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Nicht nur für Flüchtlinge ist Heimat auch Schicksal

Nicht nur für Flüchtlinge ist Heimat auch Schicksal

Nein, am Mikrofon reden, sich und die Ausstellung vorstellen, das möchte er nicht. Seine Fotos, sagt Daniel Grohmann, sprechen für sich.

Altenburg.

Wie wahr. 26 großformatige Aufnahmen im hochwertigen Acryldruck hängen seit vorgestern im Lichthof des Altenburger Landratsamtes. Aufnahmen aus einem fernen, unbekannten Land - Burkina Faso. Hinzu kommen einige Motive von der Mittelmeer-Insel Lampedusa sowie aus der Skatstadt. "Heimat-Los: Quagadougou - Lampedusa - Altenburg" ist die Exposition überschrieben, die im Vorfeld des Schauspiels "Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts." (siehe nebenstehenden Text) eröffnet wurde.

 

Es war eher ein Zufall, der den Wahl-Schmöllner und gebürtigen Zwickauer Daniel Grohmann Teil dieses ungewöhnlichen Theaterprojekts werden ließ. Im Paul-Gustavus-Haus in der Wallstraße, inzwischen eine künstlerische Begegnungsstätte, ist Schauspieldirektor Bernhard Stengele irgendwann auf diesen Typ aufmerksam geworden, der da eher unscheinbar in der Ecke saß. Man kam ins Gespräch und Grohmann hat dem Theatermann einige seiner Fotos gezeigt. "Und ich dachte, die sind ja verdammt gut", erinnert sich Stengele. Also begleitete Daniel Grohmann, der Autodidakt, schon das erste internationale Theaterprojekt "Die Frauen von Troja" mit der Kamera. So erfolgreich, dass Stengele ihn jetzt einlud, für eine Woche mit an die Originalschauplätze des neuen Stücks "Die Schutzlosen" nach Quagadougou und Lampedusa zu kommen.

 

Rund 3000 Aufnahmen hat Grohmann, der eigentlich Tischler und Schweißer gelernt hat, seit einigen Jahren aber in einem Schmöllner Fotostudio arbeitet, auf dem schwarzen Kontinent geschossen. "Das war eine große Ehre für mich", sagt der 35-Jährige. "Durch diese Zusammenarbeit ist eine große Freundschaft entstanden. Die Leute sind mir alle ans Herz gewachsen. So ausdrucksstark die Fotos auch sind, sie zeigen nicht im mindesten, was ich dort erlebt habe." Man lerne viel mehr zu schätzen, was hat, bekennt er, um zugleich bei seiner Rückkehr festzustellen: "Du brauchst eigentlich viel weniger, um glücklich zu sein."

 

Grohmann zeigt ein vielfältiges Afrika, das trotz sichtbarer Armut und manch traurigem oder nachdenklichem Blick auch fröhlich und stolz daherkommt. Besonders an die Nieren gehen die Aufnahmen aus Lampedusa, beispielsweise das gestrandete Boot und die im Staub liegende Rettungsweste. Allerdings wären insgesamt ein paar erklärende und beschreibende Worte für den Betrachter hilfreich gewesen.

 

"Heimat-Los" - das Motto der Ausstellung und seine doppeldeutige Schreibweise sind nicht von ungefähr gewählt. Flüchtlinge sind heimatlos, doch die Heimat ist für alle durchaus auch ein Los, ein Schicksal. Deshalb haben sich die Macher entschieden, einige wenige Altenburg-Motive zu integrieren. Für sie zeichnet Diana Olbert, seit Spielzeitbeginn als Regieassistentin am Altenburg-Geraer Theater, verantwortlich. Sie hat den Afrika-Trip mit der Filmkamera begleitet.

 

Bernhard Stengele gesteht, dass ihn vor allem zwei Bilder angesprochen haben. Das eine zeigt zwei Frauen mit Rollator auf dem Altenburger Markt. "Es ist bezeichnend, wie viele Leute hier allein sind, wenn sie alt sind. In Burkina Faso ist das anders. Da wird das Alter viel mehr geschätzt." Das andere Motiv sind zwei afrikanische Kinder, die auf den Betrachter zukommen. "Wir sollten wahrnehmen, wie sehr wir uns brauchen können", sagt der Schauspieldirektor und hat deshalb die Motive für einen Flyer zum Stück ausgewählt. Denn selbst wenn Deutschland 300 000 Flüchtlinge im Jahr aufnehmen würde, sinke trotzdem die Bevölkerungszahl, begründet er.

 

Mit dem Trommelwirbel, der zu Beginn der Vernissage durch den Lichthof hallte, machte das Theater auf das zweite große deutsch-afrikanische Projekt aufmerksam - das Kinderstück "Die Zaubertrommel". "Das ist eine positive Version, die wir für die Kinder machen. Es ist wichtig, dass sie eine positive Botschaft bekommen", so Stengele.

 

Er hofft, dass sich die Menschen nicht zuletzt nach dem Besuch der Stücke etwas vorurteilsfreier gegenüberstehen. "Denn niemand kommt nach Deutschland, weil hier das Wetter so gut ist", sagt er mit Blick auf die Flüchtlinge, die nun heimatlos sind.

 

© Kommentar Seite 11

Ellen Paul

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