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Nicht bravo, sondern bravissimo

Nicht bravo, sondern bravissimo

Welches der beiden zentralen Werke dieses Abends war der Höhepunkt, Schostakowitschs Violinkonzert oder Tschaikowskis vierte Sinfonie? Wenn man am Ende des Konzertes am Freitag im Altenburger Landestheater den Zuhörern diese Frage gestellt hätte, dann wäre sicherlich vielen Besuchern eine Antwort schwer gefallen.

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Chefdirigent Laurent Wagner (Mitte) und "sein" Philharmonisches Orchester.

Quelle: Mario Jahn

Aus gutem Grund. Doch der Reihe nach.

 

Den Anfang des ausschließlich russischen Tonschöpfern gewidmeten Konzerts des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera unter Leitung seines Generalmusikdirektors Laurent Wagner machte ein Märchenpoem von Sofia Gubaidulina. Es wirkte neben den beiden Giganten fast etwas beliebig und nichtssagend, obwohl die Komponistin recht liebe- und humorvoll die Geschichte von der "Kleinen Kreide" nachzeichnet. Wagner wies mit klarem Dirigat seinen Musikern den Weg durch die zerklüftete Partitur, immer mit etwas Humor in seiner Körperlichkeit, denn so ganz todernst will die Komponistin bei diesem Werk trotz aller teilweise bedrohlich wirkenden Klangballungen sicherlich nicht genommen werden. Märchen bleibt Märchen.

 

Doch dann kam Dmitri Schostakowitsch mit seinem leider selten gespielten ersten Violinkonzert und der brillanten Solistin Judith Eisenhofer. Das war eine ganz andere kompositorische Liga. Die junge Geigerin und Konzertmeisterin des hauseigenen Orchesters am Altenburg-Geraer Theater scheint mit ihrem Temperament und ihrer körperlichen Ausstrahlung für dieses, mit seinen Schwierigkeiten kaum zu überbietende Konzert wie geschaffen zu sein.

 

Zunächst etwas verhalten, aber bereits nach den ersten zehn Takten ging sie mit stoischer Ruhe und viel Gefühl die schmerzlich aufsteigenden, aber auch innigen, oft endlos anmutenden Themen und Kantilenen des ersten Satzes an. Unglaublich, wie sie ihre mit dem Orchesterpart rhythmisch sehr kompliziert verzahnte Solostimme im zweiten Satz unbeirrt und technisch absolut sicher durchzog. Laurent Wagner als kongenialer Partner formte die begleitenden Orchesterklänge, immer darauf bedacht, der Violine den angemessenen Freiraum zu überlassen. Atemberaubend schließlich Judith Eisenhofers Gestaltung der opulenten und mit technischen Schwierigkeiten gespickten Kadenz sowie der finalen Burlesque, wo beide, Orchester und Solistin, ein technisches Feuerwerk erster Klasse abbrannten. Da waren Bravorufe und Trampeln mehr als angebracht.

 

Konnte Tschaikowskis 4. Sinfonie in f-Moll jetzt noch mithalten? Das war nach der Konzertpause die Frage. Ja, sie konnte es sowohl in der künstlerischen Aussagekraft als auch in der Interpretation. Es war wiederum unglaublich fesselnd, wie Wagner seine Musiker in die überbordenden Klangausbrüche Tschaikowskis hineintrieb, wie er sich vor allem den perfekt aufspielenden Streichern zuwandte, die bei den aufbrausenden Themen dieser Sinfonie eine Schlüsselrolle innehaben. Sei es mit jenen gesättigten Klangflächen der aufwallenden Emotionen oder den andererseits verspielten, mediterran wirkenden Pizzicati im Scherzo. Die Bläser führten mit ihrer homogenen Klanglichkeit hingegen oft in eine fast besänftigende, friedvolle Welt.

 

Der nicht ganz perfekte Einstieg der Blechbläser am Beginn der Sinfonie tat bei dieser insgesamt äußerst dramatischen und hinreißend verlaufenden Aufführung überhaupt nichts zur Sache. Die Musik Tschaikowskis lebt vom Wechselspiel der Gefühle, von Leidenschaft und Trauer, aber auch von Volkstümlichkeit und Sinnesfreude. All diese Facetten leuchtete Laurent Wagner aus, immer mit Blick auf die inhaltliche Aussage dieser für den russischen Meister so ganz typischen Sinfonie.

 

Auch dafür am Schluss viel Beifall für eine rundum faszinierende Leistung des gesamten Ensembles. Und um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Dem Publikum wurden an diesem Konzertabend zwei gleichwertige Höhepunkte beschert. Nicht Bravo, nein Bravissimo für dieses Konzert im Landestheater. Laurent Wagner und das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera warteten mit grandiosen Aufführungen der beiden Komponisten und ihrer anspruchsvollen Werke auf.

Felix Friedrich

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