen sich inzwischen eher wie austauschbare Bildungssöldner statt wie Pädagogen“, sagte der Lehrer aus Schmölln.

Wenn das Altenburger Land – so wie angekündigt – alle Schulen erhalten will, werde das bei den momentanen Bedingungen nicht gelingen, spricht sich der Leiter der Regelschule Meuselwitz für Veränderungen aus. Wenn Grund- und Regelschulen die Mindestgrößen nicht erreichen, müsse man sich etwas einfallen lassen, denn so könne es ja nicht weitergehen, sagte Jürgen Stark der OVZ. Es sei ungerecht, wenn Lehrer vor Klassen mit 15 Schülern und andere vor 25 stünden. Auch den Stundenausfall, der ja alle Schulen betreffe, werde man nicht ohne neue Modelle mindern.

Katrin Schulze, die Leiterin der Grundschule Altkirchen, wollte sich aus Rücksichtnahme vor dem Minister, ihrem Dienstvorgesetzten, nicht zum neuen Gesetz äußern. Ihre Grundschule mit 90 Schülern habe bereits einiges in die Wege geleitet, um kleine Schulen zu erhalten, nahm sie Bezug auf das Sprengel-Modell, das im Raum Schmölln als Form der Zusammenarbeit angedacht ist.

Die CDU lehnt die geplanten Mindestgrößen für Schulen und Klassen ab. Das würde zahllose Schulen vor allem im ländlichen Raum in Existenznot bringen, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner.

Zustimmung kam dagegen von den Grünen. Die Kooperation sei ein gutes Instrument, um Unterrichtsabsicherung und Qualität von Schule flächendeckend zu verbessern, erklärt Astrid Rothe-Beinlich, bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Grüne. Kleine Schulstandorte zu sichern, gelinge nur, wenn sich kleine Schulen und deren Kollegien zusammentun.

Die Mindestschülerzahlen seien „nicht vernünftig“, sondern zu hoch angesetzt, kritisierte der Landesvorsitzende des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch. Formulierungen für Ausnahmen von den Mindestzahlen seien zu schwammig formuliert, die Praktikabilität der Kooperationsmodelle mehr als fraglich, so Busch.

Für den Gesetzentwurf folgt nun die Phase der Anhörungen, bevor er nach einem weiteren Durchgang im Kabinett dem Landtag zugeleitet werden wird. Minister Holter wird die Novelle im Juni in allen fünf Schulamtsbereichen persönlich vorstellen und dabei mit Pädagogen, den Gewerkschaften und kommunalen Spitzenverbänden diskutieren.

Mindestgrößen von Schulen und Klassen

Paragraf 41 a regelt Schülermindestzahlen, Schulgröße und Mindestzügigkeiten:

Grundschulen können in Gemeinden mit bis zu 6500 Einwohnern ein- oder mehrzügig geführt werden und umfassen mindestens 80 Schüler. In Städten mit mehr als 6500 Einwohnern werden sie zwei- oder mehrzügig geführt und umfassen mindestens 160 Schüler. Die Mindestschülerzahl beträgt 20 je Klasse. Die Schülerhöchstzahl beträgt 24 je Klasse.

Regelschulen sind in den Klassenstufen 5 bis 9 mindestens zweizügig, in Klassenstufe 10 mindestens einzügig zu führen und umfassen mindestens 242 Schüler. Die Schülermindestzahl beträgt je Klasse 22. Die Schülerhöchstzahl beträgt 28 je Klasse.

Gymnasien sind mindestens dreizügig zu führen und sollen in den Klassenstufen 5 bis 12 mindestens 540 Schüler umfassen. Die Errichtung einer gymnasialen Oberstufe oder eines beruflichen Gymnasiums setzt voraus, dass in der Jahrgangsstufe der Einführungsphase eine Jahrgangsbreite von mindestens 60 Schülern erreicht wird. Reicht die Zahl der Schüler nicht aus, ist eine eigene gymnasiale Oberstufe zu bilden, soll diese in einem Verbundsystem mit einer anderen Schule mit gymnasialem Bildungsgang geführt werden. Die Schülermindestzahl beträgt 24 für die Jahrgangsstufen 5 bis 9 und 20 für die Jahrgangsstufen 10 bis 12. Die Schülerhöchstzahl beträgt 30 für die Jahrgangsstufen 5 bis 9 und 24 für die Jahrgangsstufen 10 bis 12.

Gemeinschaftsschulen sind in den Klassenstufen 5 bis 10 mindestens zweizügig zu führen und sollen mindestens 264 Schüler umfassen. Die Errichtung einer gymnasialen Oberstufe setzt voraus, dass in der Jahrgangsstufe der Einführungsphase mindestens 40 Schüler erreicht werden. Reicht die Zahl nicht aus, eine eigene gymnasiale Oberstufe zu bilden, soll diese in einem Verbundsystem mit einer anderen Schule mit gymnasialem Bildungsgang geführt werden.

Von Jens Rosenkranz

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