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Altenburg Nobitzer Solarmodule sind bundesweit einzigartiges Testobjekt
Region Altenburg Nobitzer Solarmodule sind bundesweit einzigartiges Testobjekt
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18:07 25.07.2017
Björn Osterkamp, Mathias Bünemann und Lars Trenkmann (v.l.) am Objekt der Forschung, den Solarmodulen in Nobitz. Quelle: Mario Jahn
Nobitz

Der Pressetermin war gewichtig, doch der Ort der Zusammenkunft ohne Glanz: Vor einer bröckeligen, unsanierten Rückfront eines Garagen- und Hallenkomplexes auf dem Flugplatz Altenburg-Nobitz trafen sich am Dienstag Wissenschaftler, Techniker und Medienleute. An der Wand: ein unscheinbarer Schaltkasten – das revolutionäre Herzstück eines wissenschaftlichen Praxistests. Der Kasten ist, zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Garagendach, seit Dienstag ein entscheidender Teil eines Forschungsprojektes der Technischen Universität Braunschweig und des Solartechnik-Dienstleisters SMA Technology – mit dem Ziel, mit Solarenergie eine gleichbleibende Stromversorgung ohne gefährliche Spannungsschwankungen abzusichern.

„Die Anlage in Nobitz ist deutschlandweit die erste, mit der solch ein Praxistest vollzogen wird. Bislang wurde nur unter Laborbedingungen untersucht, wie man den bei erneuerbaren Energien zwangsläufig auftretenden Leistungsschwankungen begegnen kann, ohne anderweitig Energie aus konventionellen Kraftwerken einspeisen zu müssen“, unterstrich Björn Osterkamp. Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist an der TU Braunschweig am Institut für Hochspannungstechnik und elektrische Energieanlagen beschäftigt. „Bei der in Deutschland angestrebten Energiewende ist es einfach zwingend, Wege zu finden, die Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen oder Atomkraft verzichtbar macht“, erklärte Osterkamp.

Bundesweite Suche nach geeigneter Anlage

Bundesweit habe man sich auf die Suche nach Photovoltaikanlagen gemacht, die eine Größe wie jene auf den Dächern am Nobitzer Airport haben und deren Betreiber vor allem für die Testphasen aufgeschlossen sind. In der in Schmölln beheimateten Energiegenossenschaft Ostthüringen (Engo) fanden die Braunschweiger solche Partner, was im Übrigen gar nicht so einfach war. Denn etliche Betreiber von Solaranlagen winkten dankend ab, weil sie Verluste bei Erträgen oder Leistungsminderungen befürchteten.

„Uns geht es als Genossenschaft nicht um den einen Cent, den wir mit der Stromeinspeisung ins öffentliche Netz zusätzlich verdienen, sondern darum, perspektivisch jene Lösungen zu finden, die solche Anlagen regelleistungsfähig machen“, betonte Engo-Vorstand Lars Trenkmann am Rande der Flugplatzpiste, wo sich fortan das Herzstück des Forschungsprojektes befindet. Die Solarpaneele auf einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern liefern etwa 400 Megawatt pro Jahr, was für die Versorgung von rund 130 Haushalten ausreichen würde.

Mathias Bünemann, Entwicklungsingenieur bei SMA und Projektkoordinator, erklärte Details: Die Differenz zwischen eingespeister Strommenge und aktuellem Stromverbrauch sei die Achillesverse des Stromnetzes. Immer wieder muss ausgeglichen werden, um die korrekte Spannung – im Idealfall 50 Hertz – zu wahren. Um das Netz weder zu überlasten noch zusammenbrechen zu lassen, sei ein sehr enger Korridor zwischen 49,8 und 50,2 Hertz einzuhalten. Mit den konventionell betriebenen Kraftwerken sei dies vergleichsweise einfach zu regeln. Anders ist das beispielsweise bei Solarenergie, die aufgrund von Witterungsverhältnissen und Sonnenstunden natürlichen Schwankungen unterliegt.

Innovative Steuerung

Hier setzen die Projektmitarbeiter an: In Nobitz steht nun die erste regelleistungsfähige PV-Anlage Deutschlands, ausgestattet mit einem in Braunschweiger Labors entwickelten Steuerungsverfahren. Das verspricht zumindest bei Tage gute Erfolge. Bis Juli 2018 soll der Praxistest laufen, der von Braunschweig aus überwacht und gesteuert werden kann.

Ein erster Schritt auf dem Weg zur bundesweiten Komplettumstellung auf regenative Energien. Und für Nobitz vielleicht nicht der letzte. „Möglich, dass hier noch andere Entwicklungsschritte in der Praxis erprobt werden. Wie zum Beispiel Speichermöglichkeiten für die Nacht“, stellte Osterkamp in Aussicht.

Von Jörg Wolf

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