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Altenburg Nobitzer züchtet die vom Aussterben bedrohten Vierhornziegen
Region Altenburg Nobitzer züchtet die vom Aussterben bedrohten Vierhornziegen
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00:20 22.05.2018
Kurt Rauschenbach hält und züchtet die seltenen Vierhornziegen. Quelle: Jörg Reuter
Nobitz

Kurt Rauschenbach ist ein Tierfreund, und er ist ein Liebhaber des Ausgefallenen. Und das sind seine Ziegen allemal – denn sie haben vier anstelle von normal zwei Hörnern. Seit 2001 hält er die extrem seltenen Tiere. Weltweit gibt es wohl weniger als 200 Vierhornziegen – und 20 davon stehen bei Kurt Rauschenbach. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ungewöhnlichen Ziegen das erste Mal im Zoo Wien erwähnt. Kurt Rauschenbach hat Ende der 90er von den Tieren gelesen und ihm war klar, die möchte er auch.

Eine Vierhornziege in voller Schönheit. Quelle: Jörg Reuter

Bei Bremen gab es einen Halter, zu dem der Nobitzer fuhr und sofort eine Zicke mitnahm. „Die habe ich einfach in den Kofferraum gestellt. Ich erzähle nicht, was meine Frau dazu gesagt hat, das Auto war ja gerade 21 Tage alt“, erinnert sich Rauschenbach mit gemischten Gefühlen. Jedoch war ihm damals überhaupt nicht klar, was für eine Seltenheit er hinter seiner Rückenlehne mit dem nagelneuen Auto durch die Republik chauffierte. „Da sind ja reine Show-Ziegen. Mich hat damals wie heute ihr ungewöhnliches Äußeres begeistert“, gibt der Pensionär zu. Deshalb habe er sich die Tiere angeschafft.

Erst einige Zeit später wurde ihm bewusst, dass die Vierhornziegen praktisch vor dem Aussterben stehen. Was wiederum seinen Ehrgeiz anregte. Zwar gelten sie nicht als eigenständige Rasse, dennoch hat sich in Österreich und Deutschland eine Gruppe Enthusiasten gefunden, die ihre Passion darin sieht, die Vierhornziegen zu erhalten. Und da mischt Rauschenbach kräftig mit. Erst kürzlich war er wieder beim Vierhornziegen-Erhalter-Treffen in Österreich. „50 Prozent der Vierhornziegen, die es in Deutschland gibt, stammen von mir“, erklärt er stolz, während sein aktueller zwei- und vierhörniger Zuchterfolg meckernd auf noch wackeligen Beinchen unter den Augen der Muttertiere ihr Gehege entdeckt.

Im Gehege von Kurt Rauschenbach wird viel „gemeckert“. Quelle: Jörg Reuter

Die Ziegen mit zwei Hörnern gibt er ab oder lässt Wurst daraus machen. „Da habe ich einen Fleischer gefunden, der das auf hohem Niveau kann“, sagt Rauschenbach und fügt betrübt an: Das seien natürlich nicht die schönsten Tage, wenn er die Tiere zum Fleischer bringt. Nicht zuletzt, weil die Ziegen zahm und anhänglich sind. „Und sie sind gescheit. Wenn ich hier nicht alles verrammele, gehen sie auf Erkundungstour“, spricht der Halter – und die Ziegen zeigen prompt, wie sie flugs hinter seinem Rücken das Gatter öffnen. Doch die Tiere sind nicht nur geschickt, sie folgen auch aufs Wort, und so kann sie der Halter schnell wieder hinter den Zaun lotsen.

Zucht der seltenen Tiere ist nicht ganz problemlos

Ja, meint Rauschenbach, obwohl die Züchter untereinander Tiere tauschen, sei die Population der Vierhornziegen so klein, das es nicht ganz ohne Inzucht geht. Das beweist das Zuchtbuch. Um dennoch frisches Blut in die Herden zu bekommen, werden Zweihornziegen eingekreuzt. Die Folge ist, dass unter den kleinen Zicklein nur rund 25 Prozent vier Hörner tragen, die anderen haben ganz normal zwei Hörnchen.

Zahm und schlau: seine Vierhornziegen fressen Kurt Rauschenbach aus der Hand. Quelle: Jörg Reuter

Das Wunschziel der Züchter wäre es, einen reinerbigen Vierhornziegen-Stamm hervorzubringen. Ob das gelingt, weiß keiner. „Und die Fachleute streiten sich auch, ob es das jemals gegeben hat“, sagt Rauschenbach – ganz in seinem Element.

Doch nicht nur das Einkreuzen bereitet Probleme. Auch der Wolf könnte das Ende für die Vierhornziegen bringen. Der Züchter aus Norddeutschland, wo Rauschenbach sein erstes Tier geholt hatte, hat aufgegeben. „Er ist mittlerweile über 70 und hat mich gefragt, ob ich seine restlichen Ziegen nehme, weil es bei ihm inzwischen zu viele Wölfe gibt und er es altersbedingt nicht mehr schafft, die Tiere zu sichern“, erzählt der Nobitzer über seine neuesten Zuwächse auf seiner Wiese.

Er selbst habe nichts gegen die Rückkehr des Wolfes, meint der 64-Jährige. Dennoch hofft er, dass die Raubtiere sich Zeit lassen mit dem Besiedeln der Region. Und dass, wenn es soweit ist, hohe Zäune unter Strom die Wölfe letztlich von den Ziegen fernhalten.

Von Jörg Reuter

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