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OB Wolf: „Naturforschende Gesellschaft und Mauritianum sind ein Juwel für die Stadt“

200-jähriges Jubiläum OB Wolf: „Naturforschende Gesellschaft und Mauritianum sind ein Juwel für die Stadt“

Mit einem Festakt wurde am Sonntag das 200-jährige Jubiläum der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg gewürdigt. Passend zum Anlass wurde zeitgleich die Sonderausstellung „Forscher, Sammler, Sammlungen – Lebenswerke von privat – gesichert im Museum“ im Naturkundlichen Museum Mauritianum eröffnet.

Die Sammler Walter Ludwig, Roland Fuhrmann, Ulrich Poller, Wolfgang Reißmann, Museumsdirektor Mike Jessat und Staatssekretärin Babette Winter (v.l.) schneiden am Sonntag die Geburtstagstorte an.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. „Naturforschung ging und geht mit Sammeln einher“, sagte Steffen Schmidt, der Vorsitzende der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg am Sonntag. Auf den Tag genau vor 200 Jahren wurde diese – damals noch als Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes bekannt – gegründet. Zum Festakt anlässlich des Jubiläums im Mauritianum wurde deshalb nicht nur ein Blick auf die Geschichte der Gesellschaft geworfen, sondern auch die neue Sonderausstellung „Forscher, Sammler, Sammlungen – Lebenswerke von privat – gesichert im Museum“ eröffnet.

Für die Landesregierung gehöre das Mauritianum zu den drei wichtigsten naturkundlichen Museen des Freistaates, sagte Kulturstaatssekretärin Babette Winter in ihrem Grußwort. „Das Besondere hier ist, dass die Sammlungen aufgrund bürgerschaftlichen Engagements begründet wurden, was noch immer so ist“. Auch deshalb habe das Land den Ankauf von Sammlungen in der jüngeren Vergangenheit finanziell unterstützt. Und werde es auch weiterhin tun, weil die Arbeit der Naurforschenden Gesellschaft vom Bewahren über des Forschen bis hin zum Vermitteln des Wissens einen unschätzbaren Dienst für Natur und Naturschutz leiste, erklärte Winter.

Von beinahe unschätzbarem Wert für die Wissenschaft seien die Sammlungen, die in den vergangenen zehn Jahren erworben wurden und die nun auszugsweise in der Sonderschau zu sehen sind, sagte Museumsdirektor Mike Jessat. Pro Jahr versuche das Mauritianum, eine Sammlung zu erwerben, um diese zu sichern, für die Nachwelt zu erhalten und wissenschaftlich auszuwerten. „Die bedeutendsten Zuwächse seit 2007 seien die neun Sammlungen der acht Sammler, die jetzt zu sehen sind“, so Jessat. Darunter ist eine Federsammlung, die die heimischen Vogelarten dokumentiert, eine Schmetterlingssammlung der hiesigen Arten sowie Fossilen und Bernsteine, die einen Blick in die Erdgeschichte zulassen. „Herausragend ist die umfangreiche Sammlung von Bernsteinen mit Inklusen aus dem Bitterfelder Braunkohlerevier“, fand Jessat. Sie dokumentiere die Flora und Fauna des Waldes der Region vor 20 Millionen Jahren.

Seit ihrer Gründung kümmert sich die Naturforschende Gesellschaft, zu deren Mitgliedern Berühmtheiten wie Alfred Brehm gehörten, um die Erforschung der einheimischen Region. Doch die Altenburger erwarben sich durch ihre wissenschaftliche Arbeit und die in den eigenen Medien publizierten Erkenntnisse auch einen internationalen Ruf. Das verschaffte der Gesellschaft Spielräume zu DDR-Zeiten und erleichterte den Neuanfang nach der Wende. Eine der schwierigsten Phasen erlebte die Gesellschaft mit ihrem 1907 gebauten Museum in den Jahren nach dem Jahrtausendwechsel. Die Zukunft des Hauses und seine Finanzierung standen immer wieder in Frage. Was schließlich zu einem enormen Vertrauensverlust bei den Sammlern sorgte. Damals war Altenburg, anders als Leipzig oder Erfurt, bei ihnen keine Adresse für ihren Nachlass, erinnerte sich Jessat.

Das änderte sich, als die Trägerschaft des Mauritanums 2007 der Förderverein übernahm, der sich bald darauf wieder Naturforschende Gesellschaft – diesmal aber mit dem Zusatz „Altenburg“ – nannte. Vor wenigen Tagen hatte der Kreistag einstimmig die Förderung der Gesellschaft für die kommenden zehn Jahre beschlossen. „Mich beeindruckt, mit wie viel Herzblut Sie sich engagieren“, sagte Vize-Landrat Matthias Bergmann, für den die Sammlungen des Maurianums ein ihm anvertrauter kleiner Teil der Weltgeschichte seien. „Diese 270 000 Euro im Jahr sind für das, was Sie hier leisten, sicher zu wenig. Für das, was der Landkreis leisten kann, ist es dennoch eine enorme Summe“, betonte Bergmann.

Mit dem Ensemble Mauritianum, Lindenaumuseum und Residenzschloss könne Altenburg kulturelle Schätze vorweisen, die normalerweise in Großstädten erwartet würden, sagte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Die Naturforschende Gesellschaft mit dem Mauritianum sei ein Juwel für die Stadt. Die Mitglieder und Mitarbeiter leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines naturbezogenen Wertebewusstseins, sondern schaffen es auch, mit wissenschaftlicher Arbeit, beispielsweise Gutachten, Eigenmittel zu erwirtschaften, die die Erweiterung der Sammlung und mithin die Forschung ermöglichen.

Von Jörg Reuter

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