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"Nyamacela" - die Müllsammlerinnen von Bamako

"Nyamacela" - die Müllsammlerinnen von Bamako

"Nyamacela" ist das Wort, mit dem in der Hauptstadt Malis Menschen bezeichnet werden, die sich ihren Lebensunterhalt durch Müllsammeln verdienen.

Gezeigt wird eine Dokumentation, bestehend aus großformatigen Fotos und Texten. Zusammengestellt hat sie Franziska Muckenthaler. Die 29-jährige Ethnologin, Germanistin und Historikerin hatte sich vor drei Jahre mehrere Monate zu den Müllsammlerinnen in Bamako gesellt, lebte mit ihnen zusammen in der Familie und spricht heute noch von NbaMariam als ihrer Mutter Mariam.

 

War für Franziska Muckenthaler die Müllkippe zunächst ein apokalyptischer Ort, wurde dieser Berg des Schreckens für sie nach und nach zu einem Ort der Arbeit, zu dem sie jeden Tag mit dem Sammeltaxi fuhr. "Langsam begann ich, den Müllberg als eine Art Fabrik zu sehen", sagte sie. "Jeden Tag kamen neue Rohstoffe an, die die Müllsammlerinnen wieder in Wert setzen und von denen sie täglich leben."

 

Über ihre ethnologischen Forschungen in Mali hat Muckenthaler ein Buch geschrieben, das zur Ausstellungseröffnung im Museum präsentiert wurde. Es trägt den Namen der Ausstellung und ist erschienen in der edition-tethys, Herausgeber ist der Ethnologe Olaf Günther. Gefördert wurde das Projekt durch das Mauritianum. Es ist ein Buch, das uns Einblick gibt, in eine Welt, die uns zunächst fremd scheint.

 

Die Fotos von den Müllhalden in und am Rande der Millionenstadt Bamako erschrecken. So etwas kennen wir hier nicht. Gesammelt werden Plaste und Eisen. Es gibt Abnehmer dafür, und die Frauen verdienen für dortige Verhältnisse nicht wenig. Die Müllsammlerinnen wohnen in den ärmeren Bezirken der Stadt und fahren zur Arbeit in die reicheren Gegenden. Wohlhabende Leute produzieren wertvolleren Müll. Dabei befinden sich die Müllsammlerinnen schon an der letzten Stelle der Recyclingkette. Der Müll wird bei den Leuten daheim abgeholt. Meist tun das Menschen, die nicht in Lohn und Brot stehen. Sie suchen sich das Wertvollste schon heraus und erhalten auch für das Abholen ein kleines Geld. Der Müll wird auf die Deponie gebracht, über den stürzen sich dann die Frauen. Plastetüten bringen viel ein. Aus ihnen werden wieder Tüten, oder sie werden verarbeitet zu Haushaltgegenständen. Aus Eisen werden Töpfe und Pfannen.

 

Das Buch enthält Tagebuchauszüge der Autorin, in denen man viel über das alltägliche Leben in Bamako erfährt. Über die Sorgen und Freuden der Frauen, über die Familien. Muckenthaler schreibt: "Das Leben der Müllsammlerinnen ist also nicht traurig, sondern eine bemerkenswerte Leistung, die täglich unter Einsatz der eigenen Gesundheit erbracht wird."

 

Am Schluss ihres Buches schreibt die Autorin: "Auch wenn mir diese Welt anfangs fremd war, ist mir heute klar, wie nah sich unsere Welten wirklich sind. Sie gehören zusammen über die materielle Welt des Mülls und über die großen weltumspannenden Güterkreisläufe." Ergänzt wird die Ausstellung durch Informationen des NABU über die Müllkippe Meer. In den Ozeanen gibt es keine Müllsammler. Noch nicht. Die Ausstellung ist bis Ende des Jahres zu sehen.

 

Eine kritische Anmerkung sei gestattet. So wie es eine Naturverschmutzung gibt, gibt es auch eine Sprachverschmutzung. Eine Plastetüte ist keine Plastiktüte. Plastik ist das falsche Wort. Es wird aber durchgängig gebraucht, sowohl im Buch als auch in den Ausstellungstexten. Man kann aus Plaste eine Plastik herstellen. Playmobil macht das wunderbar. Aber aus einer Plastik kann man keine Tüte herstellen. Es sei denn, die Plastik ist aus Plaste.

 

Franziska Muckenthaler: nyamancela - Die Müllsammler von Bamako. Edition-tethys 2015. ISBN 978-3942525-00-2. 9,90 €

Klaus Peschel

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