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Altenburg Nobitzer und Saaraer demonstrieren in Altenburg für Gemeindefusion
Region Altenburg Nobitzer und Saaraer demonstrieren in Altenburg für Gemeindefusion
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21:04 17.09.2012

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Von Jens Rosenkranz

"Da hat sich die SPD ja ein schönes Ei gelegt." Dietmar Urbansky ist schon lange vor dem Beginn der Demonstration auf dem Markt und jetzt richtig in Kampfeslaune. "Ich habe immer SPD gewählt, aber nun nicht mehr", ist der Ehrenhainer sauer darüber, dass die Sozialdemokraten der Skatstadt Vorreiter im Kampf gegen die Fusion sind. Er gehört zu über 300 Einwohnern der Gemeinden Saara und Nobitz, die gestern mit Bussen und PKW nach Altenburg gefahren sind, um eine Stunde vor Beginn der Stadtratssitzung Stimmung für den Zusammenschluss zu machen.

Und die kommt wirklich auf. Gemeinsam mit den Glocken der Brüderkirche Punkt 18 Uhr rasselt und tutet es, es wird gepfiffen und gejohlt. Als wenn das nicht schon reicht, haben die Nobitzer auch ihr Blasorchester, einschließlich des Wildecker Herzbubens Wolfgang Schwalm, mitgebracht, weswegen viele Passanten verdutzt stehen bleiben und sich die Aktion ansehen.

"Heute wird dem OB der Marsch geblasen", hat der Saaraer Gemeinderat und Linken-Kreischef Frank Tempel die Lacher auf seiner Seite. Tempel geht, wie viele Redner vor und nach ihm auch, auf die angeblichen Nachteile ein, die Altenburg bei einer Fusion hätte. Der Kreisstadt werde kein einziger Einwohner weggenommen und kein Quadratzentimeter Land, ruft der Bundestagsabgeordnete. "Aber die Haltung Altenburgs zeigt, dass es einen Anspruch auf die umliegenden Dörfer erhebt", trifft Tempel den Nerv der Leute. Die Demonstration sei ein eindeutiges Zeichen dagegen.

"Das ist eine einmalige Protestaktion", freut sich der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) über den Zuspruch. Auch er wettert gegen das Argument angeblicher Nachteile für Altenburg, sieht bei den Fusionsgegnern viel eher das Ziel, Saara zu zerschlagen und die alten Kreisgrenzen wieder herzustellen. "Wir wollen nicht, dass uns mal ein Herrenhaus saniert wird oder wir aus Gnade einen Kinderspielplatz bekommen. Wir wollen selbst über uns bestimmen", erntet Läbe tosenden Applaus.

Ebenso laute Pfiffe und Buhrufe bekommt dagegen SPD-Stadtratsfraktionschef Nikolaus Dorsch ab, als er zu den Demonstranten spricht und vom Getöse mehrfach unterbrochen wird. Vor allem, als er die Fusion als unausgegoren und das dazugehörige Gesetz als überzogen bezeichnet. Dorsch zeigt sich von der Aktion beeindruckt und sagt, dass des Volkes Meinung wichtig sei. "Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die einknicken, selbst wenn viele Menschen anderer Meinung sind", ruft Dorsch. Die Zukunft des ländlichen Raumes müsse genauso wichtig sein, wie die einer Stadt.

"Es gehört schon eine Menge dazu, einen so alten Hasen nach über 20 Jahren in der Kommunalpolitik zu beeindrucken", bekommt auch Saaras Bürgermeister Stephan Etzold (CDU) angesichts der Stimmung feuchte Augen. "Wir wollen Altenburg nicht schaden, sondern den ländlichen Raum stärken", ruft er den Leuten zu. Die Altenburger fordert er auf, darüber nachzudenken, dass der Name des Kreises nicht nur aus Altenburg besteht. "Wir sind keine dummen Bauern", sorgt Etzold erneut für Pfiffe.

Aufgekratzt und guter Laune verlässt Ingrid Hecht am Ende der Demonstration den Markt. "Ich bin sehr glücklich, dass so viele gekommen sind", meint die Ehrenhainerin. "Das zeigt uns, das wir mit unserem Einsatz für die Fusion auf dem richtigen Weg sind und belohnt werden."

Die Sitzung des Stadtrates dauerte bei Redaktionsschluss noch an. Einen ausführlichen Bericht darüber lesen Sie in der morgigen Ausgabe.

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