Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nobitzer und Saaraer demonstrieren in Altenburg für Gemeindefusion

Nobitzer und Saaraer demonstrieren in Altenburg für Gemeindefusion

Über 300 Menschen haben gestern vor dem Altenburger Rathaus für die Fusion von Saara und Nobitz demonstriert. Gegner des Gemeindezusammenschlusses bekamen kurz vor Beginn der Sonder-Stadtratssitzung dagegen Buhrufe und Pfiffe ab.

Altenburg/Nobitz/Saara.

 

 

 

 

Von Jens Rosenkranz

"Da hat sich die SPD ja ein schönes Ei gelegt." Dietmar Urbansky ist schon lange vor dem Beginn der Demonstration auf dem Markt und jetzt richtig in Kampfeslaune. "Ich habe immer SPD gewählt, aber nun nicht mehr", ist der Ehrenhainer sauer darüber, dass die Sozialdemokraten der Skatstadt Vorreiter im Kampf gegen die Fusion sind. Er gehört zu über 300 Einwohnern der Gemeinden Saara und Nobitz, die gestern mit Bussen und PKW nach Altenburg gefahren sind, um eine Stunde vor Beginn der Stadtratssitzung Stimmung für den Zusammenschluss zu machen.

Und die kommt wirklich auf. Gemeinsam mit den Glocken der Brüderkirche Punkt 18 Uhr rasselt und tutet es, es wird gepfiffen und gejohlt. Als wenn das nicht schon reicht, haben die Nobitzer auch ihr Blasorchester, einschließlich des Wildecker Herzbubens Wolfgang Schwalm, mitgebracht, weswegen viele Passanten verdutzt stehen bleiben und sich die Aktion ansehen.

"Heute wird dem OB der Marsch geblasen", hat der Saaraer Gemeinderat und Linken-Kreischef Frank Tempel die Lacher auf seiner Seite. Tempel geht, wie viele Redner vor und nach ihm auch, auf die angeblichen Nachteile ein, die Altenburg bei einer Fusion hätte. Der Kreisstadt werde kein einziger Einwohner weggenommen und kein Quadratzentimeter Land, ruft der Bundestagsabgeordnete. "Aber die Haltung Altenburgs zeigt, dass es einen Anspruch auf die umliegenden Dörfer erhebt", trifft Tempel den Nerv der Leute. Die Demonstration sei ein eindeutiges Zeichen dagegen.

"Das ist eine einmalige Protestaktion", freut sich der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) über den Zuspruch. Auch er wettert gegen das Argument angeblicher Nachteile für Altenburg, sieht bei den Fusionsgegnern viel eher das Ziel, Saara zu zerschlagen und die alten Kreisgrenzen wieder herzustellen. "Wir wollen nicht, dass uns mal ein Herrenhaus saniert wird oder wir aus Gnade einen Kinderspielplatz bekommen. Wir wollen selbst über uns bestimmen", erntet Läbe tosenden Applaus.

Ebenso laute Pfiffe und Buhrufe bekommt dagegen SPD-Stadtratsfraktionschef Nikolaus Dorsch ab, als er zu den Demonstranten spricht und vom Getöse mehrfach unterbrochen wird. Vor allem, als er die Fusion als unausgegoren und das dazugehörige Gesetz als überzogen bezeichnet. Dorsch zeigt sich von der Aktion beeindruckt und sagt, dass des Volkes Meinung wichtig sei. "Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die einknicken, selbst wenn viele Menschen anderer Meinung sind", ruft Dorsch. Die Zukunft des ländlichen Raumes müsse genauso wichtig sein, wie die einer Stadt.

"Es gehört schon eine Menge dazu, einen so alten Hasen nach über 20 Jahren in der Kommunalpolitik zu beeindrucken", bekommt auch Saaras Bürgermeister Stephan Etzold (CDU) angesichts der Stimmung feuchte Augen. "Wir wollen Altenburg nicht schaden, sondern den ländlichen Raum stärken", ruft er den Leuten zu. Die Altenburger fordert er auf, darüber nachzudenken, dass der Name des Kreises nicht nur aus Altenburg besteht. "Wir sind keine dummen Bauern", sorgt Etzold erneut für Pfiffe.

Aufgekratzt und guter Laune verlässt Ingrid Hecht am Ende der Demonstration den Markt. "Ich bin sehr glücklich, dass so viele gekommen sind", meint die Ehrenhainerin. "Das zeigt uns, das wir mit unserem Einsatz für die Fusion auf dem richtigen Weg sind und belohnt werden."

Die Sitzung des Stadtrates dauerte bei Redaktionsschluss noch an. Einen ausführlichen Bericht darüber lesen Sie in der morgigen Ausgabe.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr